20.02.2009 - World Chess Challenge 2009 in Sofia (BUL): Remis in Partie 3 +++ XXVI Ciudad de Linares 2009 (ESP): Levon Aronian nutzt Blackout des Weltmeisters +++ Aeroflot Open in Moskau (RUS): Igor Kursonov bleibt spitze +++ Nancy (FRA): Blutige 7. Runde +++ 2. Pfalz Open in Neustadt a. d. Weinstraße (GER): Sergei Tiviakov, Leonid Milov und Sebastian Bogner vorne +++ Mainz (GER): FM Gerd Treppner verstorben
Sofia (BUL) - In der dritten Partie der World Chess Challenge zwischen Gata Kamsky und Veselin Topalov berstätigte sich, was die erste Partie schon angedeutet hatte: Die Vorbereitung des Amerikaners mit Schwarz haut hin. Topalov hat zumindest bis jetzt nichts Greifbares gegen Grünfeldindisch und so glich Kamsky in der heutigen 3. Partie recht mühelos aus. Mehr vermochte er jedoch nicht aus der Stellung herauszuholen, sodass ein unter dem Strich gerechtes Remis die Folge war. Schon morgen wird Kamsky jedoch zeigen müssen, ob er sein Weiß-Repertoire repariert hat. Homepage World Chess Challenge/Partien (PGN)
Gata Kamsky 2725
½
0
½
1
Veselin Topalov 2796
½
1
½
2
Linares (ESP) - Es hätte ein Traumstart für den Weltmeister werden können, denn nach erneut beeindruckendem Spiel in Eröffnung (1.d4!) und frühem Mittelspiel sahen besonders die Engines Vishy Anand gegen Levon Aronian beinahe schon auf der Siegerstraße. Aber im entscheidenden Augenblick entging dem Inder bei 33.Tg3?? eine feine taktische Wendung, die der Chess960-Weltmeister erbarmungslos nutzte, um das Blatt urplötzlich komplett zu drehen. Mit einem Mal musste Anand auf Verteidigung umstellen, denn seiner Mehrfigur standen ganze fünf gegnerische Bauer gegenüber. Der Weltmeister wehrte sich so lange, wie es ging, doch das Unvermeidliche vermochte auch er nicht mehr abzuwenden, und so musste er nach 53 Zügen Aronian zum Sieg gratulieren. Kurz aber nicht ganz wirklich schmerzlos ging es heute zwischen Magnus Carlsen und Leinier Dominguez her. Die Englische Symmetrievariante hat wahrlich nicht den schärfsten Ruf, aber Carlsen lud seinen Gegner mit sehr riskantem Spiel förmlich dazu ein, seinen König zu jagen. Zwar konnte ihn der Kubaner nicht endgültig stellen, aber die Lage ward immerhin so unklar, dass der Norweger nach langem Nachdenken auf das Weiterspielen verzichtete und das schwarze Remisangebot annahm. Die meisten Schachspieler empfinden es als unangenehm, gegen die Eröffnungen spielen zu müssen, die man sonst selbst bevorzugt, aber Teimour Radjabov und Königsindisch bilden zur Zeit ein so interessantes Team, dass es beinahe egal ist, auf welcher Seite der Aserbaidschaner sitzt. Heute saß ihm mit den schwarzen Steinen Vassily Ivanchuk gegenüber, und spielte prompt Radjabovs Lieblingsverteidigung. Nach diversen Tauschaktionen landete man relativ fix in einem Turm+Läufer-Endspiel, in welchem sich keine Seite trotz langem Kampfes durchsetzen konnte. Noch länger bekämpften sich Alexander Grischuk und Wang Yue. Aus dem Slawen ergab sich eine ebenso interessante wie komplizierte Partie, die in ein leicht besseres Endspiel für den mit Weiß spielenden Russen mündete. Fortan spielte Grischuk deutlich stärker als sein chinesischer Gegner und nutzte sehenswerte Zugzwangsmanöver, um sich schließlich den verdienten vollen Punkt zu sichern. Somit haben Levon Aronian und Alexander Grischuk mit 1,5/2 die Führung in Linares übernommen.
