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Der Kampf der Giganten
13.04.2005 - 92. Minute. Es steht 1:1 zwischen den beiden Topteams der Liga, dem FC Porz und dem OFC Baden-Baden bei der großen Play-off-Qualifikation zur deutschen Meisterschaft. Der OFC muss dieses Ergebnis unbedingt halten, um gegen den größten Konkurrenten die Oberhand zu behalten. Und dann der Elfmeter für das Ooser Team mit der großen Chance zum 2:1 und der endgültigen Entscheidung! Doch der Spieler mit der Nummer 6 verschießt! Der Konter. Und Tor! Aus und vorbei, die Kölner Truppe reißt den OFC aus allen Meisterschaftsträumen...

Es war ein ganz besonderer Tag, dieser 10. April 2005. Typisches April-Wetter mit Regen, Kälte, Wind und ab und an Sonnenschein. Im großen Saal des Sporthotels in Köln Porz-Wahn, seit halben Ewigkeiten Spielstätte einer der stärksten Bundesligateams aller Zeiten, prallten zwei Teams aufeinander, die die Schachwelt in Entzücken versetzte. Und was haben sie sich Mühe gegeben, die Gastgeber, der zehnfache deutsche Meister. Extra für dieses Jahrhundertduell verlegter grüner, dämpfender Teppichboden im gesamten Spielbereich. Live-Übertragung aller 16 Bundesligapartien. Das Ambiente konnte nun wirklich nicht besser sein.

Der OSC Baden-Baden trat wie die SG Porz in Bestbesetzung an, Brett 1 bis 8 entsprachen genau der Ranglistenreihenfolge 1-8! Purstes Vergnügen für die Zuschauer vor Ort und im Internet. An Brett 8 die lebende deutsche Schachlegende Dr. Robert Hübner gegen Mikhail Gurevich, beide mit einer ELO von etwa 2630 bestückt. Und an Brett 1 nach dem Rücktritt des großen Garry Kasparov der neue Weltranglistenerste Viswanathan Anand mit Schwarz gegen den Weltranglistensechsten Michal Adams!

Und es begann gar nicht mal so schlecht für die Ooser. Schnell war klar, dass sowohl Vishy Anand als auch Peter Svidler (an Brett 2 gegen Christopher Lutz) leicht besser standen. Lediglich "Paco" Vallejo schien nach zwei schlaflosen Nächten gegen Ivan Sokolov die Eröffnung nicht optimal behandelt zu haben. Minimale Vorteile auch für Sergei Movsesian gegen Rafael Vaganian, die sich allerdings zügig in eine remisträchtige Stellung verwandelte. Es war die erste Punkteteilung für die beiden Topteams. Kurz danach erhielt an Brett 8 Robert Hübner sein Remisangebot. Der Ooser Mannschaftsführer war mit dem zweiten Remis nach kurzer Rücksprache einverstanden.

Vishy Anand und Michael Adams

Und dann ging es ganz schnell: Remis an den Brettern 2 (Peter Svidler gegen Christopher Lutz) und 1 (Vishy Anand gegen Michal Adams) sowie die bereits absehbare Niederlage für "Paco" Vallejo mit Weiß gegen Ivan Sokolov. Es steht 2:3 und drei Partien liefen noch: Brett 3 Alexei Shirov mit Schwarz gegen Loek van Wely, Brett 6 Michal Krasenkow mit Weiß gegen Alexander Beliavski und Brett 7 Rustem Dautov mit Schwarz gegen Alexander Graf. Und die Zuversicht bei den Ooser Spielern wächst: Rustem Dautov konnte ausgleichen, Alexei Shirov gewann einen Bauern und Michal Krasenkow erspielte sich einen gewaltigen Zeitvorsprung (etwa 15 gegen 2 Minuten) und Stellungsvorteile bei noch ausstehenden 12 Zügen! Alles deutete auf einen knappen 4,5:3,5 Erfolg für die Badener...

Und dann das: "Ich (Thilo Gubler) stand halb rechts hinter Michal, als Alexander Beliavsky seine Dame bei noch etwa 50 Sekunden Restbedenkzeit nach b5 zog und Schach gab. Michal überlegte kurz, wollte den König nach a1 ziehen, zuckte zurück, überlegte wieder und zog nach etwa 10 Sekunden den weißen König nach a1. Alexander schrak kurz auf, schnellte mit der rechten Hand Richtung Turm e8, nahm sie zurück und zog dann doch konsequent den schwarzen Turm nach e2. Michal schaute auf die Stellung, ich dachte mir noch Alexander versucht noch einen letzten verzweifelten Trick, als Michal plötzlich beide Hände über seinen Kopf vor Entsetzen zusammenschlug. Jetzt war mir klar, die Partie hatte sich völlig gedreht. Entweder Damenverlust oder Matt!".

Michal gab nach kurzer Überlegung seine Partie auf, das Match zwischen den beiden Giganten war entschieden. Noch eine Viertelstunde später saß Michal Krasenkow völlig apathisch auf seinem Platz und konnte seine Niederlage nicht fassen. Seine Erklärung kam später: "Ich dachte, das Damenschach auf b5 wäre nur noch ein letzter Verzweiflungszug, weil kein anderer vernünftiger Zug auch aufgrund der Zeitnot möglich war". Blackout! Das anschließende Remis von Rustem Dautov und der Sieg von Alexei Shirov hatte dann letztendlich nur noch kosmetischen Charakter. Endstand 4,5:3,5 für den deutschen Meister aus Köln anstatt ein 4,5:3,5 Sieg für den OSC Baden-Baden.

Die Enttäuschung und Niedergeschlagenheit der Mannschaft aus Baden-Baden war immens, gerade weil der Sieg über die SG Porz so greifbar nahe war. Der Sport hat mit brutaler Gewalt zugeschlagen, aber so ist es nun einmal. Zusammengezählt wird dann, wenn die letzte Partie beendet ist. Der OSC Baden-Baden gratuliert den beiden Teams aus Porz und Bremen für eine insgesamt gelungene Saison und hofft auf ein spannendes Finale am 8. Mai in Bremen.

Peter Svidler und Christopher Lutz

Alexander Beliavsky

Robert Hübner und Mikhail Gurevich

Alexei Shirov und Loek van Wely

Vishy Anand und Michael Adams

Kampf der Giganten

Francisco Vallejo Pons und Ivan Sokolov

Mikhail Gurevich und Robert Hübner

Analyse Anand und Adams

Noch drei Partien

Alexei Shirov und Loek van Wely

Michal Krasenkow und Alexander Beliavsky

Rustem Dautov

Thilo Gubler

Published by Thilo Gubler

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