Nachrichten Schacholympiade 2008 - Israel übernimmt Führung Deutsches Team teilt Punkte mit Polen / Russland unterliegt Ukraine
22.11.2008 - Jetzt hat es sie doch erwischt. Der Nimbus, unbesiegt zu sein, ist den Armeniern von groß aufspielenden Israelis genommen worden. Selbst der Sieg-Garant Gabriel Sargissian (8/9!) konnte mit seinem Sieg gegen Boris Avrukh das Debakel nicht verhindern. Den ersten armenischen Partieverlust im gesamten Turnier musste Tigran Petrosian gegen Maxim Rodshtein hinehmen, bevor auch Levon Aronian gegen einen bestens aufgelegten Boris Gelfand (Bild) in den sauren Verliererapfel beißen musste. Dazu noch die Remis-Seeschlange (131 Züge!) zwischen Michael Roiz und Vladimir Akopian und der israelische Triumph war perfekt. Die deutschen Mannen um Bundestrainer Uwe Bönsch hatten gegen die polnische Auswahl sicherlich mit einen Sieg geliebäugelt, aber letztlich mussten sie sich mit einem 2:2 begnügen. Jan Gustafssons Niederlage gegen Grzegorz Gajewski konnte Daniel Fridman gegen Mateusz Bartel egalisieren, wobei Fridman zum wiederholten Male eine ausgezeichnete Endspieltechnik präsentierte. Nicht minder motiviert versuchte auch Arkadij Naiditsch gegen Bartosz Socko alles, einen vollen Punkt zu holen, doch der Pole verteidigte sich zu umsichtig. Völlig unverständlich ist jedoch, wie es sein kann, dass Igor Khenkin (2647) in einem Mannschaftskampf mit nur vier Spielern bereits nach unglaublichen 16 Zügen gegen einen keinesfalls stärkeren Gegner - Radoslaw Wojtaszek (2599) - schon in der Eröffnungsphase ein Remis akzeptiert. Bei allen positiven Momenten, die uns das deutsche Team bisher beschert hat, da besteht Klärungsbedarf!
Die Titelhoffnungen vermutlich endgültig begraben kann zwei Runden vor Schluß das russische Team, denn es verlor 1,5:2,5 gegen die Ukraine. Unglücksrabe dieses Mal war Alexander Morozevich mit seiner Niederlage gegen Zahar Efimenko. Seine Kollegen kämpften zwar aufopferungsvoll, um zumindest ein 2:2 zu erzwingen, doch weder Vladimir Kramnik gegen Vassily Ivanchuk oder Peter Svidler gegen Sergey Karjakin noch Alexander Grischuk gegen Pavel Eljanov konnten mehr als einen halben Zähler erzwingen. Grischuk kam dem Sieg mit gleich zwei Mehrbauern im Turmendspiel zum Greifen nahe, doch letztlich bewahrheitete sich mal wieder die alte Weise: Alle Turmendspiele sind remis!
In der vorletzten Runde trifft Team Israel auf die Ukraine und Armenien bekommt es mit den Serben zu tun, die zuletzt überraschend Aserbaidschan besiegten. Das deutsche Team wird sich mit den USA messen. Ein Sieg könnte die Medaillenhoffnungen nochmals aufleben lassen. Selbiges gilt für Russland, welches auf die stark aufspielenden Slowenen treffen wird. Edelmetall ist Pflicht für Kramnik & Co, doch die Konkurrenz ist groß und hungrig. England und China beispielsweise gehören ebenfalls zu den heißen Medaillenanwärtern und werden das bereits in der nächsten Runde ausdiskutieren, wenn sie einander auf den 64 Feldern begegnen.