Moskau (RUS) - Trotz des Remis in der heutigen 4. Runde beim Aeroflot Open führt weiterhin Igor Kursonov alleine, denn auch die direkten Verfolger konnten nicht voll punkten. Arkadij Naiditsch remisierte beispielsweise gegen Boris Grachev, und auch Shakhriyar Mamedyarov konnte gegen Evgeny Tomashevsky nur einen halben Punkt mitnehmen. Seine Position verbessert hat beispielsweise Etienne Bacrot durch seinen Sieg gegen Igor Lysyj und ist so mit 3/4 wieder im Rennen um den Gesamtsieg. Homepage Aeroflot Open
Nancy (FRA) - Kampftag beim 7. Festival international d'échecs 2009! Keine der fünf Begegnungen im A-Turnier endete friedlich, sodass die Tabelle einen kräftigen Wandel erfuhr. Alleiniger Führender ist Pentala Harikrishna mit bärenstarken 5,5/7 vor Georg Meier (Bild), Romain Edouard und Sebastien Feller mit 4,5/7. Dass Meier nach wie vor noch in Schlagdistanz zu Harkrishna ist, verdankt er seinem heutigen Erfolg gegen Nicolas Brunner mit den schwarzen Steinen. In den verbleibenden Runden muss der Trierer noch gegen Yannick Gozzoli (2503) und Christian Bauer (2610) ran. Homepage 7. Festival international d'échecs 2009
Neustadt a. d. Weinstraße - Offenbar hatten sich einige Meister der großen Spitzengruppe beim 2. Pfalz Open in der gestrigen Runde für die 7. Runde geschont, denn heute wurde zumindest an einigen Brettern mit deutlich härteren Bandagen gekämpft. Allen voran ergriff Sergei Tiviakov die Initiative und schlug an Brett 1 den Deutschen Rainer Buhmann. Mithalten konnten heute nur noch Leonid Milov und Sebastian Bogner (Bild) mit feinen Siegen, die nun zusammen mit Tiviakov führen. Vorjahressieger Tomasz Markowski befindet sich mit einen halben Zähler Abstand im breiten Feld der Verfolger. Homepage 2. Pfalz Open
Mainz - Gerd Treppner ist tot. Eine sehr traurige und völlig unerwartete Nachricht nicht nur für die Mainzer Schachgemeinde! Offensichtlich ist er in seiner Wohnung am 18. Februar 2009 oder früher verstorben, ehe er später von seinem Vereinsvorsitzenden Erich Siebenhaar vom TSV Schott Mainz aufgefunden worden. „Nachdem er aufs Telefon nicht reagierte und ich gesehen hatte, dass der Fernseher lief, Klingeln und Klopfen auch nichts nützte, habe ich Polizei und Rettungswagen alarmiert, doch konnten die nur feststellen, dass Gerd schon mindestens 24 Stunden tot war“. Der liebenswerte und unauffällig agierende Fide-Meister mit einer Ratingzahl von Elo 2311, Gerd Treppner, wurde nur 52 Jahre alt - am 30.09.1956 geboren und am 16.02.2009 leise von uns gegangen. In der Vergangenheit agierte er journalistisch gesehen sehr aktiv. Über die Chess Classic berichtete er in den Mainzer Rheinzeitung & Nachrichten - oft ganzseitig - und war auch der Haus- und Hof-Berichterstatter bei der Europa-Rochade, die allmonatlich von zig-tausend Schachfreunden gelesen wird. Auch im literaischen Schaffensbereich war Gerd Treppner mit hoher Kompetenz am Werke. Zu den Bücherserien, wie „Schach Zug um Zug“ oder das „Testbuch“ mit den unterschiedlichsten Themen, schaffte er auch einzelne Bücher, wie zum Beispiel „Schachhandbuch für Fortgeschrittene“, auch Co-Produktionen mit Großmeistern über Weltmeisterschaften waren seine Spezialität.
Wie bedauern, einen kompetenten schachaktiven Menschen verloren zu haben, und sind sehr traurig über die Art und Weise. Wem die Stunde schlägt, kann niemand auf dieser Erde wissen, eine Mahnung an uns Schachfreunde sollte aber vor dieser Stunde sein, niemanden allein zu lassen oder gar zu vergessen.
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