TopTurniere Nanjing 2010 - Schnelle Hände und vergebene Chancen Drei Remis in Runde 2
21.10.2010 - Duelle zwischen Viswanathan Anand und Magnus Carlsen sind immer ein besonderes Happening, und die beiden Top-GMs verstehen sich darauf, dies auch auf dem Brett zu zelebrieren. In der zweiten Runde des Nanjing Pearl Spring Chess Tournament begegnete man sich nun erneut, und obwohl es keinen Sieger gab, sorgte die Partie bei den zahlreichen Kiebitzen weltweit zumindest für hochgezogene Augenbrauen. Die beiden Kontrahenten feuerten sich derart schnell insgesamt 44 Züge um die Ohren, das man meinen konnte, sie hätten heute noch einen wichtigeren Termin. Während der Weltmeister wenigstens knapp 18 Minuten seiner 2 Stunden Grundbedenkzeit investierte, brachte es Carlsen plus 5 Minuten auf der Uhr, als man sich zum Remis die Hände reichte. Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen, das ist sehr gefährlich! Deutlich bedächtiger gingen im Vergleich Etienne Bacrot und Veselin Topalov zu Werke, wobei der Bulgare gegen den erneut sehr ausgiebig nachdenkenden Franzosen eine viel versprechende Angriffsstellung zum Remis verflachen ließ. Ein ähnliches Bild bot sich auch zwischen Wang Yue und Vugar Gashimov. Der Chinese setzte seinem Gegner arg zu, aber auch er konnte daraus nichts machen und musste urplötzlich im Turmendspiel sogar noch um den halben Punkt bangen. In der dritten Runde wird es zum ersten Aufeinandertreffen nach der WM zwischen Anand und Topalov kommen, wobei der Champion die schwarzen Steine führen wird. Carlsen trifft mit Weiß auf Wang Yue und Gashimov spielt gegen Bacrot ebenfalls zum ersten Mal im laufenden Wettbewerb die weißen Figuren.
In Nanjing wird ein doppelrundiges Turnier gespielt (also 10 Runden) mit der Bedenkzeit 120 Minuten/40 Züge + 60 Minuten/20 Züge + 15 Minuten + 30 Sekunden/Zug ab dem 61. Zug. Mit einem Elo-Schnitt von 2766 wird die Kategorie 21 erreicht. Man treibt seitens der Organisation wie im vergangenen Jahr die so genannte Sofia-Regel auf die Spitze, indem man Remisangebote nur in theoretischen Remisstellungen – als eigentlich gar nicht – erlaubt. Doch wirklich eingehalten wird diese Regelung in der Praxis offenkundig nicht.
Durch die enorme Zeitverschiebung ist es bei uns noch ziemlich früh am Tag, wenn sich die Spieler ans Brett setzen. Um 8:30 Uhr unserer Zeit werden die Runden beginnen, und die letzte Runde wird gar schon um 4:00 Uhr in der Früh beginnen. Der einzige Ruhetag wird am 25.10. eingelegt.
Insgesamt beträgt der Preisfonds satte 250.000,- Euro, die sich wie folgt auf die Platzierten verteilen werden: 80.000,-, 55.000,-, 40.000,-, 30.000,-, 25.000,- und 20.000,-
Bei etwaiger Punktgleichheit wird es zu der folgenden Tiebreak-Regelung kommen: 2 Partien á 10 Minuten + 3 Sekunden/Zug - Falls notwendig, dann 2 Partien 5'+3'' und falls danach immer noch kein Sieger feststeht eine Armageddon-Partie mit 6 Minuten gegen 4 Minuten, wobei der Weißspieler gewinnen muss.