TopTurniere Nanjing 2010 - Carlsen siegt und führt, Anand schlägt Topalov Kein Remis in Runde 3
22.10.2010 - Das Duell der dritten Runde des Nanjing Pearl Spring Chess Tournament 2010 war ohne Zweifel das zwischen dem amtierenden Weltmeister und seinem gescheiterten Herausforderer. Allzu gut ist die zwölfte Partie des WM-Matches zwischen Viswanathan Anand und Veselin Topalov in Erinnerung, in welcher der Bulgare gegen die solide Lasker-Verteidigung des Damengambits zu viel riskierte und sehenswert von dem Inder ausgekontert wurde. Heute bot sich Topalov die Chance, diese Scharte auszuwetzen, denn Anand wählte erneut diese Verteidigung. Früh wich Topalov von der WM-Partie ab, doch wie sich zeigen sollte, konnte er seinen Gegner damit nicht überraschen - im Gegenteil, Anand hatte eigene Ideen im Koffer! Er verführte seinen Kontrahenten dazu, den König im Zentrum zu belassen und setzte diesen danach mit teils chirurgisch genauen Zügen derart unter Druck, dass dieser schließlich zusammenbrach und nach 33 Zügen das Handtuch warf. Partien mit Magnus Carlsen sind derzeit pure Zuschauermagnete, doch sein heutiges Duell gegen Wang Yue lief Gefahr, vom einstigen WM-Duell in den Schatten gestellt zu werden. Aber Carlsen verstand es auf seine Weise, Aufmerksamkeit zu erlangen, indem er gegen die Russische Verteidigung ein eher seltenes Abspiel wählte und seinen chinesischen Gegner früh verleitete, in ein schlechtes Endspiel abzuwickeln. Dieses gewann der Norweger sehr souverän und hatte dann ausgiebig Zeit, dem Weltmeister beim Siegen zuzusehen - mit dem Wissen, dass er dennoch die Führung in der Tabelle behalten würde. Eine ausgesprochen feine Leistung gelang dem einstigen Wunderkind und heutigen Familienvater Etienne Bacrot gegen Vugar Gashimov. Er schlug diesen in der längsten Partie des Tages mit ausgezeichneter Endspieltechnik und sorgte so quasi für einen perfekten Tag der Baden-Badener im fernen China, denn bekanntlich spielen Anand, Carlsen und Bacrot gemeinsam in der deutschen Bundesliga für die OSG Baden-Baden. Morgen kommt es zum Vereinsduell zwischen Bacrot und Anand, Carlsen hat Schwarz gegen Gashimov und Topalov Weiß gegen Wang Yue.
In Nanjing wird ein doppelrundiges Turnier gespielt (also 10 Runden) mit der Bedenkzeit 120 Minuten/40 Züge + 60 Minuten/20 Züge + 15 Minuten + 30 Sekunden/Zug ab dem 61. Zug. Mit einem Elo-Schnitt von 2766 wird die Kategorie 21 erreicht. Man treibt seitens der Organisation wie im vergangenen Jahr die so genannte Sofia-Regel auf die Spitze, indem man Remisangebote nur in theoretischen Remisstellungen – als eigentlich gar nicht – erlaubt. Doch wirklich eingehalten wird diese Regelung in der Praxis offenkundig nicht.
Durch die enorme Zeitverschiebung ist es bei uns noch ziemlich früh am Tag, wenn sich die Spieler ans Brett setzen. Um 8:30 Uhr unserer Zeit werden die Runden beginnen, und die letzte Runde wird gar schon um 4:00 Uhr in der Früh beginnen. Der einzige Ruhetag wird am 25.10. eingelegt.
Insgesamt beträgt der Preisfonds satte 250.000,- Euro, die sich wie folgt auf die Platzierten verteilen werden: 80.000,-, 55.000,-, 40.000,-, 30.000,-, 25.000,- und 20.000,-
Bei etwaiger Punktgleichheit wird es zu der folgenden Tiebreak-Regelung kommen: 2 Partien á 10 Minuten + 3 Sekunden/Zug - Falls notwendig, dann 2 Partien 5'+3'' und falls danach immer noch kein Sieger feststeht eine Armageddon-Partie mit 6 Minuten gegen 4 Minuten, wobei der Weißspieler gewinnen muss.