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Olympia 2010 – Gold für Ukraine und Russland
Deutschen Teams ging zum Ende die Puste aus
04.10.2010 - Mit einem 2:2 gegen Israel in der Schlussrunde hat die Ukraine bei der 39. Schacholympiade Gold gewonnen. Mit einem Mannschaftspunkt Vorsprung und als einziges Team ungeschlagen verwiesen Vassily Ivanchuk, Ruslan Ponomariov, Pavel Eljanov, Zahar Efimenko, Alexander Moiseenko sowie Kapitän Vladimir Tukmakov das Team Russland 1 auf den Silberrang. Bronze geht nach Wertung an die Israelis. Letztlich doch enttäuschend ist der 64. Rang des deutschen Teams. Zum Abschluss unterlag man überraschend dem Team der Gehörlosen mit 1:3. Dass die russischen Frauen Gold gewinnen würden, stand bereits früh fest. Letztlich gaben Tatiana Kosintseva, Nadezhda Kosintseva, Alexandra Kosteniuk, Alisa Galliamova, Valentina Gunina und Coach Yuri Dokhoian nicht einen einzigen Mannschaftspunkt ab. Das bedeutet vier Punkte Vorsprung auf die chinesischen Gewinnerinnen der Silbermedaille, welche jeweils nochmals zwei Punkte mehr als Georgien auf dem Bronzerang vorzuweisen hatten. Wie auch bei den Männern, ist das Abschneiden der deutschen Frauen letztlich doch unbefriedigend. Gegen Bulgarien verzichtete Coach Raj Tischbierek auf den Einsatz von Frontfrau Elisabeth Pähtz, kassierte so ein 1:3 und fiel auf den 25. Rang zurück.

Offizielle Turnierseite
Tabellen etc. bei Chess-Results.com



Gold, Silber & Bronze

Vassily Ivanchuk

Wie man Gold bei einer Schacholympia gewinnt, das wissen die Ukrainer bereits seit 2004, als dieses Kunststück in Calvia gelang. Ebendort verwies man, damals noch mit Jungstar Sergey Karjakin, die erfolgsverwöhnten Russen ebenfalls auf den zweiten Rang. Heuer ist Karjakin verheiratet, russischer Staatsbürger und spielt nun entsprechend für den ohnehin schier übermächtigen Nachbarn. Umso größer dürfte daher in diesem Tagen die Freude über den jüngsten Triumph sein. Ein Großteil des Erfolgs darf sich ganz unbescheiden Vassily Ivanchuk zuschreiben. Mit 8/10 und einer Performance von 2890 war er der beste Spieler an Brett 1 und ist damit auch nach Elo wieder die Nummer 1 seines Landes. Doch auch die Leistung von Zahar Efimenko an Brett ist mit 8,5/11 phantastisch. Zuletzt hatte er noch gegen die deutsche Nummer 1 Arkadij Naiditsch ein Match über sechs Partien verloren, doch in Khanty-Mansiysk sammelte er rund 24 Elopunkte und stößt so in die Riege der 2700er vor. Den ersten Brettpreis am vierten Brett schnappte ihm Sergey Karjakin mit 8/10 weg, wobei man nicht vergessen sollte, dass Efimenko eine Partie mehr spielte. Hätte er in der letzten Runde verzichtet, wäre punktgleich mit dem ehemaligen Landsmann gewesen, doch das Wohl der Mannschaft ging natürlich vor.

Das ukrainische Team bei der Siegerehrung

Russland 1

Im Vergleich zur Olympiade 2008 in Dresden ist der zweite Rang für Russland eine Verbesserung, denn damals wurde man nur enttäuschender Fünfter, aber Silber war dennoch nicht das Ziel der Startruppe um Vladimir Kramnik. Dieser spielte mit 5,5/9 zwar ein solides Ergebnis ein, aber glänzen konnte einzig der bereits erwähnte Karjakin. Besonders enttäuscht ist mit Sicherheit der fünfte Mann im Team Russland 1, denn 3/6 und einer Leistung von 2580 ist für den Physiker Vladimir Malakhov natürlich zu wenig. Eine kleine Sensation ist die Bronzemedaille für das Team aus Israel. An Brett 1 riss sich Boris Gelfand mit 4,5/9 und 7 Unentschieden zwar kein Bein aus, aber dafür konnte er sich auf besonders auf sein Brett 2 verlassen. Emil Sutovsky erzielte 7,5/9 und erreichte mit 2895 die höchste Performance aller anwesenden Spieler. Kein Wunder, dass er so gleich auch den Brettpreis für die best Leistung am zweiten Brett gewann.


Action in der absoluten Weltspitze

Magnus Carlsen

Vor einiger Zeit gab es nicht wenige Kritiker, welche bemängelten, dass die weltbesten Spieler ausschließlich miteinander spielen und das Duell mit Kollegen der zweiten, dritten, vierten etc. Garde scheuen. Seitdem immer mehr junge Spieler teils mit Affenzahn die 2700er-Schallmauer anstreben und durchbrechen, sind diese Stimmen verstummt. Dennoch bleibt es nicht nur für „einfache“ Meisterspieler ein besonderes Highlight, wenn sie vielleicht zum einzigen Mal in ihrer Karriere bei einer Olympiade auf einen Gegner der absoluten Weltspitze treffen. Auch wir Zuschauer schauen begeistert zu. Entweder um zu sehen, wie der Weltstar mit leichter Hand einen Sieg einfährt, aber noch mehr törnt es uns an, wenn die Elite strauchelt und sogar umkippt.

