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Deutscher Meister nicht gut genug für Europa?
Spielen Sie Bundestrainer und stimmen Sie ab!
23.09.2011 - Vom 02. bis 12. November findet im griechischen Porto Carras die European Team Championship 2011 statt, zu welcher natürlich auch die Deutsche Nationalmannschaft mit vier Stammspielern und einem Ersatzmann anreist. Gesetzt sind bei Bundestrainer Uwe Bönsch endlich wieder die vier Olympia-Verweigerer Arkadij Naiditsch, Daniel Fridman, Georg Meier und Jan Gustafsson. Den fünften Platz im Flieger hat Bönsch (nach einigem Nachdenken) an Rainer Buhmann vergeben. Dieser hatte die "Jugendmannschaft" bei der Olympiade 2010 in Khanty-Mansiysk angeführt. Damals wie auch heute fühlt sich jedoch Igor Khenkin übergangen und schlecht sind seine Argumente nicht. Vielmehr wirft er Bönsch vor, seinerseits keine ehrlichen Gründe zu nennen, und spricht von einem "Willkürakt". Und er bringt auch noch einen weiteren ehemaligen Nationalspieler ins Gespräch. Warum dürfen weder der amtierende Deutsche Meister Igor Khenkin noch die Nummer 5 der deutschen Rangliste, Alexander Graf, mit nach Griechenland zur EM? Wen würden Sie denn mitnehmen? Stimmen Sie ab!

Ist es wirklich reine Altersdiskriminierung, wie die verschmähten Igor Khenkin und Alexander Graf befürchten? Tatsache ist, dass Uwe Bönsch in diesen Tagen eigentlich bester Laune sein müsste. Sein "Dreamteam" verweigert sich nicht mehr und von hinten drängen weitere 2600er auf ihren Einsatz. Leider sind dies keine junge Hüpfer, sondern alte Hasen. Werfen wir mal einen Blick auf die Top 10 der derzeitigen deutschen ELO-Rangliste:

Keine Frage, an den Top 4 kann und sollte man nicht rütteln - sind wir für den Augenblick einfach mal froh, dass sie spielen! Aber wer hat es verdient, bei der Europameisterschaft als Ersatzmann anzutreten? Bönsch hat sich für Rainer Buhmann entschieden, was Alexander Graf und im Besonderen Igor Khenkin sauer aufstößt. Leonid Kritz könnte theoretisch das Chaos perfekt machen, aber praktisch weilt er in Baltimore (USA), studiert Mathematik und steht der Nationalmannschaft nicht zur Verfügung. Auf Schachwelt.de ließ sich Khenkin vom ebenfalls ehemaligen Nationalspieler Jörg Hickl wie folgt zitieren:

"Letztlich ist Uwe Bönsch natürlich der Bundestrainer und hat das Recht und die Pflicht die Mannschaftsmeldung für die EM zu machen. Aber wie Viele, frage ich mich natürlich auch, nach welchen Kriterien denn die Mannschaft aufgestellt wird? Die ersten Vier werden wohl nach ELO-Zahl aufgestellt, der fünfte Teilnehmer aber nicht. Sowohl Alexander Graf wie auch ich haben doch eine erheblich bessere Zahl. Nicht einmal der Deutsche Meistertitel war hier ausschlaggebend, auch danach habe ich weiter sehr erfolgreich gespielt und meine ELO-Zahl weiter verbessert. Aktuell habe ich die gleiche ELO-Zahl wie Jan Gustafsson (ELO 2631).

Letztlich mag es noch neben der ELO-Zahl andere Kriterien geben, warum aber nur für den fünften und nicht für alle. Welche Kriterien sind es denn überhaupt?

Hierzu schrieb mir Uwe Bönsch nichtssagend:

"Heute wurden die Mannschaften für die Europameisterschaft nominiert. Leider muss ich dir mitteilen, dass du in der aktuellen Aufstellung nicht berücksichtigt wurdest. Verschiedene Faktoren haben bei der Wahl der Spieler eine Rolle gespielt. Am Ende fiel die Entscheidung jedoch auf Grund des Gesamtpakets."

