Nachrichten Aktuelles Tagesschach 47/09 - Gelfand zum Ersten, Eljanov zum Zweiten in Nalchik Doch an Aronian kommt noch keiner heran
23.04.2009 - Pavel Eljanov feiert seinen zweiten und Boris Gelfand seinen ersten Sieg beim 4. FIDE Grand Prix / Levon Aronian hält Spitzenposition / Sergey Karjakin bestätigt Auswanderungsgedanken und nennt Gründe +++ Der Organisator des Int. Neckar-Open in Deizisau, Sven Noppes, verrät im Interview den Erfolg seines Turniers +++ 20. Erlensee Open für Schüler und Jugendliche am 21. Juni 2009 mit zahlreichen Pokalen, Preisen und Urkunden
Nalchik (RUS) - Pavel Eljanov ist natürlich kein Neuling in der Weltklasse, aber angesichts der steigenden Anzahl an 2700ern ist er noch nicht so in den Vordergrund getreten, dass ihm die breite Masse an Schachfans Großes zutraut. Zudem hatte der Ukrainer beim 4. FIDE Grand Prix keinen glücklichen Start, doch nach den beiden letzten Runden dürfte er wieder ein paar Beobachter mehr gewonnen haben. Sowohl gestern gegen Boris Gelfand als auch heute gegen Gata Kamsky spielte er die schwarzen Steine und gewann jeweils souverän. Gelfand zeigte sich von der Niederlage gut erholt und schlug Rustam Kasimdzhanov. Alle anderen Begegnungen der achten Runde endeten ohne einen Sieger, sodass sich an der Tabellenspitze nichts änderte. Levon Aronian zieht weiter seine Kreise auf Platz 1 gefolgt von einer fünfköpfigen Verfolgergruppe. Unumstrittener Remiskönig mit acht Unentschieden aus acht Partien ist übrigens Etienne Bacrot gefolgt von Peter Leko und Evgeny Alekseev mit jeweils sieben halben Punkten.
Auf der Veranstalterseite findet man neben allen gängigen Infos auch zahlreiche Videos vom Spielberg der Schachszene, Peter Doggers (chessvibes.com). Unter anderem ein Interview mit Sergey Karjakin, in welchem dieser bestätigt, dass er plant, nach Moskau zu ziehen und der Ukraine den Rücken zu kehren. Er fühle sich von seinem derzeitigen Verband kaum untersützt, zudem wolle er gerne mit dem einstigen Kasparov-Trainer Jurij Dochojan zusammenarbeiten, was diesem aber durch Verträge über die Grenzen Russlands hinaus nicht gestattet sei. Seine Noch-Landsmänner Vassily Ivanchuk und Pavel Eljanov sehen das ziemlich gelassen, wenn sie es denn überhaupt interessiert. Sonderlich geknickt angesichts des Abgangs einer ihrer besten Spieler sind sie jedenfalls nicht, was an sich schon Bände über die gegenwärtige Situation des ukrainischen Schachs spricht.
Die Tabelle läßt sich per Klick auf selbige vergrößern!
Deizisau - Kürzlich führte er zum 13. Mal sein Neckar-Open zu neuen Rekorden und heute steht uns Sven Noppes (33) in einem kurzen Interview zu seinem Turnier und dessen und seiner eigenen Zukunft Rede und Antwort. Wer darüber hinaus mehr über den umtriebigen und scheinbar nimmermüden Schwaben erfahren möchte, kann dies im Aktuelles Tagesschach 34/09 im Beitrag zu seinem 33. Geburtstag tun.
Chess Tigers: Das 13. Int. Neckar-Open hat mit insgesamt 710 Teilnehmern und 78 Titelträgern erneut Rekorde aufgestellt. Wie erklärst Du Dir das? Ist das nicht Balsam auf der Veranstalter-Seele?
Sven Noppes: Natürlich tut es uns gut, wenn wir mit unserem Turnier so guten Zuspruch finden. Einzelne Gründe zu benennen, ist gar nicht so einfach. Ich glaube wir haben für die Teilnehmer ein stimmendes und gutes Gesamtprodukt aus vielen Bausteinen. An der einen oder anderen Schraube können wir uns dabei noch verbessern und an vielen Stellen sind wir eben schon richtig gut. Im Ergebnis fühlen sich die Teilnehmer bei uns wohl und kommen in immer größerer Zahl.
CT: Ein Schnitt von 2600 Elopunkten der zehn besten Spieler ist für ein Open eine stolze Marke. Musstest Du lange nach diesem Feld suchen, oder haben Dir die Meister gar die Bude eingerannt?
SN: Wir haben von unserer Seite aus nur einen einzigen Spieler aktiv angesprochen. Alle anderen haben bei uns angefragt bzw. haben sich angemeldet.
CT: Du konntest sogar Arkadij Naiditsch an den Neckar locken. Wie war es für Dich, als die aktuelle Nr. 1 Deutschlands bei Dir anfragte? Als Teamchef des deutschen Mannschaftsmeisters OSG Baden-Baden kennst Du ihn natürlich sehr gut. Dennoch schien es, als habe selbst Dich seine Teilnahme überrascht.
