Nachrichten Schacholympiade 2008 - 5 Tage Dresden an einem Stück Deutsches Herbstmärchen möglich?
17.11.2008 - Vier Runden der 38. Schachloympiade 2008 sind mittlerweile gespielt in der Hauptstadt des Freistaates Sachsen, und die Deutschen erweisen sich erfreulicherweise als schlechter Gastgeber. Ohne Furcht vor der großen Konkurrenz haben sich Arkadij Naiditsch, Igor Khenkin, Jan Gustafsson, Daniel Fridman und David Baramidze doch tatsächlich bei Olympia im eigenen Lande an die Spitze der Tabelle gesetzt. In der gestrigen vierten Runde mussten die Spanier dem deutschen Siegeswillen mit 1,5 : 2,5 Tribut zollen, denn Naiditsch schlug keinen Geringeren als den großen Alexei Shirov. Die aktuelle deutsche Nr. 1 ist mit überragenden 3,5/4 plötzlich sogar Kandidat für eine Einzelmedaille am Spitzenbrett. In der fünften Runde wird man nun auf Top-Favorit Russland treffen und hier die gewagte Prognose: Da geht was! Wenn nicht jetzt, wann dann? Die ersten Kapitel für ein wunderschönes Herbstmärchen sind jedenfalls bereits geschrieben. Lesen Sie in der Folge, wie unser CToT Hans Dieter Post die ersten Tage in Dresden erlebte.
Endlich! So oder ähnlich dürfte der eine oder andere stille Seufzer dem einen oder anderen Aktiven, Offiziellen und sonst irgendwie der Mannschafts-WM verbundenen Schächer durch den Kopf gegangen sein.
Als akkreditierter Pressemensch ist es mir vergönnt, nicht nur Teil der Seufzenden zu sein, sondern auch ein paar Blicke mehr hinter die Geschehnisse werfen zu können, als der Normalzahler. Das man dadurch nicht auch automatisch die besten Plätze bekommt, zeigte sich dann bei der Eröffnungsfeier, als man stets nur die Rücken der Solisten und Protagonisten auf der Showbühne inmitten des Dresdner Eisstadions zu sehen bekam. In weiter Ferne war dann auch der Innenminister Deutschlands und die Oberbürgermeisterin der Stadt Dresden zu sehen. Für die "richtigen" Pressevertreter gabs denn aber schon noch bessere Möglichkeiten, wie die fotobehängten Titelseiten der Lokalpresse zeigten.
Während nun die Eine mehr über Dresden als über Schach redete, kam denn vom für den Sport zuständigen Bundesminister immerhin gehaltvolleres zum Thema Schach. Und nicht nur deshalb gebührte ihm die Ehre, diese Sparten-Olympiade denn auch zu eröffnen.
Der FIDE Präsident war übrigens nicht anwesend, denn ein wohl etwas schwererer Unfall bei der Anreise in Moskau zwang ihn zum stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus, und er wurde FIDE seitig vom Ehrenpräsidenten Campomanes vertreten, der wiederum die Grußworte des FIDE Oberen und einiges aus eigener Anschauung zum Besten gab.
Auch die deutsche Bundesspitze war nur unscharf im weiten Rund zu erkennen, wahrscheinlich ans Krankenlager des Schachkaisers geeilt, einzig Vize Kribben war zu sehen, und der Pressereferent natürlich omnipräsent.
Das Showprogramm um Max Mutzke, ja das ist der wo der Raab dran gedreht hat, und eine weitere Newcomerin, deren Name mir schon nach einer Nacht wieder entfallen ist, war trotz angekündigtem heißem Soul nicht jedermanns Geschmack in der Eishalle. Zumindest blieben die eine oder andere erdenkbare folkloristische Einlage in der Schublade. "Pink" wäre doch eine gute farbliche Alternative zu all dem Schwarzweiß gewesen, oder statt der Queen-Coverband MerQury dann doch eher "The Machine" als Pink Floyd Erbe, wenn's denn schon nichts Echtes sein darf oder kann. Von der lieben Künstlergage jetzt mal ganz abgesehen...
