TopTurniere Willkommen zur großen Carlsen Show! Hat Norwegen früher einen 2800er als erwartet?
02.10.2009 - Man könnte meinen, beim 2. Pearl Spring Chess Tournament in Nanjing spiele nur Magnus Carlsen. Seit Beginn ziert sein Name die Überschrift eines jeden Berichts über das Top Turnier der Kategorie 21, denn der Norweger eilt von Sieg zu Sieg. Nach nunmehr fünf Runden hat Carlsen schier unglaubliche 4,5 Punkte - sein jüngstes Opfer ist Teimour Radjabov, der heute eine 25-zügige Sizilianisch-Lektion erhielt. Derweil kann kein anderer Spieler bisher einen Sieg vorweisen und so führt Carlsen zur Halbzeit mit zwei vollen Punkten vor Wang Yue.
Theoretisch müsste man als Berichterstatter spätestens jetzt alle möglichen Superlativen auf Magnus Carlsen anwenden, aber das 2. Pearl Spring Chess Tournament ist erst zur Hälfte vorüber! Wer weiß, was der beste norwegische Schachspieler aller Zeiten noch so treiben wird. Die jetztigen Zahlen jedenfalls sind bereits gigantisch: 4,5 Punkte aus 5 Partien, eine Performance von 3143 und in der Live Top List mit 2791,4 auf Rang zwei vorbei an Weltmeister Vishy Anand mit der historischen Möglichkeit, die 2800-Schallmauer zu durchbrechen und Veselin Topalov (2803,8) vom Thron zu stossen. Die Meinungen, ob dies unmittelbar dem Training mit Garry Kasparov zuzuschreiben ist oder der junge Mann einfach nur einen Lauf hat, gehen auseinander, aber über eine Tatsache sind sich alle Experten einig: Magnus Carlsen wird in absehbarer Zeit die Führung in der Weltrangliste übernehmen und auch der Weltmeistertitel ist schon so gut wie sicher. Letzteres wird aber noch eine ganze Weile dauern, denn zuvor werden sich Viswanathan Anand und Veselin Topalov um diese Krone duellieren, sofern zumindest einer der drei offiziellen Bewerber (Bulgarien, Singapore und Türkei) bis zum 15. Oktober in der Lage ist, für die Finanzen zu garantieren, wie man auf der Homepage der FIDE nachlesen kann.
Wie auch immer, morgen haben die Spieler in Nanjing ihren ersten von zwei Ruhetagen, bevor am Sonntag dann die Rückrunde mit vertauschten Farben startet. Mal schauen, ob die Carlsen Show ihre ohnehin schon hohen Einschaltquoten noch weiter wird steigern können. Waren Topalov-Partien vor gar nicht allzu langer Zeit noch echte Publikumsmagneten, muss der Bulgare damit leben, dass Carlsen ihm heuer klar den Rang abläuft.