TopTurniere Gelfand oder Grischuk - wer fordert Anand? Kramnik und Kamsky scheitern am Blitzschach und sich selbst
17.05.2011 - Zwei grundverschiedene Tie-Breaks konnte man gestern beim Kandidaten-Halbfinale in Kasan beobachten - jeweils mit dem Ergebnis, dass um den Einzug ins Finale geblitzt werden musste. Die Geschichte zwischen Alexander Grischuk und Vladimir Kramnik ist rasch erzählt: Mit den weißen Steinen versuchte Grischuk rein gar nichts und remisierte jeweils kurzzügig. In der ersten Schwarzpartie hatte er großen Vorteil, konnte diesen jedoch nicht verwerten und in der zweiten wandelte er hart am Abgrund, doch Kramnik ließ seine sonst so gefürchtete Technik vermissen. So endeten nach den langsamen Partien auch alle Schnellschachpartien unentschieden. Im anschließenden Blitz-Entscheid hatte Kramnik schlicht keine Chance. Er stellte als Weißer in der ersten Partie einen Bauern ein und verlor. In der zweiten Partie ließ sein Gegner mit Weiß nichts anbrennen und erreichte ungefährdet den Remishafen zum Matchsieg. Ein wahres Auf und Ab ereignete sich zwischen Boris Gelfand und Gata Kamsky. In der ersten Schnellpartie verhunzte der Amerikaner einen möglichen Sieg zum Remis, wofür sich der Israeli prompt in der zweiten Partie revanchierte und ebenfalls eine vorteilhafte Stellung verdarb bzw. eine eingestellte Figur nicht nahm. In der dritten Partie dann stellte Kamsky seinem Gegner eine richtig fiese Falle, eroberte die Dame und gewann. Nun waren sich nahezu alle Beobachter einig, dass er das Finale erreichen würde, aber sie hatten nicht mit den flatternden Nerven der Spieler gerechnet. Als Gelfand 23...Sa5? zog, war er so gut wie ausgeschieden, denn er hatte dabei eine einfache Taktik übersehen. Er war damit jedoch nicht alleine, denn auch Kamsky sah sie nicht, stellte stattdessen einen Bauern ein und verlor. Somit musste auch hier die Entscheidung im Blitzen fallen und dort hatte Kamsky offenbar keine Kraft mehr. Sang- und klanglos wurde er von Gelfand mit 0:2 abgefertigt und musste seine WM-Hoffnungen begraben. Nun dürfen sich Grischuk und Gelfand zwei Tage lang erholen bzw. ihre Vorbereitungen für das Finale betreiben, welches am Donnerstag beginnt und über sechs Partien ausgetragen wird. Hier geht es nicht mehr ums Geld - beide Spieler erhalten 90.000,- Euro -, sondern nur um die eine, die wichtigste aller Schachfragen: Wer wird der nächste Herausforderer von Weltmeister Viswanathan Anand?
Allgemeine Informationen
Das Kandidatenturnier 2011 besteht aus 8 Teilnehmern und wird im K.O.-System gespielt. Es beginnt quasi mit einem Viertelfinale, in welchem die jeweiligen Gegner 4 Partien mit langer Bedenkzeit spielen werden. Die Verlierer scheiden aus, die Gewinner ziehen ins Halbfinale ein, in welchem erneut 4 Partien um den Einzug ins Finale gespielt werden. Dort werden dann 6 Partien gespielt, die darüber entscheiden, wer der nächste WM-Herausforderer sein wird.
Die Bedenkzeit ist 120 Minuten für 40 Züge, weitere 60 Minuten für 20 Züge und 15 Minuten für den Rest der Partie plus zusätzlichen 30 Sekunden pro Zug ab dem 61. Zug. Es gibt insgesamt fünf Ruhetage und drei Tie-Break-Tage für den Fall, dass es nach der regulären Spielzeit in einem oder mehreren Duellen keinen Sieger geben sollte. In diesem Fall sieht die Tie-Break-Regelung wie folgt aus: 4 Schnellschachpartien über 25 Minuten + 10 Sekunden/Zug. Sollte dies noch immer keinen Sieger ermitteln, müssen bis zu 5 "Mini-Matches" mit je 2 Partien á 5 Minuten + 3 Sekunden/Zug gespielt werden. Reicht auch das noch nicht, muss das gefürchtete Armageddon-Blitz entscheiden. Weiß erhält 5 Minuten, Schwarz derer nur 4 - ab dem 61. Zug gibt es drei Sekunden Bonus pro Zug. Weiß muss diese Partie gewinnen, während Schwarz ein Remis genügt.
