TopTurniere Tagesbuch aus Wijk aan Zee: Massenstart
15.01.2006 - Eigentlich kennt die Sportwelt die Dramaturgie eines Massenstarts von den spektakulären Rennen: Das Autorennen in Le Mans ist mit dem Fahrersprint zu den wartenden Autos zum Inbegriff des Massenstarts geworden, Großveranstaltungen wie beim 5km-Langstrecken-Schwimmen der Thriatlon-Wettkämpfe oder beim Marathon-Lauf sind die optischen Höhepunkte eines jeden Sportfotografen.
Obwohl Schachspieler bei den traditionellen
Schachpartien mit langer Bedenkzeit eigentlich ein Schneckentempo
hinlegen könnten, sind die Theorie-Haie oftmals in ihrem Metier und
spulen in kürzester Zeit ihre vorbereiteten Eröffnungen herunter.
Wenn erstmal die Pfade der Theorie verlassen
werden, dann wird Gang "Schneckentempo" eingelegt - und nur
Puristen können sich dann am weiteren Verlauf des Geschehens ergötzen,
wenn halbstündige Grübeleien am Brett angesagt sind. Für den
Theorie-Hai ist es dann zum Schmunzeln (natürlich nur innerlich), wenn
er sieht, wie sein Gegner spürt, daß er aufs Glatteis geführt wird.
In der zweiten Runde des Corus-Turniers in Wijk
aan Zee demonstrierten die Schnelldenker in den Großmeister-Gruppen A
und B, wie gut sie ihre Eröffnungen vorbereitet haben, nimmt man mal den
Zeitverbrauch in der Startphase als hypothetisches Kriterium. Nachdem
gerade mal 30 Minuten vergangen waren, hatten die Kontrahenten eine
unterschiedliche Geschwindigkeit an den Tag gelegt:
Doch nach 30 Minuten im traditionellen Schach
mit langer Bedenkzeit werden höchstens Erbsenzähler aktiv, die Spannung
kommt erst etwas später auf. Dieser These folgte auch der Engländer
Michael Adams, als er gegen den amtierenden Weltmeister Vesselin Topalov
in der zweiten Runde des Corus-Turniers im niederländischen Wijk aan Zee
antrat. Diese Partie hat die Chess Tigers so beeindruckt, daß wir sie
Ihnen als "Partie des Tages" nicht vorenthalten wollen.