Eröffnungsfeier
Die erste Veranstaltung im Rahmen der Olympiade startete schon am frühen Nachmittag: das Partnerschulenturnier. Die Idee ist, das deutsche Schachschulen eine Patenschaft der teilnehmenden Nationen übernehmen und diese als virtuelles Team bei eben jenem Turnier repräsentieren. So vertrat zum Beispiel eine Bad Hersfelder Schule die USA, während Deutschland als einzige Ausnahme von Grundschülern aus dem russischen Khanty-Mansijsk vertreten wurde, dem Ort, wo als nächstes die Schacholympiade stattfinden wird. Da sich zudem die kleinen Racker alle Mühe gaben, in den jeweiligen Landesfarben anzutreten, war das Ganze schon eine nette Idee!
Vielleicht noch ein Schritt weiter zurück: bei der Zufahrt zur Halle über eine der Elbbrücken fällt die Halle gar nicht als so groß auf, eher wie eine gewöhnliche Sporthalle, wenn man von der Architektur absieht.
Man kennt das vielleicht von Schauspielern, die, wenn man sie nur vom Bildschirm oder Leinwand kennt, als riesig in die eigene Gehirnrinde eingebrannt werden; um dann bei flüchtiger Begegnung leicht übersehen zu werden.
Leider war dann für die Partnerschulen eine gewisse Enge nicht vermeidbar, also eher so, wie ich Schulschach im regionalen Erleben kenne: (überraschend) zu viele Teilnehmer, zu wenig Platz. Ob die fehlenden Tischnummern nun auf Platzmangel oder Organisationsschwäche zurückzuführen sind ... wer weiß. Spaß machen muss es, und das war bei den Kiddies irgendwie dann doch der Fall. Die Betreuer waren schließlich für das richtige Finden und Setzen zuständig.
Da Dresden nicht Peking ist, und nur 4 Millionen statt 4 Milliarden (oder eine andere nicht fassbare Zahl) offiziell kostet, waren denn die Fahnenträger beim Einmarsch der Nationen nicht der große Topalov, Kramnik, Aronian, Najditsch, usw sondern eher der kleine Klaus, Petrik, Sarah, oder die Mandy; also jeweils zwei aus den Partnerschul-/Nationalmannschaften "rekrutierte" Botschafter, die als Gegenleistung in den Genuss einer warmen Mahlzeit und endlos langem Stehen auf dem Stadioneis kamen.
Zwischen Erstturnier und Eröffnung lag dann noch eine Pressekonferenz, bei der die Trainer Bönsch und Lobzhanidze sowie die Aktiven Ketino Kachiani-Gersinska,Melanie Ohme und Jan Gustafsson nebst Moderator Klaus-Jürgen Lais; genau, der Omnipräsente! Unisono träumen alle vom einstelligen Tabellenplatz, zumal da nach ELO die stärksten deutschen Teams aller Zeiten antreten. Wieder kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, das auch hier einmal mehr Potemkin herhalten muss, um zu verschleiern, das die Zahlen wahrscheinlich nur im einfachen Vergleich mit den Vorjahren betrachtet wurden, die bekannte ELO Inflation aber nicht mitgerechnet ist. Denn auch Russland tritt mit einem gigantischen ELO-Niveau auf, inflationär eben, wie es bei den anderen Nationen auch sein wird. Wünschen wir mal den Kopfathleten, das die Tagträume aus der Pressekonferenz nicht zum Alptraum an der Tabellenwand mutieren.
Schacholympiade Dresden, 2. Tag
Eine gespannte Erwartung lastete den ganzen Tag auf den Anwesenden im Internationalen Congress Center zu Dresden, kaum einer hielt die Spannung vor dem Einzug der Spieler und sonstigen Offiziellen aus. Zu Kreislaufzusammenbrüchen oder ähnlichem kam es dennoch nicht.
Wer sich ablenken kann oder darf, besucht eine der Nebenveranstaltungen, die vor dem Beginn des eigentlichen olympischen Turniers noch ablaufen.
