TopTurniere Waffenstillstand - Frieden in San Luis Alle Gegner akzeptieren Topalov als neuen Weltmeister
09.10.2005 - Im Tigerfreigehege war nochmal höchste Spannung aufgekommen, denn sollte in der direkten Begegnung zwischen ihrem Königstiger Anand und dem designierten FIDE-Weltmeister Topalov ein Sieg herausspringen, dann könnte noch einmal ein bisschen Spannung aufkommen. Aber es kam leider anders. Dem profunden Kenner der Spanischen Partie, Vishy Anand, misslang die Eröffnung mit Weiß und er mußte zähneknirschend die dreimalige Stellungswiederholung forcieren. Oder war es ein Akt der Anerkennung der unmittelbaren Konkurrenten um den Schachthron, Leko und Anand, den willensstarken "Starfighter" Veselin Topalov als ihren "Besten" hier in San Luis mit zwei "leichten" Remis in Runde 8 und 9 von 14 und angesichts des großen Vorsprungs in der Tabelle friedfertig zum Titel zu begleiten?
Die neunte Runde brachte nach Experten-Meinung die Vorentscheidung für Topalov
Die Schlachten sind geschlagen und bei der Kapitulation bemühen sich nun alle Teilnehmer nur noch um Schadensbegrenzung. Feigheit vor dem besseren Gegner kann es nicht sein, sondern eher Selbstschutz, um nicht wie in der ersten Turnierhälfte in die brutalen Konter des klar dominierenden Veselin Topalov zu rennen, um letztendlich dann noch schwer gezeichnet KO zu gehen.
Anand gegen Topalov -
Mister Cool, der Bulgare Veselin Topalov, macht die Partie gegen den härtesten e4-Aufschläger im Schachzirkus Anand ohne in Turbulenzen zu geraten mit leichter Hand remis. Anand hatte sich bei dem Figurenopfer im 13.Zug auf f3 wohl mehr versprochen, was er aber nach 50 Minuten Nachdenken akzeptieren musste und ihn veranlasste, mit dreimaliger Stellungswiederholung die Notbremse zu ziehen. Hätte er lieber mal selbst g4 im 12.Zug gespielt, als es von Schwarz zuzulassen, so war das Remis nach für die Fans enttäuschend wenigen 17 Zügen perfekt. Es ist anzunehmen, dass er so leicht ins Remis einlenkte, weil er akzeptieren muss, dass Topalov der wahre Sieger von San Luis sein wird und er es ihm auch gönnen kann nach dem Turnierverlauf - sicher mit schwerem Herzen, aber mit der Weisheit eines Brahmanen.
Svidler gegen Kasimdzhanov -
In einem wilden Najdorf Sizilianer musste der mit Weiß spielende ärgste Verfolger von Topalov, Peter Svidler einsehen, dass Kasimdzhanovs romantische Verteidigung genügte, um das Remis zu forcieren. Leicht ironisch fühlte er sich veranlasst, mit Td3 im 34.Zug, mit Turm und Läufer mehr das Remis selber anzubieten, weil die Remisschaukel von Schwarz unausweichlich war - bravo Kasimdzhanov, das war Spitze!
Polgar gegen Adams -
In dieser Partie war wieder einmal hohes Expertenwissen in der Spanischen Verteidigung, dem Marshall Gambit, angesagt. Der staubtrocken spielende Engländer Mickey Adams wehrte jede noch so heiße Attacke der feuerigen First Lady des Schachs, Judit Polgar, mit britischer Unterkühltheit ab. Im 37.Zug wurde die Partie gerechter Weise friedlich beendet.
Morozevich gegen Leko -
Der Ungar Peter Leko riskierte einiges in dem von ihm meisterhaft beherrschten Sizilianischen Sveshnikov, opferte im späten Mittelspiel im 35.Zug einen Läufer. Er kam aber nicht ganz an den offengelegten weißen König von Alexander Morozevich heran und verlor schließlich noch die Partie. Damit avanciert der Moskoviter "Moro" zum Shootingstar der letzten drei Runden mit einem lupenreinen Hattrick und vollen Punkten gegen Kasimdzhanov, Anand und jetzt Peter Leko. Phantastisch - liegt er jetzt schon gleichauf mit Anand (+1) auf dem geteilten 3.-4.Platz und schickte den Ungarn Peter Leko vorerst mit (-1) in die zweite Tabellenhälfte.
Topalov
Svidler
Anand
Morozevich
Leko
Kasimdzhanov
Adams
Polgar
Wie sieht die Tabelle nach der 9. Runde aus?
Die
aktuelle Tabelle nach Runde 9:
Rang
Name
Elo-Performance
Punkte
1
Topalov
3015
7,5
2
Svidler
2810
5,5
3-4
Anand
2778
5,0
3-4
Morozevich
2777
5,0
5
Leko
2698
4,0
6
Kasimdzhanov
2653
3,5
7
Adams
2624
3,0
8
Polgar
2575
2,5
Der
Spielplan und alle bisherigen Ergebnisse auf einen Blick