SN: Ja, natürlich war es eine große Überraschung, als mich Arkadij kurz vor dem Turnier angerufen hat. Beim vorletzten Bundesligawochenende hatten wir bei einem gemeinsamen Abendessen mit der Mannschaft im Spaß kurz darüber gesprochen. Er meinte aber, dass dies kein Thema für ihn sei und ich hatte dafür natürlich auch Verständnis. Immerhin ist er der erste deutsche Spieler mit einer ELO von 2700. Diese hohe Zahl gleich bei einem Open ein paar Tage nach erreichen dieser Schallmauer zu riskieren, dazu gehört schon eine große Portion Selbstvertrauen. Ich bin froh, dass er sich bei uns seinen Fans und den Medien gestellt hat und er für seinen Mut mit dem geteilten Turniersieg belohnt wurde. Ich ziehe meinen Hut vor ihm!
CT: Was ist das Schwierigste daran, so ein Mammut-Event zu stemmen? Oder ist das für Dich und Dein Team bereits Routine? War es in den aktuell schweren wirtschaftlichen Zeiten kein Problem, die Sponsoren zu halten?
SN: Das Schwierigste ist sicher, ein Team zu formen, dass diesen Weg mitgeht. Die Mannschaft der Schachfreunde Deizisau arbeitet komplett ehrenamtlich, keiner bekommt ein Honorar o.ä. Im Gegenteil, in den Verlustjahren haben zwei Vorstandsmitglieder zusammen mit mir die Verluste getragen und viele Mitglieder rechnen ihre Kosten im Zusammenhang des Turniers nicht ab. Ein Beispiel sind hier z.B. die Aufwendungen für den Fahrdienst der Spieler zwischen Hotel und Spielsaal. Die Teammitglieder kennen die Zahlen und wissen, dass wir mit diesem Turnier keine großen Gewinne machen können. Wir bewegen uns in den letzten Jahren praktisch immer bei einer Null. Mal hat die Null eine rote mal eine schwarze Farbe. Das ist auch okay so. Wir müssen mit dem Turnier kein Geld verdienen, das ist nicht unsere Motivation. Viel mehr macht es uns stolz, dass wir Jahr für Jahr in einem Dorf wie Deizisau eine solche Veranstaltung auf die Beine stellen können.
Das Sponsorenbudget ist relativ klein. Bisher ist es uns nicht gelungen, einen oder mehrere Sponsoren zu finden, die einen Betrag von 5 TEUR oder mehr in das Turnier investieren.
CT: Wann wird das 14. Int. Neckar-Open stattfinden? Planst Du Veränderungen? Vielleicht ein Rundenturnier mit mehr 2700ern … ? Immerhin kennst Du sehr viele von diesen Top-GM mittlerweile persönlich.
SN: Das 14. Int. Neckar-Open wird, wie jedes Jahr, von Gründonnerstag bis Ostermontag stattfinden. Im nächsten Jahr bedeutet dies 01. bis 05. April 2010. Große Veränderungen sind nicht geplant.
Ein Rundenturnier mit mehreren 2700ern zu organisieren, wäre eine schöne Aufgabe und würde ich mir, was die Durchführung betrifft, zusammen mit einigen Freunden durchaus zutrauen. Das finanzielle Umfeld dafür zu schaffen, gelingt mir allerdings wohl nicht und ist in Deizisau zumindest z. Zt. sicher nicht möglich.
CT: Du bist jüngst 33 geworden, leitest u. a. das beste Team der Schachbundesliga, veranstaltest mit dem Neckar-Open und dem Herbst Open gleich zwei Turniere selbst, und bei den Chess Tigers und der jährlichen Chess Classic Mainz übernimmst Du ebenfalls tragende Positionen. Dazu stehst Du voll im Berufsleben. Da kommen unwillkürlich Fragen auf. Wann schläfst Du? Wo bzw. wann macht Sven Noppes Urlaub, und was hat er in Sachen Schach noch so vor?
SN: Ich bin ganz gut organisiert und bei allen genannten Aufgaben handelt es sich ja jeweils nicht um eine One-Man-Show sondern um Erfolge von ganzen Teams. Ich leiste dazu meinen Beitrag, bei dem einen Projekt einen etwas größeren und bei manch anderem auch einen etwas kleineren. Wenn es uns gelingt, das Int. Neckar-Open und die Chess Classic Mainz stetig weiterzuentwickeln und mit der OSG Baden-Baden in den nächsten Jahren mal den Europapokal nach Deutschland zu holen, ist schon viel gewonnen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Mike Rosa
Erlensee - Am 21. Juni 2009 lädt der Schachverein Erlensee eV bereits zum 20. Mal alle Kinder und Jugendliche zum Erlensee Open ein. In den Alterklassen U20, U16 und U14 werden sieben Runden Schnellschach mit einer Bedenkzeit von 25 Minuten gespielt. Die jüngeren Klassen U12, U10 und U8 spielen neun Runden und haben 15 Minuten auf der Uhr. Eine Teilnahmegarantie und einen Verzehrgutschein i. H. v. € 3,- gibt der Veranstalter all denen, die sich durch das Überweisen der € 8,- Startgeld bis zum 05.06.2009 vorab anmelden. Es winken traditionell eine Vielzahl von Pokalen, zudem erhält jeder Spieler eine Urkunde und einen Sachpreis. Alle weiteren Informationen erhalten Sie durch die offizielle Ausschreibung oder die Homepage des Schachverein Erlensee eV.
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