Das zweitägige Partnerschulenturnier zum Beispiel, in der gestrigen Ausgabe wurde darüber bereits berichtet, wurde, wie nach Drehbuch, von der deutschen Delegation gewonnen. Leider, oder Gott sei Dank und dem/derjenigen, der die schöne Idee hatte erst recht, wurde die Nation von einer Grundschule aus der sonst eher dem Wintersport zugewandten russischen Stadt Khanty-Mansijsk sehr erfolgreich vertreten. In zwei Jahren findet dort die nächste Schacholympiade statt, und wer weiß, vielleicht findet man einen der Kids, deren Namen man sich von der Wettkampfkarte merken konnte, in ein paar Jahren schon als GM in den Listen der FIDE wieder.
Bei ChessBase werden unter nachfolgendem Link einige Projekte im Zusammenhang mit diesem Konzept der Partnerschule vorgestellt:
u. a. auch das der der Geschwister-Scholl-Schule aus Langen (südlich von Frankfurt im Bezirk Starkenburg), was wiederum vom Werbefotografen Leander Lehnert auf einer eigenen Seite noch besser ins rechte Licht gerückt wird:
Ein zweites "Projektteam", das sofort ins Auge fiel, war das der USA Vertretung, namentlich der Wilhelm-Neuhaus-Schule aus dem osthessischen Bad Hersfeld. Anhand einer hübsch aufgemachten Internetseite findet sich einiges zum geistigen Ansatz der Partnerschulen, und zum Projektverlauf; und zeigt auch, das der Zusammenhang zum Verein durchaus Sinn macht. Selber Surfen macht schlau, daher:
Die Senioren stiegen am Donnerstag mit ihrem eigenen Open in den Rahmen der Schacholympiade ein, und knapp über 120 Teilnehmer sorgten für den zwar organisatorisch berechneten (ab 100 wird der Preisfonds erhöht), aber dennoch, von außen betrachtet, geringen Teilnehmerspiegel. Von den ganz großen des Seniorenschachs ist keiner vertreten, wie auch, spielt Kortschnoi ja selbst noch bei der Olympiade mit: Brett 1 der Schweiz und hielt gestern den rusischen Meister Svidler auf Distanz! 3 FIDE Meister, sowie GM Kraidman aus Israel und die WGM Khmiadashvili aus Georgien sind somit die Favoriten bei den Weisen. Die erst vor wenigen Tagen beendete Senioren-WM in Bad Zwischenahn mit ca 300 Teilnehmern war dann doch Einigen des Guten zuviel. Hessen selbst ist mit 5 Teilnehmern vertreten, die aber allesamt leider nicht für den Turniersieg in Frage kommen: Oswald Smits aus Königstein, Wolfgang Haase aus Kassel, Joachim Hollstein aus Eppstein, Karl-Heinz Zacke für Immenhausen und Frau Dr.Doris Lübbers ebenfalls aus dem Taunus, werden dennoch versuchen den persönlich maximalen Punktestand zu erreichen.
Gespannte Erwartung also nun noch, wie es die Spieler unter Vorgabe der Organisatoren schaffen werden, rechtzeitig zum Partiebeginn an den Brettern zu sitzen. 10 Teams von insgesamt 154 wurden gar nicht erst ausgelost, hier wurde wohl ein Showup- Termin verpasst. Marokko, eigentlich fest eingeplant und ausgelost, trat dann doch nicht an. Die Integration der teilweise dann doch noch erschienen Teams am Folgetag, dem Freitag, führen dann dazu, das der Start der 2.Runde um eine ganze Stunde verschoben werden muss. Turnierorganisatoren wird das nicht überraschen, aber trösten, das auch den allergrößten nicht alles pünktlich aus der Hand gelingt, gelingen kann.
Deutschland kam durch die vielen (angenommenen) Rücktritte in den Genuss, insgesamt drei Mannschaften, sowohl bei den Frauen, als auch bei den Herren stellen zu dürfen.
"Hungrig sind sie", so oder ähnlich war in den Gazetten unterschiedlicher Größe, lokal und überregional zu lesen. Vielleicht gleich dazu die Nebenbemerkung, das Pressechef Klaus Jürgen Lais dafür sorgt, das täglich ein Pressespiegel des Vortages, selbst in Zeitungsformat zusammengefasst, erscheint. Klasse!
