Nachrichten Aktuelles Tagesschach 25/09 - Volokitin spitze bei EM Garry Kasparov prophezeit baldiges Ende der Ära Anand
12.03.2009 - FIDE verschiebt das WM-Match Anand - Topalov auf 2010 +++ Garry Kasparov sagt bei Indien-Besuch voraus, dass Weltmeister Viswanathan Anand nicht mehr lange führend sein wird in der Welt / Wir übersetzen für Sie exklusiv! +++ Andrei Volokitin mit 6/7 in Führung bei der 10. Europäischen Einzelmeisterschaft in Budva +++ Remis am Spitzenbrett stockt Spitzengruppe bei der 10. Europäischen Einzelmeisterschaft der Frauen in St. Petersburg auf / Elisabeth Pähtz nach Sieg wieder mit dabei +++ Hou Yifan vor Humpy Koneru und Zhao Xue nach fünf Runden beim İş Bank Atatürk Women Masters Tournament 2009
Man könnte sich zwar schon fragen, wie etwas verschoben werden kann, was bis jetzt ohnehin nicht offiziell angesetzt war, doch sei's drum, die FIDE gibt bekannt, dass die für September angedachte Weltmeisterschaft zwischen dem Titelhalter Viswanathan Anand und Herausforderer Veselin Topalov nunmehr auf 2010 verlegt wird. Genauer gesagt, das Match soll bis zum 20. April 2010 gespielt worden sein. Angesichts der Tatsache, dass bereits das Challenger zwischen Topalov und Kamsky später stattfinden musste, überrascht auch diese neuerliche Terminänderung nicht. Zumal es bis dato offenbar sowohl an Sponsoren als auch der passenden Location mangelt.
In verschiedenen Foren und Blogs kann man die Meinung einiger verkappter Szenekenner lesen, die besagen, Vishy Anand habe Angst vor Topalov und würde sich so lediglich den Titel etwas länger sichern wollen. Diese "Experten" laden wir besonders herzlich zur kommenden Chess Classic vom 27. Juli bis 02. August diesen Jahres ein, in Mainz vorbeizuschauen und sich selbst hautnah ein Bild vom Inder zu machen! Denn, wer bis jetzt noch immer nicht verstanden hat, dass Anand jegliche unfairen, unsportlichen und dem Weltschach schadenden Gedanken abgehen, der hat diesen Mann offenkundig noch nicht live erlebt. Der Weltmeister weiß um die sehr angenehmen Privilegien, die der Titel mit sich bringt, aber die automatischen Pflichten kennt er mindestens genauso gut. Ferner kann man sich nur schwerlich vorstellen, dass Veselin Topalov die verlängerte Vorbereitungszeit nicht ebenso begrüsst. Das Ergebnis gegen Kamsky in Sofia sieht deutlicher aus, als es der Fall war, und es weiß keiner besser als der Bulgare selbst, dass Vishy ein anderes Kaliber ist als der Amerikaner. Zur Erinnerung: Von insgesamt 83 Begegnungen zwischen den beiden Stars gewann Anand 22 und Topalov 14. Fragt sich also, wer da wen mehr fürchtet ...
Indien - Erinnern Sie sich noch an den einstigen Weltklassespieler Garry Kasparov(geborener Garry Kimovich Weinstein)? 2005 vom Schach zurückgetreten sucht der mehrfache Weltmeister heute seine Herausforderung im erbitterten Kampf gegen die russische Regierung und im Besonderen Vladimir Putin, und so kennt er die heimatlichen Arrestzellen mittlerweile besser als den Schachzirkus. Wie dem auch sei, Kasparov war schon immer ein Mann starker Worte und so gab er kürzlich in Indien ein Interview, welches auf India Today zu lesen ist, und in welchem er der dem Weltmeister Viswanathan Anand ein baldiges Ende bescheinigt. Dieses Interview entbehrt nicht einer gewissen Komik. Man könnte gar vermuten, die Inder nehmen den "Herold der Demokratie" mitunter nicht so ganz ernst, finden Sie nicht auch?
Wir haben das Interview in der Folge in voller Länge für Sie aus dem Englischen übersetzt:
Wenn Garry Kasparov spricht, hört man besser zu. Wenn er verlangt, die Klimaanlage herunterzudrehen oder das Licht zu dimmen, dann tut man das besser.
Wenn er sagt, Viswanathan Anands Tage als Schachweltmeister werden bald enden, dann glaubt man das besser. Nicht nur, weil er über 20 Jahre das Schachbrett dominiert hat, oder weil er sich für das Wiedererwachen der Demokratie in Russland abrackert.
