TopTurniere MTel Masters II / Remis ist remis und bleibt remis... Experiment zum Spielzwang jetzt schon gescheitert?
15.05.2005 - Die Schumachers bestimmen über die Eccelstones und dies ist schlecht so. Die Schumachers sind Spitzensportler und verstehen etwas von ihrem Job - die Eccelstones sind Amateure, die mit langen Stangen im Nebel stochern, ganz egal ob es offizielle Funktionäre der Fide oder selbsternannte Weltmanager des traditionellen Schachs sind! Die Großmeister sind eindeutig die Chefs im Ring und lassen sich nicht von pfiffigen Veranstaltern oder Regelkundlern ins Bockshorn jagen - sie, und nur sie allein bestimmen über die Attraktivität von Schachveranstaltungen - egal ob es das MTel-Masters in Sofia, Ciudad de Linares oder die Championsleague in Dortmund ist.
Aber nicht nur die Top-Ten-Spieler bestimmen, wann eine Partie remis ist, sondern jeder Openteilnehmer, angefangen vom Großmeister bis hin zum kleinsten Amateur, sie beherrschen halt die Regeln der Selbstbestimmung! Natürlich ist das auch so in Mannschaftswettbewerben vom allerhöchsten Turnier angefangen, den Olympischen Spielen über die nationalen Meisterschaften, den obersten Amateurligen der Oberliga bis hinunter in die Tiefen der untersten Kreisklasse. Mein erstes Fazit: Weg mit allen Verordnungen, Zwängen und Bedingungen - lassen wir die wohlpräparierten Perfektionisten mit ihren Wünschen und ihrem Verständnis in Ruhe. Etablieren wir einfach spannendere Wettbewerbe daneben und lassen die Kunden entscheiden!
Das illustre Teilnehmerfeld, Kategorie 20 mit einem Elo-Schnitt von 2747, mit der Nr.1, Nr.2, Nr.4, Nr.6, Nr.7 und Nr.19 der aktuellen Weltrangliste der Fide lässt an Wünschen nichts in Sofia offen, aber die Remisquote ist mit 83,33% nach den ersten vier Runden sensationell hoch, völlig unerwartet.
Anand
Topalov
Kramnik
Adams
Polgar, J.
Ponomariov
INDIEN
BULGARIEN
RUSSLAND
ENGLAND
UNGARN
UKRAINE
Elo 2785
Elo 2778
Elo 2753
Elo 2737
Elo 2732
Elo 2695
Nach anstrengenden vier Spieltagen sieht die Tabelle hochinteressant aus. Der Weltmeister Vladimir Kramnik ist mit zwei entschiedenen Partien der "wildeste Spieler" im Feld, der Engländer Michael Adams der geschickteste Spieler und führt mit + 1, der nominell schwächste Teilnehmer Ruslan Ponomariov liegt völlig zurecht aber auch unglücklich mit - 1 am Ende der Tabelle. Von den 12 Partien wurden immerhin schon zwei (2) entschieden - da wollen wir nicht undankbar sein, denn die Zügezahl ist enorm hoch und die Spieldauer ist auslaugend anstrengend!
Der kumulierte Remis-Trend der Top-Turniere
Linares (2005) und Sofia (2005) im Vergleich
Adams
Kramnik
Anand
Topalov
Polgar, J.
Ponomariov
2,5 Punkte
2,0 Punkte
2,0 Punkte
2,0 Punkte
2,0 Punkte
1,5 Punkte
+ 1 / = 3 / - 0
+ 1 / = 2 / - 1
+ 0 / = 4 / - 0
+ 0 / = 4 / - 0
+ 0 / = 4 / - 0
+ 0 / = 3 / - 1
Züge 42,75 78,25,41,27,
Züge 46,00 60,32,40,52,
Züge 48,50 60,31,33,70,
Züge 49,50 60,26,60,52,
Züge 71,50 78,78,60,70,
Züge 49,00 59,78,33,26,
Morgen geht es weiter mit den Paarungen Anand-Adams, Kramnik-Polgar und Ponomariov-Topalov. Danach kommt gottseidank endlich ein Ruhetag, damit sich die Spieler ein bisschen erholen können von der Tortur dieses Turniers bedingt durch dieses unglückseelige Reglement. Ohne Kurzremisen wird die Wahrscheinlichkeit der Remisen de facto noch höher, weil den Spielern nicht genug Vorbereitungszeit zur Verfügung steht auf die einzelne Partie, die sie dann auf jeden Fall mit aller Kraft zur entschiedenen Partie machen wiollen und könnten. Die Organisatoren arbeiten total kontraproduktiv mit dieser Regel, wenn sie die Spieler zu mehr entschiedenen Partien zwingen wollen - bitte lasst die Kurzremisen wieder zu oder mindestens zwei Ruhetage zwischen den Partien!