Nachrichten Aktuelles Tagesschach 68/10 - Grischuk offiziell WM-Kandidat Hou Yifan 13. Weltmeisterin Anand bei neuem Guinness Weltrekord in Indien Nepomniachtchi gewinnt Russisches Superfinale Vallejo Pons führt in Reggio Emilia
30.12.2010 - Nachdem die Frist, bis welcher sich die Qualifikanten für die Kandidatenmatches 2011 per Zurücksendung des unterschriebenen Vertrages an die FIDE anmelden konnten, verstrichen ist, steht endgültig fest, dass Magnus Carlsen nicht teilnehmen wird. An seiner statt wird also wirklich Alexander Grischuk antreten. Derweil hat die weibliche Schachwelt eine neue Weltmeisterin. Die Chinesin Hou Yifan besiegte im türkischen Antakya Überraschungsfinalistin Ruan Lufei im Tiebreak und ist mit 16 Jahren die jüngste Titelträgerin aller Zeiten. Ihr männliches Gegenstück hat unterdessen ebenfalls und erneut Schachgeschichte geschrieben. Dabei musste er zur Abwechslung mal nicht selbst spielen. Der 15. Weltmeister Viswanathan Anand eröffnete am 24. Dezember in seiner Heimat den Weltrekordversuch im Simultanschach. Unglaubliche 20.480 Schachspieler kamen zusammen und stellten einen neuen Guinness Weltrekord auf. Zum Abschluss des Jahres durfte noch ein Spieler einen großen Triumph feiern, der unbedingt erwähnt sein will. Ian Nepomniachtchi hat das Russische Superfinale in Moskau gewonnen! Im Tiebreak besiegte er, ohne in selbigem eine Partie gewonnen zu haben, Sergey Karjakin. Das stärkste Turnier, welches über den Jahreswechsel veranstaltet wird, ist das 53. Torneo di Capodanno in Reggio Emilia. Nach drei von neun Runden führt der Spanier Francisco Vallejo Pons mit 2,5/3.
Alexander Grischuk
Bis zum 22. Dezember hätte Magnus Carlsen Zeit gehabt, doch noch seine Meinung zu ändern, doch er tat es nicht, und somit steht nun auch offiziell fest, dass der Norweger nicht an den Kandidatenmatches der FIDE vom 03. bis 27. Mai 2011 im russischen Kasan (oder auch Kazan) teilnehmen wird. Damit ist unter den aktuell gültigen Regularien klar, dass Carlsen nicht der nächste Herausforderer von Weltmeister Viswanathan Anand sein wird, dafür aber Alexander Grischuk die unverhoffte Gelegenheit erhält. Dadurch haben sich auch einige Paarungen der ersten Runde verändert:
VeselinTopalov - Gata Kamsky (keine Änderung) Vladimir Kramnik - Teimour Radjabov
Levon Aronian - Alexander Grischuk
Boris Gelfand - Shakhriyar Mamedyarov
Im Vergleich dazu nochmals die ursprünglichen Paarungen:
Veselin Topalov - Gata Kamsky Magnus Carlsen - Teimour Radjabov
Vladimir Kramnik - Shakhriyar Mamedyarov
Levon Aronian - Boris Gelfand
In den ersten beiden Runden werden jeweils vier und im Finale sechs Partien gespielt. Die Bedenkzeit wird 120 Minuten für die ersten 40 Züge, 60 Minuten für die nächsten 20 Züge und danach 15 Minuten für den Rest der Partie betragen, wobei es ab dem 61. Zug noch 30 Sekunden Bonus für jeden Zug gibt. Für den Fall eines Gleichstandes, werden vier Schnellpartien mit dem Modus 25 Minuten plus 10 Sekunden gespielt. Herrscht noch immer Gleichstand, werden zwei Blitzpartien mit 5 Minuten plus 3 Sekunden ausgetragen. Bringt auch das keine Entscheidung, werden nochmals zwei Blitzpartien mit identischer Bedenkzeit gespielt, erst dann soll der "Sudden Death" oder "Armageddon" entscheiden. Wichtig ist, dass vor jedem Tiebreak die Farben neu ausgelost werden - so natürlich auch vor dem Sudden Death. Der Sieger der Auslosung darf bestimmen, welche Farbe er spielen möchte, wobei Weiß 5 Minuten und Schwarz 4 Minuten erhält. Dafür genügt dem Nachziehenden ein Remis zum Weiterkommen. Sollte beim Sudden Death der 60. Zug erreicht werden, erhält jeder Spieler ab dem 61. Zug 3 Sekunden pro Zug dazu.
