TopTurniere El Real de Ciudad de Léon: Anand Sieger im Schnellschachturnier
12.06.2005 - Im Finale des Schnellschachturniers in Léon (Spanien) trafen Aussenseiter Kasimdzhanov (FIDE-Weltranglisten-Platz 33), der zuvor den auf Weltranglisten-Platz 13 rangierte Alexej Shirov relativ deutlich mit 3:1 Punkten ausschaltete, auf den indischen Schnellschachweltmeister Vishy Anand. Dieser zog durch ein ungefährdetes 3:1 gegen den norwegischen Jungstar GM Magnus Carlsen ins Finale ein. Wie würden die beiden ungleichen Kontrahenten agieren? Gleich die erste Partie sollte sich zu einem Paukenschlag entwickeln (20:32 Uhr).
GM Rustam Kasimdzhanov
In der ersten Final-Partie eröffnete
Kasimdzhanov
mit e4, Anand wählte die agressive Najdorf-Variante der
Sizilianischen Verteidigung. Im 16. Zug konterte Anand mit einem
Damenangriff am Königsflügel und hinderte
Kasimdzhanov, seine Königsstellung mit einer Rochade zu
festigen. Der Usbeke wiederum setzte seinen Angriff am Damenflügel
fort und gewann in der Folge einen Turm und damit die
Qualität. Anand hatte noch nicht rochiert und sein Läufer und Turm
litten demzufolge noch unter Entwicklungsrückstand. Nach dem 26. Zug und
einigem Materialabtausch verflachte
Kasimdzhanovs Angriff und seine verbleibende Bedenkzeit
wurde mit 3:26 zu über 16 Minuten zusehends knapper.
Kasimdzhanov
hatte Qualitätsvorteile (Turm gegen Läufer), doch Anand hatte zwei
Freibauern im Zentrum. Sein König stand jedoch relativ schutzlos
im Zentrum. In der Folge konnte Kasimdzhanov die Initiative an
sich reißen und setzte mit aktivem Figurenspiel den schwarzen
König zusehends unter Druck. Im 52. Zug kam dann der Damenabtausch
und Anand musste sich einer Bauernwalze am Damenflügel erwehren.
Der Usbeke konnte einen Freibauern umwandeln, Anand musste seinen
verbleibenden Turm abtauschen. Mit einem sensationellen
Qualitätsopfer (Läufer gegen Turm) leitete Kasimdzhanov in ein
Endspiel ein, sein Freibauer auf c4 sollte ihm den entscheidenden
Vorteil bringen. Trotz Zeitnachteil (13 Sekunden
verbleibender Bedenkzeit gegenüber Anands nahezu 14 Minuten) hatte
der Usbeke die bessere Position, Anand konnte den
Bauerndurchmarsch nicht mehr aufhalten und gab die Partie
verloren.
GM Vishy Anand
Die zweite Partie (Anand mit Weiß und Kasimdzhanov mit Schwarz)
entwickelte sich wiederum in den bekannten Pfaden der
Najdorf-Variante. Mit einem Springervorstoss konnte Anand die
gegenerische Königsstellung aufbrechen, er gewann den schwarzen
Bauern auf g7. Mit vier Minuten verbleibender Bedenkzeit
(gegenüber 15 Minuten für Anand) wollte sich Kasimdzhanov mit Tg8
verteidigen. Doch Anands Angriff war durchschlagend, mit seiner
Dame schlug er den schwarzen Turm auf g7 und besiegelte so das
Schicksal des Usbeken in nur 33 Zügen und beträchtlicher
Zeitreserve (13 Minuten für Anand gegenüber 1:34 für Kasimdzhanov).
Matchausgleich zum 1:1 Zwischenstand.
In der dritten Partie einigten sich die Kontrahenten nach 68
umkämpften Zügen mit einem Remis, die vierte und letzte Partie
sollte nach dem Zwischenstand von 1.5 zu 1.5 Punkten die
Turnier-Entscheidung bringen.
In der entscheidenden vierten Partie kam es zur Ruy
Lopez-Variante. Nach ausgeglichenem Verlauf kam es im 27. Zug zum
Damenabtausch. Anand opferte einen Springer gegen drei Bauern und
erhielt einen gefährlichen Angriff am Damenflügel, gestützt auf
drei verbundene Freibauern. Und dies sollte sich später als
matchentscheidend herausstellen. Im 37. Zug forcierte dann
Kasimdzhanov einen Turmabtausch. Noch 10 Minuten bis Buffalo,
Anand ließ nichts anbrennen - dagegen hatte Kasimdzanov nur noch 3
Minuten verbleibende Bedenkzeit.
Die Abwicklung war jetzt für den indischen Super-GM nur noch
eine Frage der Technik - nach 39. Ta1 drohte Anand den
gegnerischen Springer zu gewinnen oder seinen Freibauern
umzuwandeln - Kazimdshanow gab konsequenterweise auf. So erzielte
Anand eine 2.5 zu 1.5 Entscheidung im Finale und den damit
verbundenen Turniergewinn.