Nachrichten Aktuelles Tagesschach 78/09 - Kramnik siegt in Zürich Ivanchuk gewinnt 5. FIDE Grand Prix / Aronian sichert sich Gesamtwertung
23.08.2009 - Vladimir Kramnik ist der Sieger des Champions Rapid zum Abschluss der Feierlichkeiten im Züricher Hauptbahnhof. Mit 5/7 verwies er Weltmeister Viswanathan Anand auf den zweiten Platz. Zeitgleich fand in Jermuk das Finale des 5. FIDE Grand Prix statt, welches Vassily Ivanchuk zu seinen Gunsten gestaltete. Rang 2 teilen sich Levon Aronian und Boris Gelfand. Letzterer schlug in der Schlussrunde den bis dato führenden Peter Leko. Die Gesamtwertung der Grand Prix-Serie hat souverän Aronian für sich entschieden.
Zürich - Gestern stellten sich acht lebende Legenden des Schachs 200 Amateurspielern im Champions Simultan und sie erreichten ein sehr respektables Ergebnis. Insgesamt siegten die Weltmeister mit 178,5 - 21,5, wobei Ruslan Ponomariov mit glatten 25 - 0 das Maximum aus seinem Simultan herausholte. Die meisten Punkte gab Boris Spassky ab. Er verlor zwar keine Partie, doch seine Gegner luchsten ihm immerhin 11 Unentschieden ab. Im Einzelnen sehen die Bilanzen wie folgt aus:
Vladimir Kramnik 23,5 - 1,5
Niederlagen: 0
Remis: 3 (Anastasia Gavrilova 2082, Ruedi Staechelin 2132, André Meylan 1871)
Ruslan Ponomariov 25 - 0
Niederlagen: 0
Remis: 0
Anatoly Karpov 20,5 - 4,5
Niederlagen: 1 (Gérard Nüesch 2319)
Remis: 7 (Karl-Iversen Lapp 2145, Christoph Kuert 2063, Peter Gehrig 2076, Adrian Siegel 1934, Jean-Pierre Doran, Kurt Buntschu, Kurt Gretener)
Viktor Korchnoi 22,5 - 2,5
Niederlagen: 1 (Holger Namyslo 2307)
Remis: 3 (Florian Zarri 1964, Sebastian Wüthrich, François Zutter)
Boris Spassky 19,5 - 5,5
Niederlagen: 0
Remis: 11 (Andrin Wüest 2251, Simon Stoeri 1974, Hassan Roger Sadeghi 2224, Aleksandar Rusev 2219, Damian Karrer 2159, Pierre Meylan 2104, Stefan Zollinger 2136, Peter Pfiffner, Axel Eger 1862, Beat de Martin, Colm OMuireagain)
Heute wurde der Event zum Jubiläum der Schach-Gesellschaft Zürich noch mit einem hochkarätigen Schnellschachturnier abgerundet. Neben Vishy Anand, Veselin Topalov, Vladimir Kramnik, Ruslan Ponomariov und Anatoly Karpov traten noch Judit Polgar, Alexander Khalifman und der Schweizer Werner Hug als Urgestein der SG Zürich an. Sehr schade war allerdings, dass immer wieder die Übertragung einzelner Partien zusammenbrach - beispielsweise ausgerechnet Topalov gegen Kramnik - und man seitens der Veranstaltung nicht darauf vorbereitet war. Dabei hatte man mit dem parallelen Videostream so schön bei den Zuschauern im Internet gepunktet, um dann zu beweisen, dass man - wie so unendlich viele Organisatoren - die Übertragung der Partien nicht im Griff hatte. Was nutzen die tollen Verbesserungen, wenn das Grundsätzliche nicht funktioniert?
Das Turnier selbst bot Schnellschachunterhaltung pur. Großen Anteil daran hatte, auch wenn er letztlich doch (geteilter) Letzter wurde, Werner Hug, denn angesichts seiner klaren Aussenseiterrolle bediente sich der Schweizer in seinen Eröffnungen vornehmlich theoretischer Nebenvarianten und sorgte so dafür, dass viele Amateure jubelten, als er beispielsweise mit Weiß gegen Anand zum sizilianischen Flügelgambit (1.e4 c5 2.b4!??) griff. Doch auch die Großen zeigten sich in Experimentierlaune und so ergriff Kramnik gegen Anands und Polgars 1.e4 kurzerhand den d-Bauer und spielte Skandinavisch! Man könnte unken, dass dies ja nur eine Spaßveranstaltung war, doch neben allen Eröffnungsscharmützeln wurde hart und verbissen um die Punkte gerungen und nur wenige Partien früh remisiert. Dass letzten Endes Kramnik das Turnier gewann hat er zu einem guten Stück seinem Schlussrundengegner Karpov zu verdanken, der mit den schwarzen Steinen einen fürchterlich schlechten Katalanen produzierte und bereits nach 17 Zügen das Handtuch werfen musste. Somit hätte Anand nur mit einem Schwarzsieg gegen Ponomariov noch gleichziehen können, doch der Ukrainer erreichte ein remisliches Endspiel und sicherte sich den halben Zähler. Daher ziert Vishy Anand den zweiten Rang gefolgt von den punktgleichen Topalov und Ponomariov.
Runde 5
Polgar - Topalov ½
Khalifman - Karpov ½
Hug - Anand 0-1
Kramnik - Ponomariov ½
Runde 6
Topalov - Ponomariov 1-0
Anand - Kramnik ½
Karpov - Hug ½
Khalifman - Polgar 1-0
Runde 7
Khalifman - Topalov 0-1
Hug - Polgar ½
Kramnik - Karpov 1-0
Ponomariov - Anand ½
Jermuk - Was für ein Jahr für den urigen Ukrainer Vassily Ivanchuk - mal himmelhoch jauchzend und mal zu Tode betrübt. Ein gesundes Mittelmaß scheint für den notorischen Vielspieler nicht zu existieren. Heute darf er mal wieder kräftig jubeln, denn er hat den 5. FIDE Grand Prix im armenischen Jermuk im Endspurt und ohne eine einzige Niederlage für sich entschieden. Mit den schwarzen Steinen besiegte er in der Schlussrunde Vladimir Akopian und sicherte sich mit 8,5 Punkten den alleinigen ersten Platz, da zeitgleich Peter Leko mit Schwarz gegen Boris Gelfand verlor und sich vom geteilten ersten Rang gar noch auf Platz 4 zurückkatapultierte. Das lag natürlich auch daran, dass Levon Aronian gegen Ernesto Inarkiev nochmals ernst machte und den Russen schlug. Somit teilen sich Aronian und Gelfand den zweiten Rang, wobei der Armenier nach Wertung die Nase leicht vorn hat und nun auch die Gesamtwertung deutlich für sich entschieden haben dürfte.
Herzlichen Glückwunsch, Vassily Ivanchuk und Levon Aronian!