Das waren grob die wichtigsten Regeln für die Matches. Wer sämtliche Details wissen möchte, findet das komplette Regelwerk unter dem folgenden Link: Regeln der Kandidatenmatches 2011
Weltmeisterin Hou Yifan
Antakya (TUR) - Vom 02. bis 25. Dezember fand in der Türkei die Schachweltmeisterschaft der Frauen 2010 statt, und die strahlende Siegerin ist die erst 16-jährige Chinesin Hou Yifan. Nachdem Sie im Halbfinale das vorgezogene Finale gegen die Inderin Humpy Koneru gewonnen hatte, schien das tatsächliche Finale gegen ihre Landsfrau Ruan Lufei reine Formsache. Dabei hatte Letztere beispielsweise die bis dahin amtierende Weltmeisterin Alexandra Kosteniuk aus dem Turnier geworfen. In der zweiten Finalpartie konnte Hou Yifan die Führung übernehmen, doch in der vierten Partie versagten ihr die Nerven und sie musste den 2:2 Ausgleich zum Ende der regulären Spielzeit hinnehmen. Somit musste ein Schnellschach-Tiebreak über weitere vier Partien entscheiden und diesen dominierte sie dann mit 3:1 wieder sehr souverän. Hou Yifan ist nicht nur die 13. Weltmeisterin der Schachgeschichte, sie ist zugleich auch die jüngste Frau der Welt, der dies gelang. Unter dem Titel "Die junge Schachkönigin Hou Yifan" berichtet Dagobert Kohlmeyer bei ChessBase mit zahlreichen Bildern.
Ahmedabad (IND) - Am 24. Dezember 2000 wurde Viswanathan Anand zum ersten Mal Weltmeister, und dieses nicht nur für Indien historische Datum erhielt zehn Jahre später einen weiteren Meilenstein der Schachgeschichte hinzu. Im eigenen Land eröffnete Anand per Glockenschlag eine gigantische Schachveranstaltung, welche Einzug in das Guinness Buch der Rekorde halten wird. Exakt 20.480 Schachspieler kamen in Ahmedabad zusammen, um gegen 1024 Meisterspieler anzutreten. Veranstalter waren die Regierung des indischen Bundesstaates Gujarat mit Chief Minister Narendra Modi in vorderster Front, das National Institute of Information Technology (NIIT) und der amtierende Weltmeister persönlich. Damit wurde der bisher gültige Rekord von 2006 gebrochen. Damals kamen 13.446 Schachfans in Mexico City zusammen.
Der Vorsitzende von NIIT, Rajendra S Pawar, mit Weltmeister Viswanathan Anand
Einen ausführlichen Bericht von Manisha Mohite mit mehr Bildern und weiteren Informationen finden Sie unter dem folgenden Link:
Moskau (RUS) - Vom 11. bis zum 22. Dezember fand das 63. Russische Superfinale 2010 statt. Bis auf Vladimir Kramnik und Alexander Morozevich war die gesamte russische Elite bzw. zwölf von ihnen am Start. Als Favoriten auf den höchsten russischen Titel wurden nicht zu Unrecht WM-Kandidat Alexander Grischuk und Neu-Russe Sergey Karjakin gehandelt. Ersterer wurde in einem sehr remislastigen Turnier schließlich Dritter, während Letzterer am Ende mit 7/11 die Tabelle tatsächlich anführte. Allerdings musste er durch die Niederlage in der Schlussrunde den amtierenden Europameister Ian Nepomniachtchi gleichziehen lassen, weshalb es zum Tiebreak kam. Nach zwei Unentschieden in den ersten beiden Tiebreak-Partien, endete auch die entscheidende Armageddon-Partie remis und machte Nepo als Schwarzspieler zum russischen Landesmeister. Damit dürfte sich der 20-Jährige endgültig im Kreise der absoluten Weltklasse etabliert haben.
Reggio Emilia (ITA) - Seit dem 28. Dezember und noch bis zum 06. Januar findet in Italien das traditionelle Torneo di Capodanno statt. Bekannter ist jedoch die Bezeichnung nach der Stadt, in welcher das Turnier ausgetragen wird, Reggio Emilia. Auch in diesem Jahr - zur 53. Auflage - sind wieder namenhafte Größen am Start. Favorit auf den Gesamtsieg ist Vassily Ivanchuk, doch viele Schachfans werden beispielsweise auch Alexander Morozevich die Daumen drücken. Der Russe ist im vergangenen Jahr kaum in Erscheinung getreten, und sein Start in dieses neunrundige Rundenturnier verlief alles andere als nach Plan. Aufgrund von Schneefall und Kälte hatten besonders er und David Navara Probleme mit der Anreise, weshalb die Erstrundenpartie zwischen den beiden auf den 01. Januar verlegt wurde. In der zweiten Runde musste Moro dann gegen Nigel Short 'ran und bekam gleich einen weiteren deftigen Dämpfer. Aus einer gewonnenen Stellung heraus, verlor er den Überblick und wickelte falsch ab. Der Brite, der zuletzt noch in London als Prügelknabe für die Weltklasse diente, ließ sich nicht lange bitten und strich einen glücklichen Sieg ein, was ihm mit 2/2 zugleich die alleinige Führung einbrachte. Heute wurde die dritte Runde gespielt, und nun führt Francisco Vallejo Pons mit 2,5/3, denn während der Spanier gegen Navara siegte, hatte Short gegen Fabiano Caruana das Nachsehen.