Nachrichten Aktuelles Tagesschach 64/09 - Motylev führt in Poikovsky Diskussionen um Chinesische Meisterschaft
09.06.2009 - Ding Liren gewinnt Chinese Individual Chess Championship 2009 nach kampflosem Sieg in Schlussrunde +++ 44. Capablanca Memorial in Havanna u. a. mit Igor Khenkin und Georg Meier +++ Alexander Motylev schlägt Arkadij Naiditsch zur alleinigen Führung beim 10. Karpov Memorial in Poikovsky +++ Artur Jussupow gewinnt 2. FHCC-Rapid-Open in Pfäffikon und erhält doch kein Preisgeld
China - Mit seiner ELO von 2458 war Ding Liren nur die Nr. 11 von 12 in der Setzliste der Chinesischen Landesmeisterschaft, doch er schaffte das schier Unglaubliche und holte sich den Titel. Für dieses kleine, fernöstliche Wunder bedurfte es natürlich etwas Glück und viel Geschick, aber möglicherweise entscheidend war die Tatsache, dass Ding Liren in der Schlussrunde auf Rang zwei liegend einen kampflosen Punkt erhielt. Hintergrund ist die neue FIDE-Regel, dass man bei Partiebeginn am Brett zu sein hat. Das schaffte Ding Lirens Gegner Zhou Jianchou (2635) jedoch nicht und so verlor er die Partie. Selbiges war in der achten Runde schon der jungen Hou Yifan widerfahren, als diese lächerliche 5 Sekunden zu spät ans Brett eilte. Sehr zum Leidwesen des natürlich nicht völlig unverdienten Siegers, taucht nun sein Name zwar auf diversen Schachseiten auf, doch anstatt das starke Spiel des Chinesen zu würdigen, wird nun nur diskutiert, wie unfair und unsinnig diese Regel ist. Jetzt, da durch sie ein hochklassiges Turnier unwürdig entschieden wurde, wird man bei der FIDE (hoffentlich) zumindest an einer Verbesserung tüfteln. Doch wie so oft bei unserem Weltschachverband musste erst ein Kind in den Brunnen fallen.
Havanna (CUB) - Bereits zum 44. Mal findet in der kubanischen Hauptstadt Havanna das Capablanca Memorial zu Ehren des großen José Raúl Capablanca y Graupera (*1888; †1942) statt. Erstmals werden in diesem Jahr zwei GM-Turniere veranstaltet. In der Elite group spielen Titelverteidiger Leinier Domínguez (CUB/2721), Igor Khenkin (GER/2630), Artyom Timofeev (RUS/2667), Boris Savchenko (RUS/2655), Georg Meier (GER/2641) und Lázaro Bruzón (CUB/2617). Das Feld verspricht interessantes Schach, aber Tatsache ist, dass das Beste an der ersten Runde war, dass diese nicht lange dauerte. Scheinbar jenseits jeden guten Willens, gutes Schach zu spielen und zu zeigen, remisierten alle, was das Zeug hielt. Doch wer jetzt lauthals schimpfen will, sollte zumindest die Cleverness der Veranstalter bemerken. Zur ersten Runde paarte man nämlich kurzerhand die jeweiligen Landsleute, um so ein späteres "Schieben" zu verhindern. Klar, dass sich die Spieler auf ihre Weise revanchierten und besonders demonstrativ die Arbeit verweigerten. In der Premier group spielen Fidel Corrales (CUB/2574), Neuris Delgado (CUB/2572), Vladimir Potkin (RUS/2621), Yuniesky Quesada (CUB/2596), Emilio Córdova (PER/2543) und Holden Hernández (CUB/2573). Auch hier gibt es keine entschiedene Partie zu vermelden, wobei die Partie Corrales gegen Hernández aufgrund gesundheitlicher Probleme des Schwarzen verlegt wurde.
Pojkovsky (RUS) - Mit 5/6 bei zwei Remisen führt der Russe Alexander Motylev das 10. Karpov Memorial an. Heute schlug er Arkadij Naiditsch und schob sich so um einen halben Zähler an Vugar Gashimov vorbei, der gegen Ernesto Inarkiev nur ein Remis erreichte. Naiditschs zweite Niederlage wirft den Deutschen auf den fünften Rang zurück, aber bei drei ausstehenden Runden ist noch alles möglich. Weiterhin am Ende der Tabelle fristet Alexei Shirov sein Dasein. Auch heute gelang ihm nicht mehr als ein Remis gegen Sergei Rublevsky.
Pfäffikon (SUI) - Am Pfingstmontag fand in der Schweiz das 2. FHCC-Rapid-Open statt. Neben dem Turnier-Senior Viktor Korchnoi und weiteren 110 Teilnehmern war auch Chess Tiger Artur Jussupow mit am Start. Gespielt wurden sieben Runden - natürlich Schweizer System - mit der ungewöhnlichen Bedenkzeit von 7 Minuten plus 7 Sekunden pro Zug. Mit sechs Siegen bei nur einem Remis sicherte sich Jussupow den alleinigen Turniersieg und handelte sich damit ein großes Problem ein. Denn er erhielt keinen Siegerscheck sondern ein Profi-Rennrad im Wert von SFR 8.000. Soweit ich weiß, fährt Jussupow keinen Kleinwagen, dennoch hätte ich gerne gesehen, wie er den Drahtesel verstaut hat. Einige Quellen wollen erfahren haben, er plane nun bei der nächsten Tour de France die Pyrenäen bezwingen. Tja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott bekanntlich nicht zu sorgen.
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