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Vladimir Potkin ist Europameister!
Radoslaw Wojtaszek holt Silber und Judit Polgar Bronze
Deutsche Spieler ohne Fortune
02.04.2011 - In der Startrangliste wurde der neue Europameister zwar nur an 43. Stelle geführt, aber das hinderte Vladimir Potkin nicht daran, mit 5/5 wie die Feuerwehr zu starten. Danach konnte er es mit einer Remisserie etwas ruhiger angehen lassen, um sich dann in der zehnten und vorletzten Runde mit einem Sieg gegen Top-GM Baadur Jobava die besten Chancen auf den Titel zu bewahren. Zum Abschluss wartete mit Judit Polgar zwar nochmals eine gewaltige Herausforderung auf Potkin, doch diese letzte Hürde nahm er in Form eines Remis sicher und gewann so - dank bester ELO-Performance - verdient das Championat. Damit bleibt der Titel, den Landsmann Ian Nepomniachtchi im Vorjahr erobert hatte, weiterhin in Russland. Die Silbermedaille ging an Polen in Person von Radoslaw Wojtaszek - bekanntermaßen seines Zeichens WM-Sekundant von Vishy Anand. Beste Frau des Turniers wurde nicht überraschend Judit Polgar, was der Ungarin zugleich auch die Bronzemedaille einbrachte. Aus deutscher Sicht gibt es dagegen wenig Grund zum Jubel. Eventuell hat es für Daniel Fridman als 25. der Endabrechnung zur World Cup-Qualifikation gereicht.

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Die Besten
Vier Spieler haben am Ende 8,5 Punkte vorzuweisen und so muss es neben drei lachenden Medaillengewinnern einen traurigen Viertplatzierten geben. Dennoch wird sich Alexander Moiseenko nicht allzu sehr grämen, immerhin holte er wie die anderen drei +6 und spielte eine Leistung nah der 2800, was ein Stückchen näher an die 2700 ELO bringen wird. Bei Punktgleicheit entschied die erspielte Perfomance, wobei vermutlich die Ergebnisse gegen den besten und den schlechtesten Gegner gestrichen wurden. Also kann man sagen, Vladimir Potkin gewann mit 2849 gegen die 2826 von Radoslaw Wojtaszek und die 2799 von Judit Polgar. Wenn es etwas zu beklagen gab, dann die Tatsache, dass ab und an die alte Seuche der Kurzremisen belegte, dass viele Spieler nicht wegen des Kampfes um die Medaillen, sondern wegen der Qualifikation zum nächsten World Cup (nicht zu verwechseln mit der Weltmeisterschaft!) angereist waren. Offiziell waren dafür die ersten 23 Plätze vorgesehen, aber das kann sich im Nachhinein noch erweitern, da einige Spieler bereits vorher qualifiziert waren oder aus bestimmten Gründen nicht teilnehmen werden.

Vladimir Potkin bei der Chess Classic Mainz 2009

Endstand - Top 35

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Daniel Fridman

Die Deutschen
Bester Deutscher wurde mit 7,5 Punkten und dem 25. Rang Daniel Fridman. Er hat somit die besten Chancen, doch noch am World Cup teilnehmen zu dürfen. Zweitbester Deutscher wurde mit ebenfalls 7,5 Punkten Jan Gustafsson, dessen treueste Fans teils live in seinem Blog mitfieberten und in der Schlussrunde miterleben mussten, dass der Hamburger eine aussichtsreiche Stellung doch noch zum Remis verflachen ließ. Das bedeutet Rang 34 und allenfalls theoretische bis gar keine Chance, ebenfalls im World Cup aufschlagen zu dürfen. Nach Gusti muss man in der Tabelle weit scrollen, um auf Rang 78 Arkadij Naiditsch mit nur 6,5 Punkten zu finden. Zwar konnte sich die deutsche Nummer 1 mit einem Sieg zum Schluss noch tröstlich verabschieden, aber das wird dem ehrgeizigen Dortmunder nur ein schwacher Trost nach einem oftmals unglücklichen Turnier gewesen sein. Nochmals 40 Plätze weiter hinten, aber mit identischer Punktzahl, landete unser Spitzenbrett der letzten Olympiade, Rainer Buhmann. Er tat sich besonders gegen nominell schwächere Gegner schwer und ward gegen Spitzenleute chancenlos. Die deutsche Jugend tat sich im Schnitt sehr schwer in Frankreich, weshalb man sich fragen könnte, ob die Teilnahme sein musste, aber es gab auch Lichtblicke. FM Hagen Poetsch erzielte starke 6 Punkte und eine Performance von 2526, was seine Behauptung, eigentlich schon IM zu sein, natürlich untermauerte. Mit Alexander Donchenko spielte ein weiterer Hesse ein ordentliches Turnier. Er holte 5 Punkte und zeigte immerhin, dass er auf FM-Niveau verkehrt. Zur erhofften IM-Norm reichte es zwar nicht, aber den einen oder anderen halben und vganzen Meisterskalp durfte er sich dennoch an den Gürtel heften. Und last but not least bleibt noch der Chess Tigers-Blick auf unseren IM Erik Zude. Letztlich wurden es mit 5,5 exakt 50 Prozent, womit der Frankfurter sicherlich leben kann, doch zwischenzeitlich war er als bester Deutscher richtig gut im Rennen, bevor ihn in den Runden 6, 7 und 8 leider die lange Rochade (drei Niederlagen in Serie) erwischte.