Vielerorts als der beste Spieler, den das Schachspiel je gesehen hat, geachtet, ist Garry Kimovich Kasparov jenseits der 64 Felder des Schachbrettes durch den Versuch, den Kreml zu übernehmen, gewachsen. Doch er wird immer ein Wunderkind bleiben, welches nicht nur die Welt beherrschte, sondern auch die FIDE herausforderte, indem er eine rivalisierende Splitterfraktion, PCA (Professional Chess Association), gründete, um die Interessen befreundeter Schachspieler zu schützen
Als Kasparov also MAIL TODAY erklärte, er erwarte nicht, dass Anand seinen Siegeszug noch lange wird fortsetzen können, war einem klar, dass er nicht nur Phrasen brabbelt.
"Vishy ist ein brillanter Spieler. Aber es ist schwer, mit 40 noch mitzuhalten. Er misst sich mit Leuten, die nur halb so alt sind wie er. Ich wäre überrascht, wenn er so weitermachen könnte. Er kann gegen jeden kämpfen nur nicht gegen die Zeit.", sagt Kasparov am Rande der India Today Conclave 2009 in der Hauptstadt am Freitag.
Gedrängt, diese Schlussfolgerung zu erklären, sagte der Russe, mehr als Anands Stil sei es die "Gewandheit" der heutigen Spieler, welche die Art und Weise, wie Schach gespielt wird, verändert hat.
"Vor etwa 50 Jahren, betrug das Durchschnittsalter eines Schachspielers circa 35 Jahre. Heutzutage werden 14-jährige Großmeister. Das ist auf (den Einzug der) Computer und hochentwickelte Software zurückzuführen", sagte er.
Kasparov und Anand bei einer
Schaupartie auf dem World Trade Center in New York 1995 vor ihrem
WM-Match
Nicht allzu sehr beeindruckt von Jungstars, welche die Macht von deutlich älteren Mitstreitern, herausfordern, hatte der 46-jährige Interessantes zu den frühreifen Talenten, die weltweit aus dem Boden sprießen zu sagen.
"Heutzutage weiß ein 13-jähriger wahrscheinlich mehr als Bobby Fischer bei seinem Rücktritt. Sie analysieren alle ihre Züge mit dem Computer und bereiten sich auch an diesem vor. Aber das heißt nicht, dass sie etwas Besonderes sind."
Doch es ist nicht der Fehler der Jungstars, dass sie besser gerüstet sind, die Nuancen des Spiels zu lernen. Nur, weil sie die Technologie haben, ihr Können zu schärfen, heißt das nicht, dass sie einen übermäßigen Vorteil haben, oder? "Heutige Physikstudenten wissen mehr als Einstein und Newton. Das macht sie aber nicht klüger, oder?",witzelte der Russe, der den Sport 2005 verließ.
Was ist es also, das einen Kasparov, Karpov oder Anand von anderen Spielern ihrer Zeit unterscheidet? "Wir hatten ein Gefühl für das Spiel. Wann immer ich eine Stellung sah, vertraute ich mehr auf die Macht der Bewertung und des Verstehens als darauf, was ein guter Zug sein würde. Doch das Motto der heutigen Spieler ist: Zeig mir den Zug. Ich kann es ihnen nicht erklären, es ist Dein Sinn für das Spiel, der sagt, was ein guter und was ein schlechter Zug ist."
Kasparov der Revolutionär
In seiner neuen Rolle als Herold der Demokratie in Russland hat Kasparov eine Kampagne gestartet, die Vormachtstellung von Putin zu zügeln. "Ich beobachtete die Zerstörung der Demokratie in meinem Land. Ich hatte eine schwere Wahl zu treffen. Es kostete mich einige Jahre, zu erkennen, dass ich von dem einen Kampf auf dem Schachbrett zu einem anderen (in der Politik) wechseln musste. Beim Schach ist Gewinnen und Verlieren wichtig. Aber hier (in der Politik) ist die Moral wichtiger. Wie im Schach ist meine aktuelle Strategie das Überleben. Wir überleben jeden Tag, und wir weiten unsere Gebiete aus", sagte er.Interview auf India Today (Englisch)
Budva (Montenegro) - Bei der 10. Europäischen Einzelmeisterschaft in Budva gibt es nach der heutigen 7. Runde einen neuen Leader. Der Ukrainer Andrei Volokitin (2671/Bild) schlug den bis dato führenden Russen Ernesto Inarkiev (2656) und liegt nun mit 6/7 alleine an der Spitze. Bei den deutschen Spitzenspielern Georg Meier (2608) und Arkadij Naiditsch (2693) fällt es recht schwer zu sagen, ob sie heute eine gute Runde hatten oder nicht. Meier remisierte gegen David Navara (2638), aber der Tscheche hatte dabei einiges Glück. Der Deutsche erreichte ein Turmendspiel mit Mehrbauer, doch er fand den schmalen Grat zur Verwertung leider nicht. Naiditsch spielte gegen den Aserbaidschaner Rauf Mamedov (2638) und erhielt einen deutlichen positionellen Vorteil, doch wie Meier gelang es ihm nicht, mehr als den halben Zähler zu erzielen. Wenn der erste Ärger über die ausgelassenen Chancen verflogen ist, werden sich beide sicherlich ihrer noch immer ausgezeichneten Platzierung gewahr und nehmen das hoffentlich als Motivation mit in die morgige 8. Runde. Vitaly Kunin (2546) konnte sein Punktekonto um einen vollen Zähler aufstocken, doch dafür musste er ausgerechnet gegen seinen deutschen Landsmann Igor Solomunovic (2416) gewinnen, was er schließlich auch tat. Igor Khenkin (2644) kann nach wie vor nicht das zeigen, wozu er wirklich in der Lage ist. Gegen den russischen IM Sergei Matsenko (2429) konnte er lediglich ein Remis mitnehmen. Maik Kopischke (1910) wird seiner Außenseiterrolle weiterhin gerecht und dient den Gegnern als Punktelieferant.
