Nachrichten Aktuelles Tagesschach 02/10 - Wieder drei Remis in Linares Amber Rapid & Blindfold in Nizza *** Fünf Führende beim Aeroflot *** Yuri Vovk führt in Cappelle-la-Grande *** 11. Europameisterschaft der Männer und Frauen
16.02.2010 - In der dritten Runde des XXVII Torneo Internacional de Ajedrez “Ciudad de Linares” 2010 wurde mal wieder keine Partie entschieden. Es führen weiterhin Veselin Topalov und Alexander Grischuk. Vom 13. bis 25. März findet in Nizza das Amber Rapid & Blindfold Chess Tournament statt. Bei uns erfahren Sie, wer dabei ist. Beim laufenden Aeroflot Open in Moskau führen nach sieben Runden fünf Spieler punktgleich das Feld an. Arkadij Naiditsch befindet sich in der unmittelbaren Verfolgergruppe. Mit dem Cappelle la Grande International Chess Open findet parallel ein weiteres großes Open statt, welches nach vier Runden Yuri Vovk mit blütenweißer Weste anführt. Und vom 06. bis 18. März wird die 11. Europäische Einzelmeisterschaft der Männer und Frauen im kroatischen Rijeka ausgetragen. Erfahren Sie, wer aktuell dabei ist!
Linares (ESP) - Nicht zuletzt die Zugstatistik (siehe unten) beweist es, beim XXVII Torneo Internacional de Ajedrez “Ciudad de Linares” 2010 wird heftig um die Punkte gerungen, dennoch brachte die dritte Runde keine entschiedene Partie hervor. Erneut traten die Probleme, die ein sechsköpfiges Rundenturnier nunmal mit sich bringt, deutlich zu Tage. Zu wenig Spieler, zu wenig Partien und letztlich ein deutlicher Verlust in puncto Entertainment. Die Partien selbst waren in der dritten Runde durchaus ansprechend, aber unter dem Strich ist eine Remisquote über 75 Prozent schlichtweg desolat. Wie soll sich denn jemals etwas an der Außenwirkung des Schachs ändern, wenn "wir" in erster Konsequenz die Qualität beschneiden? Nicht die Qualität der Spieler ist damit gemeint, sondern die der gesamten Veranstaltung. Dabei machen es Turniere wie das Corus Chess in Wijk aan Zee oder auch die blutjunge London Chess Classic doch vor, wie es geht! Man nehme ein paar Top-Spieler und mixe sie mit ein paar echten Talenten und ruhig auch Lokalmatadoren und schon entstehen nicht nur (hochklassige) Remisduelle, es fließt auch zwangsläufig so viel Blut, um den Zuschauer gebührend zu unterhalten. Ja, das Remis ist im Schach das häufigste Ergebnis und wird es immer sein, aber diese 6er-Turniere können - nein, sie dürfen - nicht die Lösung sein!
Hoffen wir im Sinne des Turniers, dass mich schon die heutige vierte Runde in Linares Lügen straft. An der Tatsache, dass dieses Format keine Zukunft hat, würde es zwar nichts ändern, indes jedoch an der Berichterstattung. Und noch ein Tipp zum Schluss: Eine Turnierseite in englischer Sprache hat noch jedem Top Turnier gut zu Gesicht gestanden!
Nizza (FRA) - Vom 13. bis 25. März findet an der Côte d’Azur wieder das beliebte Amber Chess Tournament statt. Gesponsert von dem niederländischen zweimaligen Fernschachweltmeister, Unternehmer und Schachmäzen Joop van Oosterom, lockt dieses weltweit einmalige Schachereignis wieder zwölf Weltklassespieler, sich sowohl im Schnell- als auch im Blindschach zu messen. Bei diesem Turnier, benannt nach der Tochter des Veranstalters, Melody Amber, ist es einfacher aufzuzählen, welcher Top Ten-Spieler nicht dabei ist, als umgekehrt. Aus verständlichen Gründen werden beispielsweise weder Weltmeister Vishy Anand noch sein Herausforderer Veselin Topalov antreten, worüber Magnus Carlsen, Vladimir Kramnik, Vorjahressieger Levon Aronian & Co sicherlich nicht allzu traurig sein werden. Dafür werden Vugar Gashimov, Ruslan Ponomariov, Leinier Dominguez und Jan Smeets ihr Debüt geben. Zunächst werden Schnell- und Blindschach getrennt gewertet, doch der wahre Champion wird eben der sein, der in der Addition beider Disziplinen das beste Ergebnis vorzuweisen hat. Schon jetzt dürfen wir uns auf rasantes Schnellschach und auch schlimme Überseher im Blindschach freuen - eben alles, was Schach neben dem normalen Turnieralltag unterhaltsam macht.
Moskau (RUS) - Nach sieben von neun Runden hat sich beim diesjährigen Aeroflot Open eine Fünfergruppe an der Spitze versammelt. Nach Wertung führt aktuell der Russe Ian Nepomniachtchi, aber noch sind zwei Runden zu spielen, was auch dem breiten Feld der Verfolger noch alle Chancen lässt, sich ganz vorn zu platzieren. So liegt beispielsweise Arkadij Naiditsch auf Rang 8 sehr aussichtsreich im Rennen. Für den Deutschen selbst darf die Tatsache, dass er aktuell heftig mit der 2700 ringt nicht entscheidend für die Partieanlage sein, doch wir drücken unserer Nummer 1 natürlich ganz fest die Daumen, dass er sich am Ende nicht nur über eine schöne Platzierung freuen darf, sondern auch über den Wiedereinzug in den Kreis der absoluten Weltklasse.
Cappelle-la-Grande (FRA) - Seit dem 13. und noch bis zum 20. Februar wird das traditionelle Cappelle la Grande International Chess Open ausgetragen. 652 Teilnehmer hat das Turnier laut der Veranstalterseite in diesem Jahr und zählt damit zu den größten Schachturnieren der Welt, wie beispielsweise die Chess Classic Mainz oder das World Open in Philadelphia. Bei Letzterem wird allerdings mit mehreren Gruppen gespielt, während sowohl in Mainz als auch in Cappelle-la-Grande sämtliche Spieler in einem Turnier spielen. Nach vier Runden hat sich mit dem Yuri Vovk (2546) gleich mal der Vorjahressieger alleine an die Spitze der Tabelle begeben. Der Ukrainer konnte bisher alle seine Partien gewinnen, doch noch sind fünf lange Runden zu spielen.
Rijeka (CRO) - Vom 06. bis 18. März findet in Kroatien die 11. Europäische Einzelmeisterschaft der Männer und Frauen statt. Bei einem Gesamtpreisfonds von €180.000,- (€120.000,- Männer, €60.000 Frauen) ist dafür gesorgt, dass allerlei starke Spielerinnen und Spieler die Reise an die nordöstliche Adria antreten werden. Gespielt werden elf Runden Schweizer System mit evetuellem Tiebreak um die Medaillen. Mit von der Partie werden neben Titelverteidiger Evgeny Tomashevsky beispielsweise Etienne Bacrot, Sergei Movsesian, Fabiano Caruana, Michael Adams, David Navara, Viktor Bologan und noch einige mehr sein. Die deutschen Farben werden von insgesamt 30 Spielern (25 Männer, 5 Frauen) vertreten, wobei natürlich besonders das Abschneiden von Arkadij Naiditsch, Georg Meier, Daniel Fridman, Jan Gustafsson, Rainer Buhmann und Elisabeth Pähtz im Kampf um die Medaillen interessant ist.