Nachrichten „Am wichtigsten ist die Kontinuität“ Der Kapitän des Deutschen Mannschaftsmeisters, Sven Noppes, im Interview
13.04.2010 - Am 21. März wurde Sven Noppes 34 Jahre alt und mit jedem weiteren Lebensjahr scheint der große Schwabe noch ehrgeiziger zu werden. Erst brach das von ihm organisierte 14. Int. Neckar-Open in Deizisau mit 716 Teilnehmern den 2009 aufgestellten Rekord und nur wenige Tage später führte Noppes als Teamchef die Bundesliga-Mannschaft der OSG Baden-Baden zur Deutschen Meisterschaft. In der Saison 2005/06 hatte der diplomierte Bankbetriebswirt die Leitung des Teams übernommen und auf Anhieb das geschafft, was zuvor mehrfach vergeblich versucht worden war. Man gewann die Schale und gab sie seitdem auch nicht mehr her. Der gebürtige Deizisauer ist seit 1997 der Vorsitzende der Schachfreunde Deizisau, besitzt die Qualifikation des FIDE-Schiedsrichters und leitete unter anderem von 1999 bis 2007 die Frankfurt Chess Classic beziehungsweise Chess Classic Mainz. So ist er weltweit der einzige Schiedsrichter eines Turniers, bei welchem die Top 10 der Weltrangliste zugegen war. So geschehen im Jahr 2000, als Garry Kasparov, Viswanathan Anand, Vladimir Kramnik, Alexei Shirov, Alexander Morozevich, Peter Leko, Michael Adams, Vassily Ivanchuk, Evgeny Bareev und Veselin Topalov in Frankfurt beim Fujitsu Siemens Giants spielten. Heute ist der Umgang mit den besten Schachspielern der Welt für Sven Noppes zum Alltag geworden. Selbst ein verdienter Chess Tiger nahm er sich für die Homepage seines Vereins extra Zeit, die er eigentlich gar nicht hat, und beantwortete CT-Redakteur Mike Rosa ein paar kurze Fragen.
Sven Noppes
Mike Rosa: Gerade haben Sie mit Ihrem Team OSG Baden-Baden die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft gewonnen. Überrascht sind Sie sicherlich nicht, doch ein Selbstläufer war das auch nicht, oder?
Sven Noppes: Es war noch nie ein Selbstläufer, aber in diesem Jahr besonders eng.
MR: Sowohl die Solinger als auch die Werderaner haben Ihnen einen großen Kampf geboten. Hätten Sie das vor der Saison so erwartet? Etwas weniger Herzschlagfinale wäre Ihnen vermutlich lieber gewesen, oder?
SN: Solingen hätte ich nicht ganz so stark im Saisonverlauf erwartet, aber Sie sind einfach eine sehr ausgeglichene Mannschaft. Bei Werder war mir immer klar, dass Sie an einem guten Tag in Bestbesetzung jedes Team schlagen können. Dennoch war die OSG Baden-Baden über eine ganze Saison aus meiner Sicht einfach das stärkste Team.
Das erste Siegerfoto vom Deutschen Mannschaftsmeister 2010 OSG Baden-Baden
MR: Sie eilen aktuell von Erfolg zu Erfolg. Gerade hat das von Ihnen organisierte 14. Int. Neckar-Open mit einem neuerlichen Teilnehmerrekord Geschichte geschrieben. Wie erklären Sie sich das?
SN: Am wichtigsten ist die Kontinuität, die wir bieten. Die Teilnehmer kommen mit einer gewissen Erwartungshaltung nach Deizisau und diese scheinen wir im Großen und Ganzen zu erfüllen. Nach der Regelkreistheorie versuchen wir jedes Jahr, immer noch etwas besser zu werden.
Der größte Erfolgsfaktor ist natürlich das Team der Schachfreunde Deizisau. Es ist einfach außergewöhnlich, wenn ein Schachverein mit solch großem personellem und ehrenamtlichem Einsatz Jahr für Jahr über viele Jahre hinweg eine solche Veranstaltung stemmen kann.
MR: Dürfen wir uns bereits den 21. bis 25. April 2011 für das 15. Int. Neckar-Open vormerken?
SN: Grundsätzlich ja. Natürlich muss das Team der Schachfreunde Deizisau wieder bereit sein, die große Aufgabe auf sich zu nehmen, aber Stand heute gehe ich davon aus.
Ein Blick in die Turnierhalle des Neckar-Opens
MR: Es wird schwer werden, Arkadij Naiditsch zu einer weiteren Teilnahme zu bewegen …
SN: Ich habe Ihn ja nicht zu den Teilnahmen bewegt sondern er wollte spielen und das kann ich gut nachvollziehen. Es gibt nicht viele offene Turniere in Deutschland, die für einen Spieler seiner Klasse in Frage kommen. In Deizisau hat er ein relativ starkes Feld und kann sich als Nummer eins vielen Fans zeigen. Seine Investition beträgt nur wenige Tage. Er selbst hat mir gesagt, dass ihm das Turnier wieder gut gefallen hat und sein Ergebnis wohl eher auf die eigene Form zu schieben war. Ich denke, es ist nicht ausgeschlossen dass wir Arkadij nochmals in Deizisau sehen, aber das wird er wieder kurzfristig entscheiden.
MR: Was ist die größere Herausforderung – einen Event mit über 700 Teilnehmern zu fahren oder die Führung einer Star-Truppe?
SN: Es sind zwei unterschiedliche Führungsaufgaben. Einmal hat man es mit absoluten Profis zu tun, wo das Ziel ganz klar definiert ist. Die große Herausforderung ist, die unterschiedlichen Zeitpläne und persönlichen Ziele der Spieler unter einen Hut zu bekommen. Beim Neckar-Open gilt es, Jahr für Jahr eine Großveranstaltung mit vielen ehrenamtlichen Mitgliedern zu organisieren. Hier liegt der Schwerpunkt beim Projektmanagement. Bei beiden Aufgaben habe ich in der Vergangenheit auch viel für mein Berufsleben gelernt. Im Übrigen einer der Gründe für meine persönliche Motivation.
Viswanathan Anand und sein Teamchef
MR: In etwas mehr als einer Woche beginnt die Schachweltmeisterschaft 2010 zwischen Viswanathan Anand und Veselin Topalov. Wer wird Ihrer Meinung nach siegen und werden Sie selbst in Sofia sein?
SN: Ich wünsche mir, dass Weltmeister Vishy Anand seinen Titel verteidigen kann. Ich weiß, dass er sich sehr professionell vorbereitet und ein sehr starkes Team mit vielen verschiedenen Kompetenzen um sich gebildet hat und bin deshalb sehr optimistisch. Ich selbst habe noch keine festen Pläne will aber mindestens ein Mal nach Sofia fliegen.