Sebastien Feller

Bild © Europe-Echecs

Der Fall Feller
Es war schon irgendwie eine seltsame Europameisterschaft in diesem Jahr. Nicht, weil ein Spieler gewonnen hat, der bestenfalls zum stark erweiterten Kreis der Favoriten gehörte, sondern weil der böse Geist des Betruges bis daheim an die Bildschirme zu spüren war. Sie werden festgestellt haben, dass sich die Chess Tigers bis dato zu den Olympia-Vorwürfen gegen den jungen französischen Spitzenspieler Sebastien Feller (sowie GM Arnaud Hauchard und IM Cyril Marzolo), welche der eigene Verband nicht nur erhoben, sondern auch als erwiesen angesehen hat, bedeckt gehalten haben. Da sowohl berechtigte Zweifel an der Schuld als auch an der Unschuld bestehen, möchten wir auch jetzt keine Stellung beziehen. Im Falle von Feller geht es um nicht weniger als die Karriere eines überaus talentierten Schachspielers, der kaum 20 Jahre alt und eigentlich auf dem Sprung in die absolute Weltklasse ist. Da wiegen schnelle und folgenschwere Verurteilungen noch schwerer und sollten sorgsam überdacht werden! Der Französische Schachverband sieht das etwas anders und im Bestreben, ein Exempel gegen das Cheating im Schach zu statuieren, hat man Feller für drei Jahre gesperrt und zudem mit 2 Jahren gemeinnütziger Arbeit - bestenfalls für den Verband selbst - verdonnert. Das Ganze erfolgte zeitnah vor der Europameisterschaft, an welcher Feller teilnehmen wollte. Auch aus diesem Grund riskierte Feller, dass die 2 Jahre gemeinnütziger Arbeit für den Fall eines Widerspruchs in 2 weitere Jahre der Sperre umgewandelt werden können und legte Beschwerde gegen das Urteil ein. Dies ermöglichte ihm nämlich, an der EM im eigenen Land teilzunehmen, was aber auch eine gute Portion Kaltschnäuzigkeit des jungen Franzosen belegt. Just des Betrugs bei einem großen Turnier schuldig gesprochen, trat Feller wie selbstverständlich beim nächsten Großereignis an und konnte sich neben neugierigen und garantiert bösen Blicken auch dem Gerede hinter seinem Rücken sicher sein. Dies gipfelte am einzigen Ruhetag darin, dass Top-GM Francisco Vallejo Pons einen offenen Brief zum besseren Schutz gegen möglichen Betrug entwarf - pikanterweise ausgerechnet vor seiner Partie gegen ... Sebastien Feller! - und tatsächlich auf die Schnelle namenhafte Spieler fand, die das Werk unterschrieben.

Hier nochmals der Text des offenen Briefes:

Open Letter

Dear French chess federation, dear ECU, dear chess community,

In view of the rumours and allegations about possible cheating using electronic devices and outside help taking place during the European Individual Championship in Aix-les-Bains, we have an atmosphere that makes it impossible for the players to approach their games calmly and being sure that their opponents do not break the rules.

We therefore demand that

- the arbiters reserve the rights to search any player’s pockets in case of suspicion

- no electronic devices can be brought into the playing hall, switched off or otherwise

- electronic boards can be unplugged if one of the players demands it

Respectfully,

Wenn der Spanier seinen Gegner damit aus der Bahn werfen wollte, ist es ihm nicht gelungen, die Partie endete nach nur rund 20 Zügen unentschieden. Überhaupt spielte Feller eine überaus starke EM, verlor keine Partie und kam sogar für die Medaillen in Frage. Letztlich erzielte er 8 Punkte und wurde Siebter. Unglaublich, welche Nerven dieser junge Mann haben muss! Seine Teilnahme an der EM jedenfalls hat bisweilen vom eigentlichen Thema abgelenkt, bleibt abzuwarten, wann man ihn das nächste Mal in Aktion als Profi-Schachspieler wird sehen können.

Ausgiebige Informationen und Meinungen zum Fall Feller & Co:

Artikel bei Chessvibes.com (Englisch)

Artikel bei ChessBase.com (Englisch)

Artikel bei Europe-Echecs.com (Französisch)


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Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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