Nachrichten Aktuelles Tagesschach 60/09 - Gelfand gewinnt World Rapid Cup der ACP
24.05.2009 - Boris Gelfand besiegt im Finale des 3. ACP World Rapid Cup Peter Svidler mit 3:1 +++ Schnellschachmatch David Navara vs. Vassily Ivanchuk in Prag vom 27. bis 31. Mai +++ X. Rhein-Main-Open vom 10. bis 14. Juni in Bad Homburg u. a. mit Thomas Luther, Evgeny Sveshnikov und Leonid Milov +++ 15. Crailsheimer Open vom 29. Mai bis 01. Juni u. a. mit Henrik Teske, Alexandre Danin und Lev Gutman
Odessa (UKR) - In einem sehr spannendem Finale um den 3. ACP World Rapid Cup hat sich Boris Gelfand gegen Peter Svidler nach den vier angesetzten Schnellpartien mit 3:1 durchgesetzt. Dass ihm dabei Caissa extrem hold war, wird der in Russland geborene Israeli sicherlich nicht bestreiten. In der vierten Partie überspielte ihn Peter Svidler beispielsweise aus der Eröffnung heraus und hatte den Ausgleich zum 2:2 schon fast in trockenen Tüchern, aber Gelfand zauberte in hochgradiger Zeitnot einen finalen Königsangriff aus dem Hut, welchem der St. Petersburger tatsächlich erlegen war. Im Eifer des Gefechts und bei dem Versuch, seinen Gegner irgendwie über die Uhr zu heben, übersah Svidler eine Mattwendung und musste sich geschlagen geben.
Prag (CZE) - Vom 27. bis 31. Mai hat der tschechische Großmeister David Navara den Weltklassespieler Vassily Ivanchuk zu sich nach Prag zu einem Schnellschachmatch mit dem offiziellen Titel "ČEZ Chess Trophy 2009" über acht Partien eingeladen. David Navara, der in der Schachbundesliga für den Verein TSV Bindlach-Aktionär spielt, hat bereits Erfahrung im Umgang mit Weltklassespielern sammeln dürfen, zählte er doch 2006 mit Weltranglistenplatz 13 und einer ELO von 2726 schon selbst zu den Besten des Globus. Doch trotz guter Ergebnisse gegen die Top 10 bereitet ihm nach wie vor das Schlagen von "schwächeren" Großmeistern arge Probleme, sodass er augenblicklich mit einer ELO von 2654 nur auf Platz 74 der FIDE-Weltrangliste liegt.
Nicht nur von seinen Kollegen wird der Tscheche besonders für sein unglaublich freundliches - fast schon unterwürfiges - Wesen geschätzt, was ihm mitunter - besonders von selbsternannten Experten - auch Spott einbringt. Das gipfelte anlässlich einer Video-Live-Übertragung zur Olympiade 2008 in Dresden darin, dass einige boshafte Menschen den jungen Mann aufgrund seiner ungewöhnlichen Art im gleichzeitigen Chat schwer beleidigten und sich Navara tatsächlich noch entschuldigte. Selbstredend reagierte man seitens des Servers umgehend mit der Sperre des Chats für diese Personen, aber auch Navara schlug unfreiwillig mit der Präsentation seiner Gewinnpartie zurück. Plötzlich zeigte sich das Genie des Logik-Studenten in seiner vollen Pracht, als er in einem Feuerwerk aus Varianten, Bewertungen und Ideen den verdutzten Kiebitzen eine Show bot, welche die mitlaufenden Schachprogramme überforderte, denn Navara war zu schnell! Selbst der erfahrene Interviewer staunte dankbar, denn er brauchte sich nur zurückzulehnen und das Spektakel selbst zu genießen. Dass es Navara schnell liebt, bewies er beispielsweise 2007 bei dem Schnellschachereignis schlechthin - der Chess Classic in Mainz -, als er das Prestige trächtige ORDIX Open mit 9,5/11 gewann. David Navara ist 24 Jahre alt, hochintelligent und unglaublich kreativ, wie auch seine Begeisterung für Chess960 beweist. In der Folge möchten wir Ihnen eine "kurze" Kostprobe aus der Feder des Meisters geben, welche wir für Sie aus dem Englischen übersetzt haben.
David Navara (2729) - Etienne Bacrot (2761)
Chess Classic Mainz 2007 - 6. FiNet Open (11)
(Navara,David)
SP 535
1.f4 f5 2.g3 g6 3.Sc3 Sc6
3...Lxc3 4.bxc3 ist vermutlich nicht gut.
