28.02.2009 - Die Rückrunde im spanischen Linares beginnt heute +++ Die Saison der Schachbundesliga geht in die 12.Runde, allerdings kommt es heute im Kraichgau nur zum Vorgeplänkel +++ Mit Shakhriyar Mamedyarov (SV Werder Bremen) und Sergei Tiviakov (SV Eppingen) kommt es heute zur Begegenung der Männer, die letzte Woche noch ihre Gegner des "Cheatens" bezichtigten - ein ernstes Problem auch in der Bundesliga? +++ Schachfreunde Deizisau laden ein zum größten Oster-Open in Deutschland - noch brauchen sie das Pfalz Open nicht zu fürchten? +++
Linares (ESP) - Die Rückrunde wurde heute mit der 8.Runde eröffnet. Die Kämpen hatten am Ruhetag sich ein wenig, je nach Gemütslage, die Wunden gelegt oder ein Sonnenbad in der andalusischen Frühlingssonne genommen. Mit gewetzten Messern ging es heute in den Partien der Jungstars Carlsen und Radjabov gegen die Arrivierten Aronian und Anand zur Sache. Wobei es schien, dass die schwarzspielende "A&A" das Spiel eher diktierten, als die Jungspunte. In der Partie Radjabov gegen Anand wurde die Fehde der Beiden, beginnend bei der Chess Classic Mainz 2006, in der Botwinnik-Variante des Damengambits weitergeführt, trotz leichter Vorteile für den Weltmeister blieb es am Schluss beim Remis. Carlsen musste im forcierten Endspiel der Anti-Meraner-Variante gegen Aronian einen Bauern geben, schaffte es aber trotzdem, sein Remis immer geradeso zu retten. Levon Aronian brachte den jungen Mann aber so unter Zeitdruch, dass er nach 93 Zügen dennoch verlor. In den anderen beiden Partien ging es irgendwie weniger emotional zu. Ivanchuk musste nach 66 Zügen ein Einsehen haben, dass die Russische Verteidigung von Wang Yue nicht erschütterbar war und der Spitzenreiter Alexander Grischuk konnte mit weißspielend unter Mobilisierung aller Kräfte den halben Punkt in die Scheuer bringen. Sehr viele Züge wurden heute in LInares gespielt, excellentes Schach gezeigt und mit Würde den Wünschen der Zuschauer begegnet.
Eppingen (Kraichgau) - Bei der Auslosung der Bundesliga-Saison konnten der Eppinger Schachclub schon mit der Zunge schnalzen, dass man am verletzten Doppelspieltag das alles entscheidende Schachwochenende seinen Heimkunden präsentieren kann. Dass man selbst ganz oben in der Tabelle mitspielt, erscheint mir für die Strategen beim SC Eppingen, Mannschaftsführer Dekan und den 1.Vorsitzenden Eyer, nicht ganz so überraschend zu kommem, wie sie in aller Bescheidenheit manchmal an den Tag legen - mir scheint ein gutes Konzept seit vielen Jahren dahinter zu stecken. Heute musste man dem höchsthochgerüsteten Werderanern, um ihren schlitzohrigen Vorsitzenden Dr.Till Schelz-Brandenburg Tribut zollen bei der äußerst knappen 4.5:3,5 Heimniederlage. Parallel konnte der OSG Baden-Baden mit starker Mannschaft den Aufsteiger der Saison, SK Turm Emsdetten, mit 7:1 niederhalten. Nur der Auftakt für den Briten Michael Adams im Badener Team fiel mit einem Remis genauso unbefriedigend aus, wie die gleiche Ausbeute für den deutschen Spitzenspieler Arkadij Naiditsch, der nach der Blitz-WM Qualifikation und dem Aeroflot Open in Moskau nicht ganz frisch wirkte. Etwas Glück hatte der sehr risikofreudig schwarzspielende Franzose Etienne Bacrot gegen das Supertalent aus Russland, den 14-jährigen Anish Giri in Emsdettener Diensten, der auch schon beim Corus Turnier in Wijk aan Zee groß auftrumpfte und sogar eine Serie mit 6 Punkten aus 6 Runden hinlegte. Untenstehend die Ergebnisse der Begegnung OSG Baden-Baden gegen SK Turm Emsdetten, alles andere bei Schachbundesliga.de und beim SC Eppingen.
Eppingen 2 Es hat was Besonderes, etwas Ungewohntes, etwas Kundenfreundliches, wenn die Mannschaftsführer der Spitzenteams uns Zuschauerr bereits am Donnerstagabend die Aufstellung der Teams vorankündigen. Die Schachbundesliga wirbt um uns, Donnerwetter, das ist ja wie wenn Weihnachten, Ostern und Pfingsten auf einen Tag fallen würde. Wenn meine sehr katholische Mutter noch leben würde, würde ich ihr morgenfrüh die Erlaubnis abringen zum Schach gehen zu dürfen, anstatt um 10:00 Uhr zum Hochamt. Begründung: Hochamte gibt es noch genug und immer wieder, aber so ein emotionales Bundesligaduell, wie Werder Bremen gegen die OSG höchstens einmal im Schachjahr - ich schwöre, mein Mutter würde uns das schon erlauben. "Der Kracher im Kraichgau" ist eines der interessantesten Prestigeduelle, die es in dieser Saison noch gibt, ehe am 30.März/1.April das Finale in Baden-Baden mit den sehr gut in der Tabelle platzierten SG Solingen stattfindet. Der OSG Baden-Baden wird sehr kontrolliert spielen, die volle Routine einsetzen und in den Schlüsselspielen alles geben: das französische Duell Bacrot gegen Fressinet und die Duelle mit deutscher Beteiligung an Brett 6, 7 und 8 werden wahrscheinlich entscheidend sein! Wenn Baden-Baden gewinnt oder 4:4 macht, ist die Messe gesungen, sollte man verlieren gegen eine gleichwertige Mannschaft hat der Meister der letzten 3 Jahre immer noch zwei Punkte Vorsprung und würde sich sicher nicht genieren, am letzten Spieltag seine zwei Riesen Anand und Carlsen zusätzlich zu bringen, um das Meister-Quadrouble zur Zeit des Nato-Gipfels in Straßburg/Baden-Baden klar zu machen.
