TopTurniere WM 2012 - Tiebreak! Auch die zwölfte Partie brachte keine Entscheidung
28.05.2012 - Zweifelsohne hat Viswanathan Anand in der letzten regulären Partie der Schach-WM 2012 versucht, seinen Gegenüber zu schlagen und ihn dabei von Beginn an zum Nachdenken gezwungen, doch Boris Gelfand löste die ihm gestellten Probleme zufriedenstellend. Dennoch, der Champion muss(te) sich die Frage gefallen lassen, warum er in der Schlussstellung nach nur 22 Zügen Remis bot, wo er doch einen Bauern und massig Zeit mehr hatte. Gelfand wären pro Zug bis zur ersten Zeitkontrolle weniger als eine 1 Minute geblieben. Anand sagte dazu, dass es für das Spielen auf Zeit immerhin noch einiger Figuren bedürfe, von denen allerdings nicht mehr viele auf dem Brett waren. Und Gelfand merkte etwas provokant an, dass sie ein Match spielen würden und nicht zur Unterhaltung der Zuschauer. So muss nun der Tiebreak darüber entscheiden, ob Anand Weltmeister bleibt, oder Gelfand der 16. Weltmeister wird. Am Dienstag können sich die Spieler auf das Stechen vorbereiten, und am Mittwoch wird dann ab 10:00 Uhr MEZ weiter um die Schachkrone gerungen.
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Name
NAT
ELO
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
Total
Perf.
+/-
V. Anand
IND
2791
½
½
½
½
½
½
0
1
½
½
½
½
6.0
2727
-11
B. Gelfand
ISR
2727
½
½
½
½
½
½
1
0
½
½
½
½
6.0
2791
+11
Regeln für den Tiebreak
Die Farben werden neu ausgelost und vier Partien Schnellschach gespielt. Die Bedenkzeit wird 25 Minuten plus 10 Sekunden pro Zug betragen. Zwischen den Partien wird eine Pause von 10 Minuten gemacht, in welcher die Spieler ihre Sekundanten konsultieren dürfen.
Ist auch dann kein Sieger ermittelt, folgt ein Match über zwei Blitzpartien mit der Bedenkzeit 5 Minuten plus 3 Sekunden pro Zug. Dieses Blitzmatch kann sich maximal noch vier Mal wiederholen.
Enden auch diese Duelle ausgeglichen, wird eine letzte Sudden Death-Partie gespielt. Wer die Auslosung gewinnt, darf die Farbe wählen. Der Weißspieler erhält dann 5 Minuten, der Schwarzspieler nur 4 Minuten. Ab dem 61. Zug erhalten beide Seiten einen Bonus von 3 Sekunden pro Zug. Endet diese Partie unentschieden, ist der Schwarzspieler Weltmeister.
V. Anand (2791) vs. Boris Gelfand (2727) WM 2012, Moskau - Partie 12 (B30 - Sizilianisch)
1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 e6 4.Lxc6 bxc6 5.d3 Se7 6.b3 Wieder wählt Anand mit diesem Zug eine Nebenvariante und bringt Gelfand früh zum Nachdenken. Zumeist wird hier 6.De2 oder 6.0–0 gespielt.
6...d6N Nach 18 Minuten wählt Gelfand einen Zug, der in keiner Datenbank auftaucht - also eine Neuerung.
