Nachrichten 62. Hessischer Schachkongress in Idstein abgebrochen
07.04.2009 - Der Hessische Schachverband (HSV) geht schweren Zeiten entgegen. Der 62.
Hessische Schachkongress, die Delegiertenversammlung der Vereins- und
Verbandsvertreter, in Idstein wurde am Sonntag ergebnislos abgebrochen. Mit
349 Delegierten- und Vorstandsstimmen war zuvor eine Rekordbeteiligung
registriert worden. Doch das in der Satzung des Schachverbandes vorgesehene Element, demzufolge nicht anwesende Vereine ihr Stimmrecht delegieren können, war schließlich
Auslöser des in der jüngeren Vergangenheit einmaligen Vorgangs, einen
Schachkongress abzubrechen.
Der Vorsitzende Harald Balló folgte dabei einer
Empfehlung anwesender Juristen, die bei Prüfung der Stimm-rechtsübertragungen
gravierende Unregelmäßigkeiten feststellten. Sämtliche Wahlen und Beschlüsse
hätten so unter dem Vorbehalt späterer Anfechtungsklagen gestanden. So
beendete Harald Balló den Schachkongress nach seinem Rechenschaftsbericht
ohne weitere Redebeiträge. In seinem Vortrag hatte der Offenbacher zuvor im
Detail die Probleme mit dem ehemaligen Webmaster und DWZ-Referenten
Hans-Dieter Post aus seiner Sicht beschrieben und war auch auf die Folgen
dieses Konfliktes für den gesamten Landesvorstand näher eingegangen.
Eine Aussprache zu inhaltlichen Fragen der Turnierordnung, die in Anträgen
thematisiert waren, fand ebensowenig statt, wie eine Vorstellung von Ballós
Gegenkandidaten Jürgen Roser, Vorsitzender des Schachbezirks Frankfurt, der
sich in zahlreichen Funktionen um ein alternatives Vorstandsteam bemüht
hatte. Neben dem Umstand, dass die Personalfragen bis zu einem
außerordentlichen Kongress im Sommer ungeklärt bleiben, entsteht nun die
Schwierigkeit, dass die neue Saison nach den Maßgaben der Turnierordnung
verbindlich ausgeschrieben muss und sich nunmehr der Vorstand aus
Zeitgründen selbst mit den Fragestellungen beschäftigen muss, die den
Delegierten des Kongresses eigentlich in Form von Anträgen zur Entscheidung
vorlagen.
Dass der HSV beschädigt aus dem gescheiterten Kongress in Idstein
hervorgeht, steht außer Frage. Die ohnehin schwache Stellung des hessischen
Verbandes innerhalb des Deutschen Schachbundes erodiert weiter. (Autor: Holger Bergmann, Darmstadt)
Jürgen Kehr, 1. Vorsitzender Schachbezirk 1 – Nordhessen:
Liebe Schachfreunde,
ich möchte auf diesem Wege kurz Stellung nehmen zu den Beiträgen des selbsternannten Experten für Konfliktmanagement Sfr. Willems im Forum des SK Gießen. Befremdlich an diesen Aussagen, wenn sie denn von einem Experten kommen, ist für mich insbesondere, dass diese Aussagen getroffen werden offensichtlich ohne genauere Hintergründe zu einzelnen Dingen zu kennen.
Deshalb hier einige Details:
Am 28.3. habe ich an die Vereinsvorsitzenden und dem Vorstand des Bezirks 1 zur Kenntnis eine Nachricht mit u.a. folgendem Inhalt übersandt:
Zitat: Als 1. Vorsitzender des Bezirks sehe ich es unter anderen auch als meine Aufgabe an, mir die notwendigen Informationen zu verschaffen, um hier zu einer Einschätzung der Situation und Empfehlung für die Vereine des Bezirks zu kommen. So habe ich in den letzten Wochen teilweise sehr ausgedehnte und konstruktive Gespräche mit den zur Wahl stehenden Kandidaten und anderen Verantwortlichen führen können. Diese Gespräche haben mich zu dem Schluss kommen lassen, dass ich die Vereine des Bezirks bitten möchte, den Kandidaten zum HSV Präsidenten Jürgen Roser, den amtierenden Vorsitzenden des Schachbezirks 5, bei seiner Kandidatur zu unterstützen und ihre Stimme für ihn abzugeben.
