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Magnus Carlsen im TV
Norwegens Superstar im Interview bei „Golden Goal“
20.10.2009 - Das Schachgenie Magnus Carlsen ist schon längst mehr als einer der besten aktiven Schachspieler der Erde. Mit seinen achtzehn Jahren stellt er eine Marke dar, die für Erfolg steht, selbst wenn er gerade mal nicht am Brett sitzt. Schon längst gibt es kaum noch Zweifler, die ihn nicht als einen der kommenden Weltmeister sehen. Wenn es an dem Norweger überhaupt etwas zu bemängeln gibt, dann sind das mitunter seine Umgangsformen, wenn er sich bei Pressekonferenzen räkelt, lustlos antwortet oder nur vor sich hin starrt. Dass er dies allerdings viel, viel besser kann, bewies er jüngst in der norwegischen TV-Sendung "Golden Goal". Der Moderator Johan Golden - selbst ein Multitalent in Sachen Comedy, Musik und Politik - hatte Carlsen zu sich in die Sendung eingeladen und stellte ihm - neben den üblichen Laien-Fragen - auch ein paar gute und amüsante Fragen zu Nanjing, Kasparov und Schach-Groupies. Ungewohnt offen ließ sich Carlsen nicht lumpen und sorgte seinerseits für einige Lacher. Das Video von diesem Interview in norwegischer Sprache kann man bei YouTube mit englischen Untertiteln sehen. Für die deutsche Fan-Gemeinde haben wir das komplette Interview aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

Interview mit Magnus Carlsen in "Golden Goal"

Johan Golden: Am vergangenen Freitag gewann er das Grand Slam Chess Tournament in China, was zweifelsohne die Leistung des Jahres im norwegischen Sport ist. Heute ist er hier, bitte heißen Sie Magnus Carlsen willkommen! – Nimm’ Platz! Der Applaus ist hoch verdient! Willkommen und Gratulation!

Magnus Carlsen: Danke sehr!

JG: Sag’ mir, wie ist es, 18 zu sein, nach China zu reisen, die Oldtimer vom Brett zu blasen, sich eine Million zu schnappen und wieder heim zu fahren?

MC: Es wäre noch erfreulicher gewesen, wenn mir das in Norwegen gelungen wäre.

JG: Du bist angenehm bescheiden.

MC: Nein, ernsthaft, es hat Spaß gemacht. Ich hatte das nicht erwartet. Auch, wenn ich gehofft hatte, das Turnier zu gewinnen, aber diese Weise war fern jeder Erwartung.

JG: Was hat Dir an der Art und Weise besonders gefallen?

MC: Nun, mein Spiel war sehr genau, ich habe wirklich gut gepunktet. Ich habe souverän gewonnen. Es kam alles zusammen für mich.

JG: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Du extrem gut bist. Die meisten Leute können nur behaupten, exzellent zu sein, aber in Deinem Fall gibt es jetzt einen wissenschaftlichen Beweis. Jemand hat berechnet, dass es zehn Jahre her ist, das Schach so brillant gespielt wurde, wie Du es in China getan hast. Du bist zudem der jüngste Spieler, der jemals die 2800 erreicht hat. Sind da noch Rekorde übrig?

MC: Natürlich, es gibt noch viele Rekorde, wie beispielsweise der jüngste Weltmeister aller Zeiten.

JG: Du bist gut im Plan. Ich denke, darüber gibt es nichts zu diskutieren.

MC: Vielleicht, aber ich denke nicht allzu viel darüber nach. Ich versuche, mich mehr darauf zu fokussieren, Weltmeister zu werden, und nicht wann das sein wird.

JG: Da stimme ich völlig zu. Dennoch, wäre es nicht toll, würde es geschehen? Sagen wir im nächsten Jahr? Oh, ich will Dich nicht unter Druck setzen! Wie viel von Deinem Fortschritt ist Deiner Zusammenarbeit mit Kasparov geschuldet?

MC: Er hatte einen sehr großen Einfluss auf mich. Aber lass’ mich betonen, dass ich bereits früher im Jahr begonnen hatte, mit ihm zu arbeiten – ohne umgehende Ergebnisse. Aber jetzt, da es publik ist, könnten meine Gegner verwirrt sein, dass ich seine Eröffnungen spiele, seinen Stil anwende. Nicht nur, dass sie mich fürchten müssen, sie müssen auch ihn fürchten.

JG: Das ist clever. Du erhältst Hilfe von einem (Tag Team-)Spieler, der selber nicht mehr wirklich spielt.

MC: Yeah, bekannt zu geben, dass ich mit Kasparov arbeite, mag nahezu so effektiv sein wie die Tatsache, dass ich aktuell mit ihm arbeite.

JG: Du kollaborierst also, und Du hattest eine Art Schach-Champion in Russland und Kroatien für einige Wochen. Hier ist ein Bild:

JG: Für mich sieht das mehr nach einer LAN-Party aus, mit einem Kumpel der leicht zu alt ist. Etwa wie, geh’ nicht mit dem Typen im ärmellosen Hemd nach hause. Bringst Du Kasparov etwas bei, während Du mit ihm arbeitest?

MC: Unsere Spielstile sind sehr unterschiedlich, und so gibt es eine Menge, was ich ihm beibringen kann. Gleichzeitig hat er sehr viel anzubieten.

JG: Streitet Ihr auch mal?