7.e5 Laut Vladimir Kramnik sehr prinzipiell, sonst spielt Schwarz seinerseits e5. 7...Sg6
7...dxe5 kam natürlich auch in Betracht und es wäre interessant zu erfahren, was Anand daruf in petto hatte. Vermutlich einfach 8.Lb2 nebst Kompensation für den Bauern. (Schwer vorstellbar, dass Anand 8.Sxe5?! geplant hatte, aber so ganz trivial ist 8...Dd4 mit Doppelangriff auf den Springer und den Turm nicht. Nach 9.Sc4 Dxa1 10.Lb2 Dxa2 11.Sc3 Da6 12.Sd6+ Kd7 13.Sxf7 Tg8 14.Se5+ Kc7 15.Dh5 spielt Weiß mit einem Turm weniger, aber irgendwie lebt er noch. Schach ist ein verrücktes Spiel... )
Analysediagramm
8.h4!? Weiß bietet ein Bauernopfer an, um dann auf die schlechtere Bauernstruktur des Schwarzen zu spielen. "Eine sehr menschliche Idee!" '(Kramnik)
8...Sxe5 9.Sxe5 dxe5 10.Sd2 Wieder taucht Gelfand lange ab und sucht nach dem richtigen Plan. 10...c4!? "Wow", hallte es durch sämtliche Chats und überraschte auch die GM-Kommentatoren. Rund 30 Minuten hat sich Gelfand für dieses Rückopfer des Mehrbauern genommen und hat fortan nur noch eine Stunde bis zum 40. Zug.
10...Dd4 war bei vielen Kiebitzen der Hauptzug. z. B. 11.Tb1 (11.La3 lautet die spielbare Alternative, um sich das Recht der langen Rochade zu bewahren.) 11...Le7 12.Sc4 0–0 13.Lb2 Dd5 14.Se3 mit unklarer Lage.
11.Sxc4 Für diesen Zug benötigte der Weltmeister seinerseits gut 20 Minuten. 11.dxc4 und 11.bxc4 waren auch nicht so abwegig. 11...La6 12.Df3
12.Sxe5?? wäre ein kolossaler Bock, denn nach 12...Da5+ wäre der Schimmel weg.
12...Dd5 Eine Partie voller Bauernopfer - und das in der letzten WM-Partie beim Stand von 5,5 zu 5,5...
12...Dc7 hätte den Bauern behalten, aber dafür auch die schlechte Struktur.
13.Dxd5
13.Dg3!? "Ein Kaffeehausspieler wie ich hätte diesen Zug gespielt." (Bischoff)
13...cxd5 14.Sxe5 f6 15.Sf3 e5 16.0–0 Nun hat plötzlich Weiß einen Bauern mehr, aber dafür hat Schwarz das berüchtigte Läuferpaar.
16...Kf7 17.c4 Le7 18.Le3 Lb7
Nach 18...d4?! 19.Ld2 Lb7 20.b4 könnte sich die weiße Bauernmehrheit am Damenflügel bezahlt machen.
19.cxd5 Lxd5 20.Tfc1 a5 21.Lc5 Thd8
21...Lxc5 22.Txc5 Lxf3 23.gxf3 sollte wohl mit einem Remis enden, aber laut einiger Top-Großmeister ist dies keineswegs einfach.
22.Lxe7 Hier bot Anand urplötzlich die Punktteilung an, welche Gelfand natürlich erfreut akzeptierte. Nahezu alle Kiebitze und Kommentatoren verstanden nicht, warum der Weltmeister hier - bar jeder Verlustgefahr - die Stellung nicht ausspielte. Wie auch immer, nun muss die WM 2012 im Tiebreak entschieden werden. ½-½
Wieder überraschte Anand seinen Gegner mit einem seltenen Aufbau
Begeisterung sieht anders aus...
Kurz darauf tauchte Gelfand ganz tief ab und ließ seine Uhr auf eine Stunde herunter ticken
Heute hatte Dirk Jan ten Geuzendam mit dem 14. Weltmeister Vladimir Kramnik einen der größten Match-Experten der Welt zu Gast
Ja, Anand hatte eindeutig vor, die 12. Partie zu gewinnen, brachte es aber nicht über sich, seinen Gegner im Endspiel zu quälen
Wirklich unzufrieden wirkte keiner der Spieler darüber, dass die Entscheidung nun im Tiebreak fallen muss
Durch und mit Chess Classic-Organisator Hans-Walter Schmitt wurde Vishy Anand der erfolgreichste Schnellschachspieler der Welt. Vielleicht wird ihm dieser Umstand nun sehr nützlich sein...