4.0–0–0
4.e4 fxe4 5.Sxe4 e5 6.Sd3 d5
4...Sf6
Ich hatte 4...0–0–0 5.d4 d5 mit Ausgleich erwartet.
5.e4
5.d4 d5 und Schwarz hat noch immer die g-Rochade. Ich denke, dass die schwarzen Angriffschancen deutlich besser gewesen wären, doch es ist sehr schwer, sich in solchen Stellungen einen Angriff auf den König vorzustellen.
5...fxe4 6.Sxe4 Sxe4 7.Lxe4 e5 8.Sd3 exf4
8...d5 9.Lg2 und 9...e4? ist schlecht wegen 10.Lh3+.
9.Sxf4 0–0–0 10.c3
10.d4 g5!? 11.Se2 Lc4 ist unklar.
10...a5!? Das ist originell und wahrscheinlich auch stark.
10...d5 11.Lg2 d4?! sieht sehr verdächtig aus. 12.Lxc6 bxc6 13.Lxd4 Lxd4 14.cxd4 Txd4 15.b3
11.d4 Lc4 12.Tfe1 a4 13.d5 Sa5 14.Lc2
Hier sah ich noch immer nicht, dass auf Lxa4? mit Lb3! gekontert werden kann. 14.d6 c6 15.Lb6 Tde8 16.Lxg6 hxg6 17.Sxg6 gefiel mir nicht. 17...Lf6 (Fritz 960) (17...Da6) 18.Sxf8 Lg5+ und Schwarz steht besser.
14...g5
14...b5 15.Lc5 Txf4 16.gxf4 Lxd5 17.f5 Lg7 ist unklar.
15.Sg2
15.Sh3 h6 sieht nicht nach einer Verbesserung aus.
17.Lxh7 ist immer eine Option, aber Schwarz könnte irgendwann meinen König mit Dh6 belästigen. Richtig, dann wird der Ba4 schwach, aber nach beispielsweise 17.Lxa4? Lb3! 18.axb3 Sxb3+ 19.Lxb3 Dxa1+ 20.Kc2 Da6 21.d6 sieht die Stellung spaßig aus, doch Schwarz sollte nach 21...Te5! 22.Ta1 Ta5–+ mehr als nur gut stehen.
17...cxd6
17...c6 18.Lxh7!? (Ich zog tatsächlich wieder 18.Lxa4? in Erwägung...)
18.Lxa4?! Ich investierte eine Menge Zeit in diesen Zug und mein Gegner grübelte ebenfalls ordentlich. Mir blieben danach 3 gegen 2 Minuten. Das Damenopfer war eine Versuchung, der ich nicht widerstehen konnte, obwohl ich mir wegen der Korrektheit nicht sicher war.
18.Lxh7!? kam ebenfalls in Frage.
18...Le6?
18...Lb3 19.axb3 (19.Txd6 Dxd6 20.axb3 b5 sagte mir nicht zu - und ich lag völlig richtig: 21.b4 bxa4 (21...Sc4 22.Td1) 22.bxa5 a3!) 19...Sxb3+ 20.Lxb3 Dxa1+ 21.Kc2 Da8
a). 21...Da7 22.Ta1 (22.Sf5)
b). 21...Da5 22.Ta1 Dc5 (22...Txe3 23.Txa5) 23.Sd5 Tf2+ Das war mir entgangen. 24.Kd1 (24.Lxf2 Dxf2+ 25.Kd3 Df3+ =)
c) 21...Da6 22.Ta1 Db5 23.Lc4! (Freak 960) ;-) (23.Sd5?? Te2+ –+) 23...De5 24.Sd5 Df5+ 25.Kd2 b5 26.Ta8+ Kb7 27.Ta7+ Kb8 28.Ta5!!+- und Weiß gewinnt ebenfalls. 28...Txe1 (28...bxc4 29.Tb5+ Kc8 30.Txe8+ Txe8 31.Sb6+) 29.Txb5+ Kc8 30.Sb6+; 22.Ta1 Db8 23.Sd5 Txe1 24.Txe1 b5 25.Ta1! mit Kompensation.(25.Te7 Db7 26.Txh7) 18...Txe3 19.Lxe3 Lb3 20.Txd6; 18...b5 (Fritz 960) Die weiße Dame ist aus dem Spiel, was mir ernsthafte Probleme bereitet hätte.
19.Sxc4 (19.Lc2 Sb3+ 20.Lxb3 Lxb3 21.Sc2 Lxc2 22.Kxc2 b4!) 19...Sxc4 20.Lb3 Txe1 21.Txe1 b4! und Schwarz steht besser.