Damit lautet die interne deutsche Reihenfolge nach sieben Runden: 1. Meier (5,5/7), 2. Naiditsch (5), 3. Khenkin (3,5) / Kunin (3,5), 4. Solomunovic (2,5), 6. Kopischke (1)
Alle Ergebnisse nebst der vollständigen Tabelle erhalten Sie durch das Klicken auf die unten stehenden Top 30. Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass die offizielle Homepage eher wie die eines Reiseveranstalters daherkommt, und sich gerne auch mal eines dieser nervigen Werbe-Popups öffnen möchte. Dafür ist der sich beständig aktualisierende Ergebnisdienst auf chess-results.com ausgezeichnet. In sechs Sprachen erhält man dort alle Zahlen und Fakten, die man sich nur wünschen kann.
St. Petersburg (RUS) - Gestern stürmten sie gemeinsam den Gipfel der 10. Europäischen Einzelmeisterschaft der Frauen und heute mussten sie gegeneinander ran. Hoàng Thanh Trang (2483) und Monika Socko (2449) mussten in der 5. Runde untereinander ausmachen, wer seine bis hierhin weiße Weste würde behalten dürfen. Nach zähem Ringen sahen die Beiden jedoch ein, dass sie sich auch heute ebenbürtig waren und teilten den Punkt und damit die weitere Führung gerecht. Die Konkurrenz nicht faul nutzte den Friedensschluß am Spitzenbrett, um aus dem Führungsduo wieder eine echte Gruppe zu machen. Und auch Elisabeth Pähtz (2455) kommt langsam in Fahrt. Nach zwei erfolglosen Versuchen, schwächere Gegnerinnen zu besiegen, ist es heute endlich gegen die Russin Irina Zakurdjaeva (2295) geglückt. Damit liegt die Erfurterin nur noch einen halben Zähler hinter den Führenden zurück. Alle Ergebnisse nebst der vollständigen Tabelle erhalten Sie - mit etwas Glück - über die Veranstalterseite: 10. Europäische Fraueneinzelmeisterschaft
Istanbul (TR) - Nach der gestrigen Runde des İş Bank Atatürk Women Masters Tournament 2009 musste Hou Yifan (2571) die Tabellenspitze noch mit Martha Fierro (2403) teilen, doch nach der heutigen 5. Runde darf sie mal alleine führen. Zu verdanken hat sie das einerseits ihrem Sieg gegen die Türkin Betul Yildiz (2214), aber auch die Tatsache, dass Humpy Koneru (2621) gegen Fierro gewann, war nicht ganz unwichtig. Die Chinesin Zhao Xue (2508) schlug die Schwedin Pia Cramling (2548) und so teilt sie sich den 2. Rang mit Koneru. 1st FIDE Women Grand Prix
Runde 5 - Donnerstag, 12. März 2009
M. Fierro - H. Koneru
0-1
Y. Hou - B. Yildiz
1-0
X. Zhao - P. Cramling
1-0
M. Sebag - A. Stefanova
0-1
E. Danielian - Z. Mamedyarova
½
Y. Shen - M. Chiburdanidze
0-1
Runde 6 - Freitag, 13. März 2009
H. Koneru - M. Chiburdanidze
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Z. Mamedyarova - Y. Shen
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A. Stefanova - E. Danielian
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P. Cramling - M. Sebag
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B. Yildiz - X. Zhao
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M. Fierro - Y. Hou
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