Der Preisfonds der Kandidatenmatches beläuft sich auf 420.000,- Euro. Wer im Viertelfinale ausscheidet, erhält 30.000,- Euro, für das Verlieren des Halbfinales gibt es 60.000,- Euro und die beiden Finalisten erhalten unabhängig vom Ausgang des Duells jeweils 90.000,- Euro.
Der Tie-Break zwischen Boris Gelfand und Gata Kamsky war ein Reigen aus taktischen Fehlern und ausgelassenen Chancen
Ups, da war die Tante weg...
Kamsky konnte es nicht fassen Auch 2012 wird der Weltmeister definitiv nicht aus Amerika kommen
Auf dem Papier war Vladimir Kramnik der Favorit, aber Alexander Grischuk scheint unsterblich zu sein
Ein Mal zugeschnappt und Grischuk war im Finale
Was Kramnik auch versuchte, Grischuk hatte stets die passende Antwort parat.
Bilder: Screenshots vom heutigen Livestream auf russiachess.org
Zeitplan & Live-Übertragung
In der Folge haben wir für Sie den Ablaufplan des Kandidatenturniers aufgelistet. An zwei Terminen ist unser Kommentator GM Klaus Bischoff verhindert, aber ansonsten wird er Sie auf seine bekannt ELOquente Art und Weise live durch das komplette Turnier begleiten. Vom Chess Tigers Training Center in Bad Soden aus wird er die Live-Übertragung unseres Prime Partners ChessBase auf dem Fritzserver bereichern. Die Runden starten jeweils um 13:00 Uhr und wie immer wird Bischoff die erste halbe Stunde dafür nutzen, sich in die Partien hinein zu finden, bevor er dann um 13:30 Uhr live ins Geschehen einsteigt. Am 13. und 21. Mai - den Tagen, an denen Bischoff nicht für Sie da sein kann - wird Sie ChessBase natürlich nicht ohne deutschen Live-Kommentar belassen. Am 13. werden IM Oliver Reeh und André Schulz für Sie da sein und am 21. ist es nochmals IM Reeh zusammen mit IM Merijn van Delft.
03. Mai - Ankunft der Spieler
04. Mai - Players Meeting / Eröffnungsfeier
05. Mai - Viertelfinale, Partie 1 - Kommentar: Klaus Bischoff
06. Mai - Viertelfinale, Partie 2 - Kommentar: Klaus Bischoff
07. Mai - Viertelfinale, Partie 3 - Kommentar: Klaus Bischoff
08. Mai - Viertelfinale, Partie 4 - Kommentar: Klaus Bischoff
09. Mai - Tie-Breaks - Kommentar: Klaus Bischoff
10. Mai - Ruhetag
11. Mai - Ruhetag
12. Mai - Halbfinale, Partie 1 - Kommentar: Klaus Bischoff
13. Mai - Halbfinale, Partie 2 - Kommentar: Daniel King, IM Oliver Reeh & André Schulz
14. Mai - Halbfinale, Partie 3 - Kommentar: Klaus Bischoff
15. Mai - Halbfinale, Partie 4 - Kommentar: Klaus Bischoff
16. Mai - Tie-Breaks - Kommentar: Klaus Bischoff
17. Mai - Ruhetag
18. Mai - Ruhetag
19. Mai - Finale, Partie 1 - Kommentar: Klaus Bischoff
20. Mai - Finale, Partie 2 - Kommentar: Klaus Bischoff
21. Mai - Finale, Partie 3 - Kommentar: Oliver Reeh & Merijn van Delft
22. Mai - Ruhetag
23. Mai - Finale, Partie 4 - Kommentar: Klaus Bischoff
24. Mai - Finale, Partie 5 - Kommentar: Klaus Bischoff
25. Mai - Finale, Partie 6 - Kommentar: Klaus Bischoff