19.Db1
19.Lc2 Sb3+ 20.Lxb3 Lxb3 ist auch gut für Schwarz.
19...Sc4 20.Lb3 Sxe3
Besser ist 20...Se5 (Fritz 960).
21.Lxe3 Lf5 22.Lc2 Le6 23.Lxh7 Lxa2 24.Dd3 Irgendwie ist es mir gelungen, Vorteil zu erhalten.
24...Lb3
Ich sah 24...Lc4 nicht, aber glücklicherweise funktioniert es auch nicht. 25.Dxd6 Da1+ 26.Lb1 (26.Kc2 Da4+ 27.Kd2 sieht gefährlich aus. 27...Tf6) 26...Lxc3 27.Dc5+ (27.Dxd7+ Kb8 28.Lf4+ Ka7; 27.bxc3 Dxc3+ 28.Lc2 Da1+ 29.Kd2 Da5+ =) 27...Kb8 28.bxc3 Dxc3+ 29.Lc2 Da1+ 30.Kd2+- Wie auch immer, ich hätte das am Brett vermutlich nicht gefunden.
Ich konnte nach 63...Ke8 auch in der Analyse keinen Gewinn finden. Natürlich kenne ich die Philidor-Stellung, aber hier ist es irgendwie anders, wie schließlich Fritz 960 zeigt. Weiß gewinnt nach 64.Ld6 (64.Tc7 Kd8!) 64...Td8 65.Le7 Tb8 66.Tc7 Tb6+ (66...Ta8 67.Tb7 Tc8 68.Ld6+-) 67.Ld6 Kd8 68.Tc1 Ta6 (68...Tb7 69.Th1) 69.Tf1 Kc8 70.Tb1 Ta8 71.Ke7 Ta7+ 72.Ke8 Ta8 (72...Te7+ 73.Lxe7) 73.Le5+- durch Zugzwang. Nein, Schwarz kann hier wirklich nicht rochieren! ;-)
Bad Homburg - Vom 10. bis 14. Juni findet das XII. Rhein-Main-Open in der Kurstadt Bad Homburg statt. Turnierchef Jürgen Roser ist ein erfahrener Organisator diverser Schachveranstaltungen im Bad Homburger Kurhaus, weshalb sowohl ein angenehmes Ambiente als auch ein reibungsloser Ablauf schon vorweg garantiert sind. Gespielt werden 7 Runden Schweizer System mit ELO-/DWZ-Auswertung und einer stattlichen Anzahl an Preisen. Das Besondere am Preissystem: Selbst, wenn das Turnier für Sie absolut nicht so laufen will, wie Sie es bräuchten, um in die Preisränge zu kommen, könnten Sie am Ende dennoch lächelnd den Landgraf-Friedrich-Saal verlassen, denn es gibt Lucky Wins! Wer auch immer auf Platz 44, 66 oder 88 landet, erhält einen schönen Sachpreis. Namenhafte Meisterspieler haben übrigens auch schon gemeldet, allen voran beispielsweise der dreifache Deutsche Meister Thomas Luther sowie Evgeny Sveshnikov und Leonid Milov, um die drei Ratingbesten zu nennen. Alle weiteren Informationen finden sich auf der Homepage des X. Rhein-Main-Open.
Crailsheim - Auch schon zum 15. Mal findet das Crailsheimer Open statt. Vom 29. Mai bis 01. Juni ist die Große Kreisstadt im Nord-Osten von Baden-Württemberg wieder Veranstaltungsort des traditionellen Events. In drei Open (A, B und C) wird um DWZ- und ELO-Punkte gerungen, und die ersten Meisterspieler haben auch schon gemeldet. Gespielt werden jeweils 7 Runden Schweizer System mit einer Bedenkzeit von 2 Stunden für 40 Züge und 30 Minuten für den Rest der Partie. Das Startgeld für das A-Turnier beläuft sich für Erwachsene auf €50,-, Jugendliche, Auszubildende und Studenten zahlen €30,-. Das B- und C-Turnier sind €5,- günstiger. Wer sich erst am 29. Mai anmeldet muss einen Zuschlag von €5,- hinnehmen. Im A-Turnier (ab DWZ 1600) gibt es dafür für den Ersten glatte €1.000,-, im B-Turnier (DWZ 1400 - 1800) €500,- und im C-Turnier (DWZ <1600) immerhin noch €150,-. Alle weiteren Informationen erhalten Sie über die offizielle Turnierseite.
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