Team Deutschland 1 gegen Schottland vorne: Arkadij Naiditsch und Igor Khenkin hinten (etwas unscharf aber nicht weniger hungrig): Jan Gustafsson und David Baramidze
Und hungrig waren sie, das merkten Schottland und auch das Team Bulgarien (ohne Topalov angetreten), als Cheftrainer Bönsch die Raubtiere von der Kette ließ. Team Deutschland 3 kam zwar gegen Spanien mit 0,5-3,5 unter die Räder, doch Deutschland 1 gewann letztlich in solcher Höhe und ähnlich verdient gegen Schottland. Die Sensation des Auftakts gelang aber Team 2, die überraschend Bulgarien schlugen. In der Pressekonferenz strahlte Brett 1 des deutschen Teams 2, GM Georg Meier, jawohl, Sieger der Hessischen Schnellschachmeisterschaft 2007, und mit einigen Seitenhieben auf die wohl etwas überhebliche Mannschaftsaufstellung der Bulgaren schilderte er den erfolgreichen Wettkampfverlauf.
Hatte nach seinem Sieg gegen Topalovs Edelsekundanten Ivan Cheparinov sichtlich gute Laune - Georg Meier (links)
Ein anderer Hessischer Schnellschachmeister, GM Igor Khenkin, konnte übrigens ebenfalls sein Auftaktmatch in der ersten Mannschaft mit einer schönen abschließenden Wendung einfahren.
Nicht ganz so erfolgreich starteten die Frauen ins Turnier. Deutschland 1 gab unerwartet gegen Irans Frauen ein Unentschieden ab, Sarah Hoolt übersah in aussichtsreicher, eigentlich gewonnener Stellung eine überraschende Attacke auf den weißen König. Team 2 schlug immerhin die Schwedinnen mit 2,5. Und zufälligerweise mussten auch die Frauen des Team 3 gegen Spanien antreten, und verloren in gleicher Höhe wie die männlichen Kollegen. Olé!
Da ich nicht so genau weiß, ob die veröffentlichten Paarungen jetzt auch tatsächlich so bleiben werden, ober ob es doch noch Last-Minute-Changes gibt, verweise ich mal auf die Seite www.dresden2008.de die zwar nicht alles, aber für die Olympiade Partien kaum Wünsche offen läßt. Vielleicht noch ein Tip: Wer diese Seite anwählt, "sieht" vielleicht nicht auf Anhieb die kleine Grafik, die in großen Lettern "Live" ankündigt. Wer darüber auf den Text
"Alle Teams, alle Spieler, Auslosung und vieles mehr..." klickt, wird nicht viel live mitbekommen!
Florencio Campomanes & ich
Schacholympiade Dresden, 3. Tag
Mein Streifzug des dritten Tages (Freitag) durch die heiligen Olympia-Hallen in Dresden führte mich zu Beginn zu den Senioren, bzw zu dem zum Rahmenprogramm gehörenden Senioren- Turnier. Heute war Fototag und ich nutzte die Gelegenheit um die wenigen hessischen Teilnehmer etwas näher zu betrachten.
In unmittelarer Nähe zu den Senioren spielen Jugendmannschaften der Bundesländer (eigentlich natürlich die der Landesverbände) ihr Meisterteam aus. Neben den Trainer-Koryphäen Uwe Kersten und Jürgen Haakert trifft man natürlich auch den Rest des Begleitertrosses, die ihren Schützlingen während der Partie über die Schulter schauen, und nach der Partie als FIDE Meister ihres Fachs kundigen Verbesserungsratschlag geben.
Auf dem langen Weg von dieser oberen Ebene der Halle nach unten in den großen Saal kommt man zwangsläufig an den vielen Ständen derer vorbei, die mit und um das Schach herum ihre Waren oder Dienstleistungen anbieten. Da der große Ansturm der Besucher eher so gegen Ende des Events erwartet wird, kann man sich schon mal auf einiges gefasst machen. Das Turnier ist stets gut besucht, und wären nicht bestimmte Bereiche abgetrennt, hätten die Medienvertreter wahrscheinlich gar keine Chance ihre Arbeit zu erledigen. Doch alles scheint wohl organisiert.