Welche Faktoren, was für ein Gesamtpaket? - das sind leere Worthülsen. Da ich nicht weiß, warum man mich nicht berücksichtigt, fühle ich mich schlecht behandelt und bin sehr enttäuscht. Es ist eben besonders schmerzhaft, wenn man durch so einen Willkürakt - der nicht sinnvoll begründet wird – daran gehindert wird für sein Land zu spielen. Daher appelliere ich noch einmal an Uwe Bönsch und die Verantwortlichen vom DSB, mir doch irgendwie objektive Gründe für meine Nichtberücksichtigung mitzuteilen."

Igor Khenkin

Zum gesamten Artikel auf Schachwelt.de

Parallel wird im gleichen Artikel Alexander Graf wie folgt zitiert:

„Es ist schon 4 Jahre her, dass ich aus dem Team gestrichen wurde. Der Grund wurde mir nicht mitgeteilt. Wegen des Alters vermute ich. Seitdem hatte ich keinen Kontakt mit dem DSB.“

Der Ruf nach mehr Transparenz bei solchen Entscheidungen mag seine Berechtigung haben, aber Fakt ist auch, dass Uwe Bönsch nunmal das letzte Wort hat und das Gesamtpaket schnüren muss. Seit 1997 ist er in Amt und Würden und hat in dieser Zeit nicht nur ausgezeichnet Tee gekocht.

Sein größter Erfolg war sicherlich die olympische Silbermedaille anno 2000 in Istanbul und ein persönlicher Tiefpunkt muss es für ihn gewesen sein, als er erleben musste, wie ihn seine besten Spieler 2010 im Stich ließen und ihn teils unter der Gürtellinie attackierten. Glück im Unglück stellte sich Bönsch damals nicht die Frage, ob ein Deutscher Meister mitgenommen werden muss, denn es gab ohnehin keinen Weg vorbei an Niklas Huschenbeth. Andere hätten daraufhin wahrscheinlich den Hut genommen, denn es stellt sich die Frage, wie man nach solchen Diskrepanzen weiter (erfolgreich) miteinander arbeiten will.

Bönsch glaubt offenbar daran und wird dies Anfang November bei der EM beweisen müssen. Wobei man sich kaum vorstellen kann, dass selbst bei einem schlechten Abschneiden am Trainerstuhl gerüttelt wird. Wir sind ja schließlich nicht beim Fußball! 2004 veröffentlichte ChessBase übrigens ein Interview mit Bönsch, in welchem er zur Einmischung von 100.000 Bundestrainern wie folgt Stellung nahm:

Bild © Stefan64 - Wikipedia

„Bei jeder Nominierung gibt es Hinweise und Fragen von Außenstehenden oder Betroffenen. Diese höre ich mir an und einige fließen in die Entscheidungsfindung mit ein. Prinzipiell lasse ich mich von dem Grundsatz leiten die Mannschaft oder den Spieler / Spielerin zu nominieren, die in dem bevorstehenden Wettkampf die besten Erfolgsaussichten bietet. Manchmal muss man aber langfristiger planen, besonders wenn es um den Aufbau einer zukunftsträchtigen Mannschaft geht. Mit dem Nominieren von jüngeren Spielern / -innen kann man nicht immer warten, bis sie die besten Elozahlen aufweisen.“

Zum gesamten Interview bei ChessBase

Wenn er bis heute seine Einstellung nicht geändert hat, wissen wir nun ganz grob, wie der Bundestrainer denkt, doch was ist Ihre Meinung? Wen hätten Sie für die kommende Europameisterschaft nominiert. Hier nochmals die Kandidaten und danach die angekündigte Umfrage:

Rainer Buhmann...