Für diejenigen Vereinen, die auf dem Kongress nicht anwesend sein können, aber dieses Vorgehen unterstützen möchten, habe ich eine entsprechende Vollmacht beigefügt, die ich bitte möglichst rasch an mich, vorzugsweise per Fax oder eingescanntem E-Mail Anhang, ausgefüllt zurück zu senden. Zitat Ende
Aus dem Wortlaut insbesondere des zweiten Absatzes ergibt sich m.E. zweifelsfrei, dass wer mir eine Vollmacht übersendet, auch möchte, dass der Empfänger der Vollmacht seine Stimme auf dem Kongress entsprechend abgibt. Weiterhin drückt die Übersendung der Vollmacht ja auch den Wunsch aus, dass die Stimme des Vereins überhaupt auf dem Kongress Gehör findet.
Noch am Donnerstag den 2.4. hat Steffi Lind mir gegenüber erklärt, dass sie sich mit ihrer Wahlentscheidung auf dem Kongress im Vorfeld nicht festlegen kann und möchte. Diese Äußerung schloss nach dem zuvor Gesagten eine Weitergabe von Vollmachten an sie aus. Eine Weitergabe hätte aus meiner Sicht einen Vertrauensbruch gegenüber den die Vollmachten erteilenden Vereinen bedeutet. Von den übrigen Vorstands- und Vereinsvertretern lag mir leider im Vorfeld keine Äußerung vor, wie sie sich bei der Wahl zu verhalten gedenken.
Meine Aufgabe bestand nun darin entsprechend Stimmberechtigte zu finden, welche einerseits das oben genannte Vorgehen bereit sind zu unterstützen, andererseits in ausreichender Anzahl zu Verfügung stehen um allen Vereinen des Bezirks, die eine Vollmacht erteilt haben Gehör zu verschaffen. Die Erfüllung dieser Aufgabe war nur möglich unter Zuhilfenahme von Vertretern aus anderen Bezirken.
Mein Fehler bestand nun darin, dass ich ohne zusätzlich die explizite Vergabe von Untervollmachten auf den Formularen zu erwähnen, ich die vorhandenen Formulare der Vorjahre verwendet habe, die ja eben neben vielen anderen Formularen auch zu den Beanstandungen auf dem Kongress geführt haben. Letzteres wird dazu führen müssen, dass wir auch im Bezirk 1 die Vergabe von Vollmachten neu regeln müssen, d.h. diese zukünftig einzelnen Personen und nicht mehr, wie bisher allgemein dem Vorstand oder Vereinen zugeordnet werden müssen. Dabei ist besonders zu beachten, dass ein Verzicht auf die Möglichkeit der Vergabe von Untervollmachten an Stimmberechtigte auch aus anderen Bezirken eine Schwächung des Bezirks darstellt, da dies z.B. auf diesem Kongress dazu geführt hätte, dass Vollmachten "unter den Tisch" gefallen wären, da mehr Vollmachten vorlagen, als empfangsberechtigte Vereinsvertreter aus dem Bezirk 1 überhaupt anwesend waren. Die HSV Satzung legt aber nicht fest, dass eine Stimmrechtsvergabe nur an Stimmberechtigte des eigenen Bezirks möglich ist.
Erwähnenswert ist aus meiner Sicht noch folgender Sachverhalt: Warum erfolgte die Prüfung und ggf. Ablehnung dieser angeblich so offensichtlich unregelmäßigen Vollmachten nicht schon bei der Registrierung durch Sfr. Filmann? Warum wurden ausgerechnet auf diesem Kongress damit begonnen per E-Mail erteilte Vollmachten abzulehnen, obwohl diese nach der eigenen Aussage von Sfr. Filmann in den Vorjahren akzeptiert wurden, und dies ohne entsprechende Vorankündigung?
Wer missbraucht hier eigentlich seine Rechte im Bezug auf die Form und den Inhalt von über das Internet verbreiteten Informationen? Diese Frage stellt sich mir auch, wenn ich die offizielle Verlautbarung zum Abbruch des Kongresses auf der Seite des HSV lese.
Hans-Dieter Post
Auf der vom 2. Vizepräsidenten Andreas Filmann geführten offiziellen Homepage des HSV steht zu den skandalösen Ereignissen beinahe schon dreist lapidar zu lesen:
"Aufgrund von Unregelmäßigkeiten bei Stimm-rechtsübertragungen der Bezirke 1 (Bezirksvorsitzender: Jürgen Kehr) und 5 (Bezirksvorsitzender: Jürgen Roser) mußte der Präsident des Hessischen Schachverbandes (Harald Balló) den Kongreß auf Anraten mehrerer Juristen gegen 13.30 Uhr abbrechen. Ein neuer Termin zur Abhaltung einer neuen Jahreshauptversammlung ist für Anfang Juli vorgesehen."
Etwas ausführlicher und deutlicher wird da schon unser Hans-Dieter Post in seiner jüngsten Ausgabe des Schach in Hessen-Newsletters: Newsletter Nr. 09/12 (PDF)
Der Kongress platzt – Bananenrepublik oder Rechtsstaat?
