TopTurniere Tal Memorial 2009 - Die Spiele haben begonnen! Gleich drei Siege in Moskau / Anand, Aronian und Kramnik führen
07.11.2009 - Was gestern eher wie ein Tanztee im Seniorentreff anmutete, präsentierte sich heute im Vergleich wie ein ausverkauftes Rockkonzert. Ein launiges Trio - bestehend aus Weltmeister Viswanathan Anand, Levon Aronian und Vladimir Kramnik stürmte die Bühne und rockte die dritte Runde des Tal Memorial, indem sie ihre Partien in teils beeindruckender Manier gewannen. Den Anfang machte Anand gegen Peter Svidler, Aronian zog nach gegen Peter Leko und Kramnik setzte gegen Alexander Morozevich den goldenen Schlusspunkt des Tages. Die beiden anderen Begegnungen zwischen Boris Gelfand und Magnus Carlsen sowie Vassily Ivanchuk und Ruslan Ponomariov endeten unentschieden.
Die erste beendete Partie der dritten Runde war die zwischen Boris Gelfand und Magnus Carlsen. Der Norweger hatte als Schwarzer keinerlei Probleme, mit der Grünfeld-Verteidigung auszugleichen. Möglich, dass Carlsen sogar etwas Vorteil erreichte, aber dieser war ihm - falls er das auch so sah - offenbar nicht ausreichend, um den erfahrenen Israeli Gelfand auf die Probe zu stellen. Binnen kürzester Zeit wurden sämtliche Leichtfiguren getauscht und das Resultat war ein absolut ausgeglichenes Schwerfigurenendspiel mit Dame und beiden Türmen, welches die Beiden aus verständlichen Gründen mit dem Friedensschluss nach 2 Stunden und 27 Zügen gar nicht erst in Angriff nahmen. Nach zwei durchaus spannenden Partien zum Auftakt, wird Carlsen bestimmt nicht unglücklich über einen ruhigeren Samstag gewesen sein.
Auch zwischen Viswanathan Anand und seinem Baden-Badener Mannschaftskollegen Peter Svidler stand Grünfeld auf der Agenda. Beide Spieler haben diese Eröffnung aktuell in ihrem festen Repertoire und so konnte man vorab schon ein interessantes Theorieduell erwarten. So folgte man zunächst einer Partie von 2005 zwischen Ivan Sokolov und Emil Sutovsky, doch alsbald nahmen die Dinge ihren eigenen Lauf. Der Weltmeister wahrte sich einen kleinen Vorteil und machte keinerlei Anstalten, diesen lediglich verwalten zu wollen. Im Gegenteil setzte er am Königsflügel an und begann dort, den Russen unter Druck zu setzen. Und wirklich, es sollte Früchte tragen. Svidler übersah eine lange Taktik, an deren Ende er mit einer glatten Minusfigur verlieb und natürlich umgehend aufgab. Damit ist Anand der erste Spieler, der im laufenden Wettbewerb eine Partie gewinnen konnte, doch es sollte nicht die einzige entschiedene Partie der dritten Runde bleiben.
Bei Levon Aronian und Peter Leko stand die Botwinnik-Variante des Damengambits zur Diskussion, welche beide Spieler bereits des Öfteren auf dem Brett gehabt haben. Aronian wählte mit 14.a4!? eine seltener gesehene Fortsetzung und krönte seine Idee, indem er trotz gegnerischem Mehrbauer die Damen tauschte. Fortan machte es den Eindruck, dass Leko das Ganze nicht geheuer war, denn erst gab er ohne Gegenwehr den Mehrbauer wieder her und dann opferte er gar seinerseits einen weiteren Landwirt, um die mehr und mehr aufkeimenden Gewinnversuche des Armeniers zu bremsen. Doch die Nummer 4 der Weltrangliste hatte bereits zu viel Blut geleckt und begeisterte besonders zwischen dem 28. und 35. Zug mit dem ungewöhnlichen Turmanöver Td1-d2-c2-d2-d1 an dessen Ende bereits abzusehen war, dass er heute gewinnen würde. Leko wehrte sich noch bis zum 43. Zug, aber der ungarische Verteidigungsmagier fand kein Kaninchen mehr im Zylinder und musste schließlich aufgeben.
Alexander Morozevich ist bekanntlich ein Garant für spannende Partien und auch heute gegen Landsmann Vladimir Kramnik ging er gewohnt kreativ zu Werke. Allerdings stellte sich in dem Nimzoinder zwischen den beiden früh heraus, dass Kramnik offenbar bestens präpariert und zudem Willens war, sich der Kreativität seines Gegners zu stellen. Mit Elan nahm er sich des unrochierten weißen Königs im Zentrum an und setzte seinen Gegenüber mächtig unter Druck. Moro tat sein Bestes, um sich möglichst aktiv zu verteidigen, aber im 30. Zug brach seine Gegenwehr abrupt zusammen und er erlaubte Kramnik den entscheidenden Springereinschlag auf f2. Danach räumte Schwarz den weißen Königsflügel ab und als er seinen König im Mattnetz zappeln sah, gab sich Morozevich geschlagen.
Die längste Partie des Tages lieferten Vassily Ivanchuk und Landsmann Ruslan Ponomariov ab. Die beiden Ukrainer schonten sich nicht und suchten in der Ragosin-Verteidigung des Damengambits nach Kräften die Chance auf einen Sieg. Beide geizten nicht mit taktischen Scharmützeln, aber letztlich landeten sie doch in einem völlig ausgeglichenen Springerendspiel. Statt dies sogleich zum Anlass zu nehmen, die Friedenspfeife zu entzünden, boten Chuky und Pono den Zuschauern an, aus erlesener Hand etwas über Endspiele zu lernen. Aber nach 69 Zügen gab es nun wirklich nichts mehr zu erfinden und per Handschlag ward das Remis besiegelte Sache.