TopTurniere MTel Masters V / Blitzduell der Königstiger, 1:0 für Anand Klassik Weltmeister muß wieder eine präparierte Theorieniederlage hinnehmen
17.05.2005 - Hatte der traditionelle Weltmeister schon in Brissago 2004 im WM-Kampf gegen seinen Herausforderer aus Ungarn, Peter Leko, eine spektakuläre Schwarz-Niederlage in der achten Partie des WM-Kampfes mit einem Blackout beim 25.Zug Dd3 hinnehmen müssen, ereilte ihn heute ein noch schwerwiegendere Aussetzer - oder war es einfach Unachtsamkeit. Der gestern noch auf den letzten Tabellenplatz abgestürzte Tiger von Madras nutzte die Gunst der ersten Spielstunde und sanierte mit einer Kurzpartie seinen Punktestand entscheidend und beförderte das zweite Ehrenmitglied der Chess Tigers durch diesen 20-Züge-Sieg in einer Russischen Partie auf den geteilten letzten Platz der Tabelle. "Lerne durch Kurzpartien" heißt ein Bestseller im Schachbuchbereich!
Hier allerdings müsste aber der Titel heißen: "Lerne Ideen zu verfeinern von lieben Kollegen". Total ähnlich verlor Kramnik gegen Anand in einer Russischen Partie bei der Chess Classic 1999 im Fujitsu Siemens Giants mit Kasparov, Anand, Karpov und Kramnik - als er auch vergass eine Partie von Anand gegen Karpov vom Vortag anzuschauen. Diesmal versäumte er die Partie Polgar gegen Adams von gestern zu analysieren - unglaublich, dass auf diesem Niveau in einem so frühen und logischen Partiestadium für einen ausgewiesenen Kenner dieses Verteidigungssystems, wie es nun mal der Weltmeister Vladimir Kramnik ist, so ein Missgeschick passieren kann. "Take it easy" Vladimir, morgen hast Du die weißen Steine und kannst den Spieß wieder umdrehen.
Der Held des Tages aber war wieder einmal der große Kämpfer Topalov. Mit einem hochinteressanten Sieg im Najdorf-Sizilianer mischt er das Feld nach seinem gestrigen Weißsieg gegen Anand richtig durch und schiesst vom Tabellenende an die Spitze des Feldes. Die Jungs aus dem Danailov-Stall scheinen richtig Blut geleckt zu haben und verfügen anscheinend über genügend physische und psychische Reserven, wobei Ruslan Ponomariov heute Judit Polgar mit der Berliner Verteidigung im Spanier mit Schwarz hochinteressant stoppte.
In der folgenden Tabelle sind die Spieler auch optisch nach Punkten v.r.n.l. entsprechend des Tabellenstandes gelistet. In der unteren Zeile sind die Gesamtzügezahl und der Durchschnitt aufgeführt, darunter die einzelnen Spiele mit der jeweiligen Zügezahl. Alles andere ist selbsterklärend!
Ponomariov
Topalov
Anand
Polgar, J.
Adams
Kramnik
4,0 Punkte
4,0 Punkte
3,5 Punkte
3,5 Punkte
3,0 Punkte
3,0 Punkte
+ 2 / = 4 / - 1
+ 2 / = 4 / - 1
+ 1 / = 5 / - 1
+ 1 / = 5 / - 1
+ 1 / = 4 / - 2
+ 2 / = 2 / - 3
Züge 309 / 44 59,78,33,26,40, 45,28,
Züge 355 / 51 60,32,40,52,62, 52,54,
Züge 319 / 46 60,31,33,70,54, 51,20,
Züge 428 / 61 78,78,60,70,61, 52,29,
Züge 329 / 47 78,25,41,27,53, 51,54,
Züge 309 / 44 60,26,60,52,39, 52,19,
12 (zwölf) Remisen bei insgesamt 21 Spielen ist sensationell wenig im wahren Weltklasse-Hochleistungsschach und kein Mensch, bzw. kein echter Schachfan kann sich beschweren - dass ist wirklich große Klasse. Die Bandbreite der Einzelresultate ist exakt symmetrisch verteilt von + 1, Ruslan Ponomariov & Veselin Topalov über +- 0, Viswanathan Anand & Judit Polgar bis hin zu -1 bei Michael Adams & Vladimir Kramnik, also alles im grünen Bereich, beziehungsweise ist der Turniersieg vor den letzten drei Runden noch völlig offen. Die Partien wurden heute wieder alle mit 1.e4 eröffnet. Die Partie Adams gegen Topalov brachte den ersten Schwarzsieg - Kompliment an den Lokalmatador Veselin Topalov aus Bulgarien - wenn auch etwas glücklich zu Stande gekommen!