MC: Nun, wir blitzen manchmal zur Übung. Keiner von uns – besonders er nicht – mag es, zu verlieren.

JG: Aber Du schlägst ihn?

MC: Es ist recht ausgeglichen. Es gibt viele interessante Partien.

JG: Wieder bist Du sehr bescheiden. Du könntest sagen: „Schweig’, alter Mann! Ich bin jünger und besser!“ Du hast eine unglaubliche Performance in China abgeliefert, aber es gibt da eine Sache, die mich nachdenklich machte – Dein Outfit. Du hast in einem Kimono gespielt. War das Pflicht?

MC: Wir mussten in chinesischen – vielleicht sollte ich das Wort nicht benutzen – Kostümen antreten, und ich beschloss, das die ganze Zeit zu tun. Es ist ebenso eine wissenschaftliche Tatsache, dass es eine gute Idee ist, Rot zu tragen. Beim Wrestling beispielsweise schlägt der rote Wrestler meistens den blauen Wrestler.

JG: Der Gegner sieht rot wie ein Stier und gerät in Rage?

MC: Vielleicht …

JG: Oder, weil rot die Farbe der Liebe ist, kommen beim Gegenüber amouröse Gefühle auf? Darauf solltest Du ein Auge haben! Solche Typen sind ein Haufen alter Schweine. Gibt es Regeln für Deine Bekleidung? Oder könntest Du auch in einem psychedelischen T-Shirt mit verwirrenden Kreisen antreten, sodass die anderen Typen Kopfschmerzen bekommen und sich nicht konzentrieren können?

MC: Bestimmte Spieler – solche wie Topalov … Er hat absichtlich bunte Shirts getragen. aber bei den meisten Turnieren gibt es eine Art Bekleidungsvorschrift.

JG: Wie wäre es mit einem übel riechenden Aftershave?

MC: Das habe ich noch nicht erfahren.

JG: Du hattest es noch nicht mit Spielern zu tun, die rochen?

MC: Nun, ja! Aber nicht da nach.

JG: Wer war das?

MC: Das möchte ich nicht verraten.

JG: Du wurdest mit Dreizehn der jüngste Großmeister der Welt. Das war in Dubai. Wir haben ein paar Bilder von dem Event:


JG: „Was zur Hölle macht Ben Redic Fy Fazan hier? Wo ist Ludvig?“ (Filmzitat aus Flåklypa Grand Prix) Warst Du verängstigt?

MC: Ich glaube nicht, dass es mir so ging. Aber es ist etwas, an was man zurückdenkt und sich wundert, was man getan hat.

JG: Wir haben unsere Zuschauer gebeten, uns Fragen an Dich zu senden. Einer von ihnen – sein Name ist Eirik – sandte uns das Folgende: „Bekommst Du viele Frauen, wenn Du Schach spielst? Es ist nicht der beste Sport, Frauen kennen zu lernen, oder irre ich mich?“ Irrt er sich? Oder gibt es viele Groupies in der Schachszene?

MC: Nein, er irrt sich nicht völlig.

JG: Nicht völlig, ich verstehe. Es ist also Raum für mehr. Wie lang kann eine Partie Schach dauern?

MC: Es gibt Zeitkontollen, sodass eine Partie nicht länger als sieben Stunden dauert. Ich habe in der Vergangenheit ein paar Sieben-Stunden-Partien gespielt.

JG: Wie anstrengend ist das?

MC: Es ist sehr erschöpfend. Wenn man eine Sieben-Stunden-Partie verliert, möchte man nie wieder Schach spielen.

JG: Die kleinen Figuren können nerven? Ich habe gehört, der Weltrekord liegt bei vierundzwanzig Stunden und dreißig Minuten? Das ist völlig lächerlich.

MC: Yeah, aber das liegt lange zurück, als sie noch Partien unterbrachen. Man würde vier Stunden spielen, etwas essen, weiterspielen, heimgehen und dann am nächsten Tag weiterspielen.

JG: Hört sich so an, als wäre es eine gute Idee gewesen, das abzuschaffen.

MC: Yeah, gegen Ende des Turniers hätte man Leute mit weniger Partien als die anderen, und so weiter. Es ist gut, dass sie das gestoppt haben.

JG: Wann hast Du bemerkt, dass Du einfach super gut im Schach bist?

MC: Ich glaube nicht, dass ich jemals exakt diese Worte benutzt habe, mich selbst zu beschreiben.

JG: Nun, dann wird es Zeit! Du bist Zweiter in der Weltrangliste. Dir sollte es so langsam dämmern, dass dies beileibe nicht nur OK ist!

MC: Ich habe später angefangen, zu spielen, als die meisten Gleichaltrigen – ich war etwa acht oder neun. Als ich sie dennoch schlug, ließ es mich hoffen, der beste Spieler Norwegens zu werden.

JG: Das hast Du erreicht! Und Du wirst der Beste der Welt werden – wir hoffen es jedenfalls. Lass’ mich Dir Glück für den Rest Deiner Karriere wünschen. Ich hoffe, Dir ergeht es außerordentlich gut. Ich würde Dir gerne noch dieses T-Shirt geben. Trage es ruhig, wenn Du spielst! Es ist ein Bild von Dir mit der Unterschrift: „Achte auf Deine Lady, ich hole sie mir mit meinem Turm. (Und ebenso mit meinem Pferd)“




Übersetzung aus dem Englischen von Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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