Eppingen 3 Süffisant war sicher am heutigen Samstag die Spieler im Spitzenduell von der SC Eppingen und Werder Bremen, Sergei Tiviakov und Shakhriyar Mamedyarov, zu beobachten. In dieser Woche haben sie mit Protesten gegen ihre jeweiligen Gegner im 2.Pfalz Open in Neustadt und beim Aeroflot Open in Moskau für einiges Aufsehen gesorgt und ihre Gegner ohne Beweise des Betruges bezichtigt, während der laufenden Partien fremde Hilfe in Anspruch genommen zu haben. Dieses wollen wir in der Bundesliga nicht sehen, weder das jemand unberechtigt verdächtigt und diskreditiert wird, noch das jemand mit Hilfe der Live-Übertragung und Transmitter "Mensch" während der Partien fremde Hilfe benötigt oder gar in Anspruch nimmt, wie es oft schon bei niederigeren Klassen beobachtet wurde. Schachsport muss fair und sauber bleiben, auch wenn es im Wettkampf um sehr viel geht!
Brett
Spieler / Vereine / Elo
Ergebnis
1
Mamedyarov (WB / 2731 - Shirov (BAD / 2726)
- : -
2
Eljanov (WB / 2720) - Svidler (BAD / 2727)
- : -
3
Efimenko (WB / 2680) - Adams (BAD / 2734)
- : -
4
Areshchenko (WB / 2664) - Movsesian (BAD / 2732)
- : -
5
Fressinet (WB / 2676) - Bacrot (BAD / 2705)
- : -
6
Meier (WB / 2558) - Harikrishna (BAD / 2659)
- : -
7
Roiz (WB / 2677) - Naiditsch (BAD / 2678)
- : -
8
Nybäck (WB / 2634) - Dautov (BAD / 2601)
- : -
Team
Werder Bremen (2668) - OSG Baden-Baden (2695)
- : -
Alle Partien dieser und natürlich auch aller anderen Kämpfe des 12. und 13. Spieltags werden außerdem auf der Webseite der Schachbundesliga.de live übertragen.
Deizisau - Vom 09. bis 13. April (Ostern) öffnet das jährliche Int. Neckar-Open in Deizisau seine Pforten und heißt Sie zu einem der schönsten Open unseres Landes willkommen. Die Siegprämie für das A-Open (>1800) beträgt stolze € 2.500,-, im B-Open (<2000) sind es satte € 1.000,-, und selbst der Sieger des C-Open (<1400) kassiert noch € 250,-! Gespielt werden jeweils 9 Runden im Schweizer System auf edlen Holzbrettern mit Digitaluhren und einer Bedenkzeit von 2 Stunden für 40 Züge nebst einer halben Stunde für den Rest der Partie. DWZ- und ELO-Auswertung ist obligatorisch, und im A-Open können zudem Normen erspielt werden. Dass die 13. Auflage des weltweit bekannten Int. Neckar-Open in Deizisau (Raum Stuttgart) trotz des unheimlichen Jubiläums keine Katastrophe wird, dafür wird wie in den erfolgreichen Jahren zuvor wieder Turnierdirektor Sven Noppes sorgen. Der umtriebige Schwabe ist der Stellv. Vorsitzende der Chess Tigers, Team-Kapitän des deutschen Meisters OSG Baden-Baden, 1. Vorsitzender der Schachfreunde Deizisau und nationaler Schiedsrichter, um nur einige seiner zahlreichen Aktivitäten zu nennen. Das Int. Neckar-Open steht seit über einem Jahrzehnt neben dem bärenstarken A-Open und den vielen weiteren Events für ausgezeichnete Spielbedingungen, einen reibungslosen Ablauf und seine familiäre Atmosphäre nebst der typisch schwäbischen Verpflegung. Das alles möglich macht ein einmaliges Team aus zahlreichen Helfern, die sich teils rund um die Uhr teils im Schichtbetrieb wirklich rührend um jeden kümmern, der es braucht. Zudem holt Sie auf Wunsch morgens zur Runde ein Shuttle-Service vom Hotel ab und bringt Sie abends wieder wohlbehalten zurück. Dieses Turnier sollte jeder ambitionierte Schachspieler und auch Organisator mal gesehen und gespielt haben! Alle weiteren Informationen erhalten Sie ausführlich über die folgenden Links. Offizielle Turnierseite/Ausschreibung (PDF)
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