...ist mit 30 Jahren quasi das Küken im Ringen um den fünften Platz im Nationalteam. Dafür kann er nichts und man sollte sich zudem tunlichst hüten, den gebürtigen Leimener für die laufenden Diskussionen verantwortlich zu machen. Wirklich große Erfolge im internationalen Schach fehlen Buhmann noch in seiner Vita, aber er ist ein erfahrener Teamplayer und hat bei seinen 5,5 aus 10 an Brett 1 bei der letzten Olympiade aufopferungsvoll für die Mannschaft geackert. Buhmann wohnt in Hockenheim und hat maßgeblichen Anteil daran, dass der SV 1930 Hockenheim den Aufstieg in die 1. Bundesliga schaffte. Dort wird er an Brett 2 hinter Legende Anatoly Karpov spielen und sich mit den besten Spielern der Liga messen. Aktuell ist er mit 2606 allerdings nur die Nummer 8 der deutschen ELO-Liste.

Wiki von Rainer Buhmann

Homepage Rainer Buhmann


Igor Khenkin...

...ist 43 Jahre alt und der amtierende Deutsche Meister. Den Titel holte er sich in diesem Jahr in Bonn, wo er Jan Gustafsson, Daniel Fridman und Rainer Buhmann auf die Plätze 2 bis 4 verbannte. Parallel spielte er auch noch die Frankfurter Stadtmeisterschaft mit, welche er souverän gewann. Kritiker bemängeln bei dem gebürtigen Russen, dass er zu friedfertig sei und zu viele kurze Remisen einstreue, wo mehr Kampf angesagt ist. Khenkin hat bei den bekannten Trainern Mark Dvoretsky und Alexander Nikitin sein Handwerk gelernt und arbeitet heute selbst als Schachlehrer. Mit dem Wiesbadener SV 1885 ging er eine langfristige Zusammenarbeit ein und spielte für den Klub sogar in der Hessenliga. Mittlerweile ist man in der 2. Bundesliga angekommen und hat noch ehrgeizigere Pläne. Nein, Igor Khenkin ist nicht alt! Aktuell ist er mit 2624 die Nummer 6 der deutschen ELO-Liste.

Wiki von Igor Khenkin

Homepage Igor Khenkin


Alexander Graf...

...ist 49 Jahre alt und steht damit vermutlich schon gar nicht mehr auf der Liste des Bundestrainers. Dabei ist er neben Buhmann und Khenkin der international erfolgreichste Spieler! 1992 in Manila nahm er bereits an seiner ersten Olympiade teil - damals noch für sein Geburtsland Usbekistan - und gewann an Brett 3 mit 9,5 aus 12 die Goldmedaille. Es sollten noch drei weitere Olympiaden (2002, 2004 und 2006) für Deutschland werden. Bei der Mannschaftsweltmeisterschaft 2001 in Jerewan gewann er an Brett 3 erneut Gold. 2004 wurde er Deutscher Meister. Graf gilt als angriffslustiger Spieler mit Hang zum Risiko und zur Zeitnot. Eine explosive Mischung, die ihm in der Vergangenheit das eine oder andere Mal auch in Mannschaftswettbewerben zum Pechvogel des Teams machte. Derzeit spielt er für den SK König Plauen in der 2. Bundesliga - also wie Khenkin nicht mehr erstklassig. Aktuell ist er mit 2628 allerdings die Nummer 5 der deutschen ELO-Liste.

Wiki von Alexander Graf

Tja, für wen hätten Sie sich als Bundestrainer entschieden? Auch für den jüngeren Rainer Buhmann, der so auch weitere Erfahrungen auf internationalem Terrain sammeln kann? Oder doch lieber der Deutsche Meister Igor Khenkin, der sich noch längst nicht zu alt fühlt? Oder gar Alexander Graf, der die größten Meriten vorzuweisen hat und stets auf Sieg spielt?


Sollte der Deutsche Meister Igor Khenkin
in der Nationalmannschaft spielen?
 Ja!
 Nein, Rainer Buhmann ist die richtige Wahl!
 Nein, Alexander Graf wäre die richtige Wahl!
  
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Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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