Die beiden einzigen 2800er im Turnier taten uns den Gefallen, gleich beide Szenarien zu bieten. Mal fegte Magnus Carlsen seine Gegner vom Brett, doch insgesamt drei bittere Male ging es genau anders herum. Baadur Jobava und Michael Adams sind natürlich Spieler, die jederzeit jeden Gegner der Welt besiegen können, doch Carlsens Niederlage in der zehnten Runde gegen den Russen Sanan Sjugirov darf als waschechte Sensation bezeichnet werden. In der letzten Runde trat Carlsen nicht mehr an und fügte sich so in seine 4,5/8 und den Verlust von insgesamt 15 Elopunkten. Damit bleibt das G-Star-Model zwar Erster der Weltrangliste bzw. der Live Top List, doch mit aufgerundet 2811 ist sein Vorsprung auf… Viswanathan Anand erheblich geschmolzen. Da wurde ein Name vergessen, meinen Sie? Mitnichten, denn Veselin Topalovs Zeiten als 2800er sind aktuell Geschichte. Der bulgarische Vize-Weltmeister setzte mit seinen 5/9 satte 17 Elopunkte in den Sand und rangiert mit 2786 „nur noch“ auf dem vierten Rang. Er musste nicht nur den Weltmeister passieren lassen, auch Levon Aronian setzt seinen Höhenflug fort und gewann in Khanty-Mansiysk genügend Punkte hinzu, um nun bei knapp 2790 endgültig an der 2800 zu schnuppern.

Live Top List
vom 02. Oktober 2010

Rang Name Rating +/-
01 Carlsen 2810,7 -15,3
02 Anand 2800,0 0
03 Aronian 2789,7 +6,7
04 Topalov 2785,5 -17,5
05 Kramnik 2775,0 -5
06 Ivanchuk 2771,9 +17,9
07 Grischuk 2763,2 +3,2
08 Karjakin 2763,0 +16
09 Mamedyarov 2760,4 +4,4
10 Shirov 2755,4 +6,4
11 Wang Yue 2748,0 +16
12 Ponomariov 2745,5 -3,5
13 Gelfand 2745,3 -5,7
14 Radjabov 2745,1 -2,9
15 Eljanov 2741,4 -19,6
16 Nakamura 2740,7 +7,7
17 Gashimov 2733,4 +14,4
18 Wang Hao 2732,6 +8,6
19 Svidler 2730,5 -0,5
20 Movsesian 2730,3 +7,3
21 Jakovenko 2728,2 +2,2
22 Nepomniachtchi 2727,5 +21,5
23 Wojtaszek 2725,3 +14,3
24 Adams 2724,0 -4
25 Almasi 2717,0 +10
26 Kamsky 2716,7 +11,7
26 Leko 2716,7 -7,3
28 Vachier-Lagrave 2715,4 -5,6
29 Dominguez 2715,3 -0,7
30 Jobava 2715,0 +5
31 Bacrot 2714,7 -1,3
31 Caruana 2714,7 +14,7
33 Malakhov 2714,3 -10,7
34 Fressinet 2713,1 -4,9
35 Vitiugov 2711,0 +2
36 Efimenko 2707,2 +24,2
37 Alekseev 2705,2 +14,2
38 Navara 2703,6 -18,4
39 Vallejo 2700,7 +3,7
40 Morozevich 2700,0 0

Russlands fünf Goldstücke: Die Frauen

Russlands Gold-Mädels plus Coach

Was ihren männlichen Kollegen versagt blieb, erreichten die besten fünf Frauen Russlands mit Leichtigkeit. 22 von 22 möglichen Punkten und läppische vier Niederlagen in 44 Partien, da konnte die gesamte Konkurrenz nur staunend zuschauen und beeindruckt applaudieren. Einen erheblichen Anteil am Ruhm kommt bestimmt auch dem einstigen Kasparov-Trainer Yuri Dokhoian zu, welcher bei seiner Teamaufstellung ELO über WM-Titel stellte und Weltmeisterin Alexandra Kosteniuk mal nicht am Spitzenbrett sonder hinter den Kosintseva-Schwestern platzierte. Beide wurden dem Druck mit hervorragenden Leistungen mehr als gerecht und gewannen auch ihre jeweiligen Brettwertungen. Die Leistung von Kosteniuk (6,5/10) an Brett 3 muss eher durchschnittlich bezeichnet werden, doch Alisa Galliamova (5,5/7) und Valentina Gunina (6,5/7) wogen den einen oder anderen weltmeisterlichen Hänger wieder auf.


Einige Lichtblicke gepaart mit langen Schatten

…so kann man kurz und bündig das Abschneiden beider deutschen Teams beschreiben. Sowohl die Männer als auch die Frauen blieben letztlich deutlich hinter den ohnehin nicht hohen Erwartungen zurück. Beide Teams zeigten von Beginn ansprechendes und auch erfolgreiches Schach, aber im letzten Turnierdrittel ging ihnen offenbar die Puste aus. Allerdings müssen sich die Bundestrainer (Uwe Bönsch, Männer / Raj Tischbierek, Frauen) schon fragen lassen, warum man ausgerechnet in der letzten Runde, wenn es nochmals um eine gute Platzierung geht, die Spitzenbretter nicht spielen lässt. Selbstverständlich waren Rainer Buhmann und Elisabeth Pähtz nach zehn bzw. neun Partien in Serie bestimmt nicht mehr taufrisch, aber das hätte man möglicherweise mit einer Pause mittendrin smarter handhaben können. 2012 findet die Schacholympiade in Istanbul statt und es wäre sehr schön, wenn bis dahin wieder die Möglichkeit geschaffen würde, dass die besten Spieler antreten können und nicht andere Teams coachen oder via Internet zum Zuschauen verdammt sind.


Bilder: © Offizielle Turnierseite


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Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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