Chess Tigers Kommentar: "Wir sind hier nicht in einer Bananenrepublik, sondern leben in einem Rechtsstaat!“, wiederholte der amtierende Präsident Harald E. Balló immer wieder in seiner vorgezogenen Wahlkampfrede, die als Rechenschafts- und Tätigkeitsbericht des Vorstandes platziert wurde. Erst im Laufe dieser Rede, die sich aus circa vier Minuten mit einer faktenlosen Aneinanderreihung von Reisen und circa dreißig Minuten mit der Rüge des Vorstandsmitgliedes Hans-Dieter Post auseinandersetzte, wurde mir klar, was hier völlig falsch läuft.
Der amtierende hessische Schachpräsident inklusive seiner loyalen Gefolgsleute und Wahlhelfer hatte sich selbst zum Veranstaltungsleiter, Wahlleiter und Themengestalter ernannt, ohne die verabschiedete Tagesordnung zu beachten. Wenn der Prozess der Stimmrechtübertragung inklusive der Prüfung der Richtigkeit in Inhalt und Form durch die dafür vorgesehenen amtierenden Vorstandsmitglieder nach einer Stunde Verspätung gründlich festgestellt wurde, dann einfach per „Zwischenruf/Wortmeldung“ einer Kongressteilnehmerin zum Tagespunkt „Bericht des Vorstandes“ ausgehebelt werden kann, so kommen einem Bedenken und die Frage auf: „Wo ist eigentlich die Banane beheimatet?“
"Team Balló"
"Team Roser"
Wenn der amtierende Präsident dann zum Strohhalm greift und eine „zufällig“ anwesende Expertenkommission von Juristen zusammenstellen lässt, um die seit Jahren geübte und angewandte Praxis beim Handling der Stimmrechtsübertragung überprüfen zu lassen, mit der er übrigens vor sechs Jahren ins Amt und vor zwei und vier Jahren wiedergewählt wurde, muss doch der neugierige und erfahrene Kongressteilnehmer von einem beeinflussten Ablauf des höchsten Organs der Hessischen Schachspieler ausgehen.
Natürlich war die erste Abstimmung über die Veränderung im Ablauf der Tagesordnung dazu ein Fingerzeig. Der nachher in der Rede vom Präsidenten gescholtene H.-D. Post, zum „Team“ des Gegenkandidaten Jürgen Roser gehörend, hatte es geschafft, mit Argumenten gegen den vehement dagegen opponierenden Amtsinhaber Balló per Mehrheitsvotum die Versammlung zu überzeugen, dass die gravierenden Anträge besser vom neu gewählten Vorstand durchzuführen seien, als dem neuen Vorstand noch ein bis zwei Kuckuckseier ins Osternest zu legen. Diese Abstimmung empfanden viele Kongressteilnehmer, wie sie mir später berichteten, als „Testwahl“ für die anstehende Neuwahl des hessischen Präsidenten. Diese erste Wahl lief schon so chaotisch ab, dass einem einfachen und nicht beteiligten Beobachter das Kopfschütteln deutlich anzusehen war: Wahlleiter Balló und seine vier emsigen Wahlhelfer konnten tatsächlich nach „Babylonischer Methode“ ein Ergebnis feststellen – doch wo ist eigentlich diese verdammte Banane?
Gott sei dank war der Bürgermeister der Stadt Idstein nicht mehr anwesend und musste diesem Schauspiel somit auch nicht beiwohnen, und dem Herrn sei nochmals gedankt, dass auch kein Förderer oder Sponsor zugegen war, der bei dieser Aufführung den Glauben an die Logik, Organisationskunst und das Management der hochgeschätzten Schachspieler und deren Funktionäre verlieren würden. Die Juristen tagten, und nach einer Stunde war die „Maus“ geboren: „Dieser Kongress kann keine unanfechtbaren Beschlüsse fassen.“ Abbruch des hessischen Kongresses durch den Präsidenten Balló wegen maximaler Paralyse und Neuansetzung in der Ferienzeit Anfang/Mitte Juli. Eine geforderte Gegenrede des „angeklagten“ Hans-Dieter Post wurde einfach nicht zugelassen! Die Amtsgeschäfte des alten Vorstands laufen also weiter wie gehabt. Im nacholympischen Schachjahr scheint der Einfluss der Hessen im Deutschen Schachbund weiter zu sinken. Muss das bei über 7.000 Mitgliedern des HSV nicht wie eine Aufgabe wirken? Und wo ist jetzt dieser Affe mit der Banane hin?
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