Durch die Hinzunahme neuer Spieler zu einzelnen Teams, die nur 4 statt der möglichen 5 Meister gemeldet hatten, ergaben sich für deren Gegner natürlich Probleme, das man sich auf die nicht so recht vorbereiten konnte. Einsprüche einzelner Teams wurden als korrekt anerkannt und deshalb die gestrige Runde mit einer Stunde Verspätung begonnen. So einfach kann das gehen! Der einen Spielerin, die dann erst um 16.01 Uhr statt 16.00 Uhr am Brett erschien, wurde leider kein Pardon gegeben; und es flossen Tränen. Tja, wer das alltägliche Schrank-TV überstrapaziert, oder sich zwischen den 32 Paar Schuhen nicht entscheiden kann, der muss auch Rückschläge hinnehmen. Schiedsrichter haben deshalb stets nur ein paar Schuhe dabei. ;-)
Ansonsten hatte ich durch gottgleiche Fügung gestern die ungeahnte Möglichkeit, mehr als sonst zu Fotos en masse zu kommen. Das hängt mit dem Konzept zusammen, das man nicht alle Horden der Presse wahllos und in eben solch hoher Anzahl durch die Gänge der Turniertische gehen lassen kann. Ruhe muss sein, und Ex-WM Kramnik, der erst zur Runde 2 ins Geschehen eingriff, musste sich durch die Schiedsrichter Ruhe verschaffen lassen. Vor der Bühne herrscht natürlich eine für die Spieler anstrengende Unruhe. Und wer mag schon dauernd im Glashaus sitzen ...
Die anwesenden Frauen-Teams machen natürlich aus dem Männersport Schach und der Olympiade als Top-Wettbewerb den strahlend-funkelnden Diamanten. Wer schon mal versucht hat von den männlichen Kollegen ein mit einem Lächeln untermaltes Foto zu ergattern, musste den Witz selbst mitgeliefert haben, sonst wird das nix! Doch dazu in den Bildergalerien mehr ...
Schon allzu früh musste ich meinen Tag im ICC abbrechen, da der Besuch beim Musical "Chess" in der Staatsoperette Dresden auf dem Plan stand. Irgendwie hätte ich gedacht, das sich so ein Haus auch irgendwie im barocken Stadtzentrum befinden muss, aber mein elektronischer Allround-Stadtplan schockte mich eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn gewaltig: eine gute halbe Stunde Fahrzeit zur Staatsoperette war einzuplanen gewesen; und noch nix zusammengepackt und der Parkplatz auch nicht in kurzer Laufweite. Natürlich kam ich zu spät an, aber Karten waren hinterlegt und auf den persönlichen Namen ausgestellt. Die Premiere zu "Chess" war gut besucht, aber nicht ganz ausverkauft. Da es nur wenige Vorstellungen gibt, eigentlich nur aus Anlass der Olympiade einstudiert, ist das eigentlich ein Pflichttermin. Die Aufführung ist überraschenderweise in Deutsch, aber das muss nicht stören.
Es war eine gelungene Veranstaltung, und ich wäre schlecht beraten gewesen, wenn ich nicht hingegangen wäre. Bis hierher, der schönste Abend in Dresden!
Dummerweise habe ich dadurch die Ergebnisse der deutschen Mannchaften verpasst, und daher:
Bei den Frauen siegte Team 1 gegen Argentinien, also der erste Sieg in Runde zwei. Team 2 ließ sich auch von Bulgarien beide Mannschaftspunkte überreichen, wie tags zuvor Team 2 bei den Herren. Und Team 3, eine rein sächsiche Kombination, erfuchste sich einen Mannschaftspunkt gegen Uruguay. Na also, geht doch!
Bei den Männern war der Beutezug eher normal, also Team 1 gewann (natürlich) gegen Slowenien mit 3 - 1. Team 2 musste Federn lassen, mehr als bemerkenswert aber das Remis des starken GM Georg Meier gegen Schach-Wunderkind Magnus Carlsen aus Norwegen. Super! Leider ging der Wettkampf dann aber mit 3 - 1 an die Wikinger.
Deutschland 3 holte ein Unentschieden gegen Südafrika, und damit auch den ersten Punkt.
Schacholympiade Dresden, 4. Tag
24 Stunden pro Tag sind für Großereignisse wie Schacholympiaden einfach zu wenig. Da das, was man trotzdem noch so braucht an Zeit beim Schlaf abgezogen wird, ist es nur noch eine Frage der Zeit....genau: Bis man verpennt!
