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13. Int. Neckar-Open, Runde 2 - Favoriten lassen erste Federn
Aber es hätte noch viel schlimmer kommen können!
10.04.2009 - Die ersten Runden in einem Open-Turnier sind für die Elo-Favoriten traditionell eine große Gefahr, denn die Gegner haben absolut nichts zu verlieren und sind daher oft bereit, ein hohes Risiko einzugehen. Die heutige zweite Runde beim 13. Int. Neckar-Open in Deizisau lieferte den eindeutigen Beweis, dass ein starker Amateur einem Spieler der erweiterten Weltklasse durchaus Probleme bereiten kann. Zwar schafften es die Meister an den ersten acht Brettern mit zum Teil unglaublichem Glück, keine Partie zu verlieren, aber vier Remisen sind auch nicht zu verachten.

13. Int. Neckar-Open
Bisherige Partien der Top-Bretter (PGN)


Den Anfang machte der bekannte Schachjournalist FM Hartmut Metz (2277) gegen keinen Geringeren als die Nr. 1 der Setzliste, Arkadij Naiditsch (2700). Aus der Eröffnung heraus konnte Metz den mit Schwarz spielenden Naiditsch unter Druck setzen, wobei sich dieser schon wird fragen lassen müssen, warum er ausgerechnet die Zugfolge 1.e4 c5 2.Sf3 Sf6?!? wählte und seinen Gegner förmlich zu 3. e5 einlud. Fortan spielte nur der Weiße und bei dem Versuch des Großmeisters, das Geschehen irgendwie so kompliziert zu machen, auf das der Fide-Meister sich nicht mehr auskenne, geriet er jedoch in eine klare Verluststellung:

Hartmut Metz - Arkadij Naiditsch
13. Int. Neckar-Open (2)

Weiß am Zug


Statt dem von Weiß gespielten 21.De6?! wäre beispielsweise 21.Td3 oder auch f4 nebst Schlagen auf h5 geeignet gewesen, die Stellung weiter zu verbessern. Aber auch das lapidare Nehmen auf f7 ist gewinnträchtig. So allerdings rettete sich Naiditsch mit 21...Se5 22.Txe5 dxe5 23.Dxe5+ Tg7 24.Lh6 Dg6 in ein Endspiel mit Minusbauer, in welchem er im weiteren Verlauf das Remis recht sicher erreichte. Doch wenn Sie nun denken: "Da hat der Naiditsch aber Glück gehabt!", dann sollten Sie sich lieber noch das folgende Beispiel anschauen. Alexander Graf (2610) spielte gegen den titellosen Emanuel Schiendorfer (2274) vom SC Bellheim, doch zu keiner Zeit der Partie war ein Unterschied von über 300 Elopunkten auszumachen. Nach einigen Irrungen und Wirrungen landete man letztlich bei beiderseitig knapper Bedenkzeit in der folgenden Stellung:

Alexander Graf - Emanuel Schiendorfer
13. Int. Neckar-Open (2)

Stellung nach 58.Kd5-e4


In der Hoffnung, seinen schwächeren Gegner trotz des eigenen luftigen Königs, doch noch besiegen zu können, hatte Graf alle Vorsicht über Bord geworfen. Doch zu seinem beinahe schon unglaublichen Glück machte sein Gegner zwar fast alles richtig, doch ans Gewinnen dachte dieser zu seinem eigenen Leidwesen nicht (mehr). Anstatt in der Diagrammstellung und auch schon vorher nach dem Knockout Ausschau zu halten, versuchte Schiendorfer nur, irgendwie das Remis zu erzwingen. Dabei ist es jetzt wirklich ganz einfach. Wenn man schon den Damengewinn bzw. das baldige Matt nach 59.Dd4+ Kf5 60.Tf8+ Kg6 61.Tf6+ nicht findet, könnte man wenigstens die Idee, mit der man zuvor so schönen Druck ausgeübt hat, nun auch zum Sieg nutzen. Nach 59.De1+ Kd5 60.Da1! droht sowohl das Matt auf d4 als auch der Verlust des Springers. Beides lässt sich nicht verhindern, und so sollte Schwarz gewinnen. Doch, wie gesagt, Schwarz war nur noch aufs Remis aus und so schaukelte er sich und seinen Gegner mit De1-d1 sanft in die Punktteilung.

Dennoch, wenn der erste Ärger über die vergebenen Chancen verraucht ist, werden sich sowohl Hartmut Metz als auch Emanuel Schiendorfer ganz sicher auch über den halben Punkt freuen. Immerhin hat man schon jetzt für einige Zeit eine schöne Episode aus Deizisau sicher, mit der man die Kollegen im Verein immer mal wieder erfreuen kann. Doch wehe dem, der es wagen sollte, anzumerken, dass da wohl auch ein Sieg möglich gewesen wäre!

Die beiden anderen Helden der acht Spitzenbretter brauchen sich Derlei zu ihren Partien nicht anzuhören. Der Solinger FM Oliver Kniest (2270) und der Italiener Patrick Scharrer (2269) konnten ihre Duelle gegen Vadim Malakhatko (2618) beziehungsweise Zoltan Gyimesi (2581) immer im ausgeglichenen Rahmen halten und sich verdiente Remisen sichern. Alle weiteren Ergebnisse nebst der Auslosung für die nächste Runde und auch Bilder vom Event finden Sie auf der offiziellen Turnierseite.

13. Int. Neckar-Open

Bisherige Partien der Top-Bretter (PGN)

Chess Tigers

Published by Mike Rosa

Dieser Artikel wurde 2006 Mal aufgerufen.


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