Der Kampf um die Spitze in der Weltrangliste ist jetzt voll entbrannt. Im Moment hat Vishy Anand noch die Weltranglistenposition No.1 mit 7 Punkten Vorsprung, aber er darf den Abstand zu Topalov nicht größer werden lassen als einen einzigen Punkt in Sofia! Zum Beispiel: Topalov macht in Sofia 6 Punkte aus 10 Partien, dann gewinnt er 5 Elo-Punkte dazu und hätte in der Juli-Liste 2778 + 5 = Elo 2783! Anand macht in Sofia nur 50%, also 5 Punkte aus 10 Partien und fährt ein Minus von 6 Elo-Punkten ein - dies würde bedeuten, dass er in der Juli-Liste mit 2785 - 6 = Elo 2779 dastehen würde, wenn er nicht noch ein Guthaben aus der Bundesligasaison von 4 Elo-Punkten hätte! Beide, Anand und Topalov, würden dann die Spitze der Fide-Weltrangliste bilden mit Elo 2783 - spannender verliefe dann in jedem Fall zukünftig der Kampf um die Pole-Position und auch andere Top Ten Spieler würden eingreifen wollen - denn die Bürde und 15-jährige Blockade des "Uneinholbaren" Kasparov ist endlich weg!
Der kumulierte Remis-Trend der Top-Turniere
Linares (2005) und Sofia (2005 - Stand nach Runde 7) im Vergleich
Runde 1
Donnerstag, 12.5.
Ergebnis
Kramnik
Ponomariov
1 : 0
Anand
Topalov
remis
Adams
Polgar
remis
Runde 2
Freitag, 13.5.
Ergebnis
Ponomariov
Polgar
remis
Topalov
Adams
remis
Kramnik
Anand
remis
Runde 3
Samstag, 14.5.
Ergebnis
Anand
Ponomariov
remis
Adams
Kramnik
1 : 0
Polgar
Topalov
remis
Runde 4
Sonntag, 15.5.
Ergebnis
Adams
Ponomariov
remis
Polgar
Anand
remis
Topalov
Kramnik
remis
Runde 5
Montag, 16.5.
Ergebnis
Ponomariov
Topalov
1 : 0
Kramnik
Polgar
1 : 0
Anand
Adams
remis
Runde 6
Mittwoch, 18.5.
Ergebnis
Ponomariov
Kramnik
1 : 0
Topalov
Anand
1 : 0
Polgar
Adams
1 : 0
Runde 7
Donnerstag, 19.5.
Ergebnis
Polgar
Ponomariov
remis
Adams
Topalov
0 : 1
Anand
Kramnik
1 : 0
Runde 8
Freitag, 20.5.
Ergebnis
Ponomariov
Anand
Kramnik
Adams
Topalov
Polgar
Runde 9
Samstag, 21.5.
Ergebnis
Topalov
Ponomariov
Polgar
Kramnik
Adams
Anand
Runde 10
Sonntag, 22.5.
Ergebnis
Ponomariov
Adams
Anand
Polgar
Kramnik
Topalov
Die Remisquote fällt mit dem 7.Spieltag auf sagenhafte 57,1%. Die Gesamtbilanz der Ergebnisse beträgt damit + 8 / = 12 / - 1. Acht (8) Mal gewann Weiß, ein (1) Mal Schwarz und zwölf (12) Partien endeten mit einem Remis - da kann der Schachfan nicht meckern oder?