Nachrichten Aktuelles Tagesschach 08/09 - Erneute Führung für Topalov Mamedyarov steigt beim Aeroflot aus
23.02.2009 - Bei der World Chess Challenge 2009 in Sofia hat Veselin Topalov die 5. Partie gegen Gata Kamsky gewonnen und führt nun mit 3-2. Pikantes am Rande: Der Veranstalter des Matches untersagt ChessBase per Anwalt die Übertragung der Partien! +++ Beim Areoflot Open in Moskau hat Shakhriyar Mamedyarov mit seinem Rückzug und Betrugsvorwürfen gegen Igor Kursonov für Schlagzeilen gesorgt. Viel heiße Luft um nichts oder dreister Betrug? +++ Peter Svidler siegt in Bunratty +++ Kiril Georgiev bricht Simultanweltrekord in Sofia
Sofia (BUL) - Ohne die Leistung von Veselin Topalov schmälern zu wollen, diese Niederlage in der 5. Partie der World Chess Challenge 2009 in Sofia war für Gata Kamsky so unnötig wie ein Kropf. Mehr als einen symbolischen Vorteil hatte der für einige Kiebitze überraschend mit Weiß spielende Topalov gegen Kamskys Franzosen nicht herausgeholt, aber vielleicht schon im Glauben, das Remis sicher zu haben, übersah der Amerikaner bei 45...Sb4?? eine einfache taktische Wendung. Topalov ließ sich kein zweites Mal bitten und durfte sich alsbald ob seiner neuerlichen Führung freuen. Tragisch, wenn ein Top-Duell durch temporäre Schachblindheit entschieden wird, doch das gehört, wie nicht zuletzt Vladimir Kramnik seinerzeit gegen Deep Fritz lernen musste, einfach dazu. Doch noch ist ja nichts verloren für Kamsky, der schon morgen in der 6. Partie ausgleichen könnte. Neben dem Ergebnis wird auch interessant sein, ob ChessBase dann wieder in die Live-Übertragung wird einsteigen dürfen. Heute zumindest setzte man die Übertragung auf rechtlichen Druck seitens des bulgarischen Veranstalters aus. Im Gegensatz zu anderen Seiten wie beispielsweise TWIC oder Susan Polgars Blog habe ChessBase keine offizielle Genehmigung erbeten. Homepage World Chess Challenge/Partien (PGN)
Gata Kamsky 2725
½
0
½
1
0
2
Veselin Topalov 2796
½
1
½
0
1
3
Moskau (RUS) - Auf eines der stärksten Open der Welt liegt seit der gestrigen Runde ein riesiger Schatten. Der nominelle Favorit Shakhriyar Mamedyarov erhebt schwere Betrugsvorwürfe gegen Igor Kursonov. Dieser hatte ihn gestern in nur 21 Zügen besiegt. Mamedyarov behauptet, Kurnosov sei nach jedem Zug aufgestanden, habe seine Jacke mitgenommen und sei dann auf der Toilette verschwunden. Fragt sich beispielsweise, woher Mamedyarov das wissen will. Ist er seinem Gegner gefolgt, anstatt über seinen nächsten Zug nachzudenken? Wie auch immer, ab dem 12. Zug habe Kurnosov dann nur noch Züge gespielt, die auch Rybka gewählt hätte. Als Konsequenz stieg Mamedyarov aus dem laufenden Turnier auf Rang 5 liegend unter Protest aus. Kurnosov seinerseits soll laut Hauptschiedsrichter Geurt Geijssen (Bild), auf Anfrage seine Taschen geleert haben und dabei sei lediglich eine Schachtel Zigaretten, ein Feuerzeug und ein Stift aufgetaucht - also keinerlei Elektronik. Zudem berichten Augenzeugen, Kurnosov sei nicht ständig auf der Toilette sondern ausschließlich im Treppenhaus beim Befriedigen seiner Nikotinsucht gesehen worden. Bis auf die Tatsache, dass der junge Russe mit einer Rating von über 2600 eine Sequenz von teils erzwungenen Zügen gefunden hat, kann man ihm nicht das Geringste nachweisen - wahrscheinlich auch, weil er schlicht nichts Verbotenes getan hat. Im Zeitalter der modernen Technik wird es immer mehr zur unsäglichen Mode, nach einer verlorenen Partie "Betrug!" zu schreien. Shakhriyar Mamedyarov ist für solche Aktionen bisher nicht bekannt gewesen, weshalb die Vermutung nahe liegt, dass mit ihm einfach und hoffentlich einmalig die Pferde durchgegangen sind. Anstatt alles wiederzukäuen, was andere zu den Ereignissen in Moskau zu wissen glauben, geben wir unten ein paar Links zu seriösen Seiten, die das Thema bereits eifrigst aufgearbeitet haben. Nicht wirklich überraschend ist die Tatsache, dass der russische Veranstalter auf der Turnierseite selbst kein Wort zu den Ereignissen verliert. Über die Folgen werden andere (z. B. die Fide Ethic Commission) befinden, doch die Auswirkungen auf den beschuldigten Igor Kursonov zeigten sich sogleich in der heutigen 7. Runde gegen den Chinesen Jianchao Zhou. Letzterer hatte wohl Verständnis für die Lage seines Gegners und stimmte einem Remis nach nur 12 Zügen zu, statt die Nerven des Russen auf die Probe zu stellen. Damit bleibt Kurnosov weiterhin der führende Mann vor der morgigen 8. Runde.
Homepage Aeroflot Open/ Susan Polgar Chess Blog/Bericht bei chessvibes.com/ Mig Greengard auf chessninja.com/Mamedyarov - Kursonov (PGN)
Bunratty (IRL) - Nach Gibraltar sicherte sich Peter Svidler (2723) kürzlich den nächsten Turniersieg des noch frühen Jahres. Beim Bunratty Chess Festival im grünen Irland gewann der einstige Chess960-Weltmeister nach 2008 bereits zum zweiten Mal das Masters. Vom 20. bis 22. Februar sammelte der St. Petersburger souveräne 5,5/6 und hatte damit einen ganzen Punkt Vorsprung vor Bogdan Lalic (2538), Gawain Jones (2540), Peter Wells (2513) und Alex Lopez (2367). Schön wäre, würde man die aktuelle Nr. 20 der Weltrangliste bald auch mal wieder bei dem einen oder anderen Top Turnier spielen sehen. Homepage Bunratty Chess Festival Peter Svidler siegt beim Gibtelecom Chess Festival (Gibraltar)
Sofia (BUL) - Am vergangenen Samstag sorgte neben Veselin Topalov ein weiterer starker Bulgare für Aufsehen in Sofia. GM Kiril Georgiev hat - noch inoffiziel - einen neuen Guinness Weltrekord im Simultanschach aufgestellt. Exakt 360 Gegner wehrten sich 14 Stunden und 14 Minuten gegen den Meister, der laut Reglement mindestens 310 Punkte benötigte, um überhaupt Chancen auf die Anerkennung des Rekords zu haben. 319 Punkte waren es am Ende für Georgiev, der nun darauf warten muss, bis die Guinness Zentrale den Rekord bestätigt oder eben nicht. Auf Chessdom.com finden Sie einen ausführlichen Artikel nebst kurzem Video über die Veranstaltung, für die sich unter anderem auch die BBC sehr interessiert haben soll. Drücken wir Kiril Georgiev die Daumen, dass sein Rekord anerkannt wird. Doch auch so lieferte der Bulgare eine beeindruckende Vorstellung ab, die zu übertreffen eine riesige Herausforderung für ähnlich ambitionierte Meisterspieler sein wird. Bericht bei Chessdom.com
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