Trotzdem, so gerade mal noch rechtzeitig in der Halle angekommen, um den allerletzten Platz im internationalen Pressezentrum zu okkupieren. Die mallorcinische und bei Briten besonders an uns Deutschen geschätzte Handtuchmethode zieht hier nicht! Es mangelt an Handtüchern und an Liegestühlen. Die Reise nach Jerusalem beginnt hier jeden Tag erneut.
Der deutsche Top-Vierer hat eine günstige Auslosung erwischt. Das beschleunigte Paarungsverfahren im Schweizer System, um die stärkeren Teams schneller gegeneinander zu bringen, machts trotzdem möglich. Oder sollte Malaysia auch eine Leistungsexplosion erfahren haben? Professor ELO sei's gelobt, auf Zahlen ist mitunter doch Verlass und ein spielstärkegerechtes 3,5-0,5 unterstreicht das. Das ist dann der zweite Platz in der Tabelle, aber auch Spanien als nächster Gegner, und nach dem Professor geurteilt insgesamt ein ebenbürtiger Gegner.
Prächtig läuft es immer noch für Deutschland 2, wobei auch Wales einer deutschen Jugendmannschaft sicherlich keine Angst machen muss. Der klare 3,5-0,5 Sieg weist das auch überzeugend aus. Der nächste Gegner, Kolumbien, wird natürlich nicht leichter: Brett 1, IM Cuartas, droht schon mal mit seiner bisherigen Performance von über 3000 ELO-Punkten. Zeit also, das das nivelliert wird!
Für Deutschland 3 wurde mit dem Gegner San Marino der erste Sieg verbucht, ein sicheres 3-1. Mit der tschechischen Republik ist für den Folgetag aber nicht gerade ein Aufbaugegener zugelost worden.
Bei den Frauen läuft es durchwachsen: die Erste holt einen weiteren Sieg gegen El Salvador, die zweite muss ein 0-4 gegen die Armenierinnen über sich ergehen lassen. Kompensiert wird das durch das 4-0 des Team 3 gegen Honduras. Die neuen Gegnerinnen: Team 1 gegen Indien wird schon richtungsweisend werden, Team 2 trifft auf Aserbeidschan (Oh Gott, zwei Mamedjarov(a)s in einer Mannschaft ;-), und die sächsischen Talente treffen auf die Helleninnen. Kali Nichta!
Vor dem großen Saal, im Eat-and-Meet-Bereich, und dort wo Erinnerungs-Schnick-Schnack gleich eben der Kommentatorenbühne verkauft wird, ist es doch erstaunlich, wie viele auch der ganz großen Stars der Veranstaltung das Bad in der Menge suchen. GM Ivanchuk, eine für ihn empfindliche Niederlage im Tagesgepäck, stellte sich auch den absurdesten Autogrammwünschen. Ein Highlight war denn auch die Frage eines Fans(?), wie er denn heute gespielt habe. Gott sei Dank war er mit der Signatur gerade fertig geworden, sonst wäre das nichts mehr geworden ...
Die Pressekonferenz am Abend um 20 Uhr ist eigentlich etwas, das keiner der anwesenden Schreiberlinge verpassen darf. Mit Susan Polgar haben die Organisatoren eine wirklich erstklassige Besetzung als Moderatorin gefunden. Um den Platz hier zu beschränken, wo sollte ich anfangen, wo aufhören, empfehle ich ihre offizielle Webseite.
Susan Polgar
Vladislav Tkachiev
Geladen werden meist Großmeister, gestern war's u.a. GM Tkachiev (spielt für Frankreich, bei vielen als Kasache im Gedächtnis, ist aber Moskauer und dort auch zumeist zu finden).
Außerdem dabei: Alejandro Ramirez aus Costa Rica, als Twen im Erstjahr schon fünf Jahre Großmeister, und das ohne nennenswerte Unterstützung bis dahin.
Ein alter bekannter, GM Stefan Kindermann, jetzt für Österreich bei der Olympiade am Start, gab immerhin zu, das es für eine Teilnahme wie bisher bei den deutschen Teams nicht mehr reicht. Sein Schwerpunkt sind Projekte um das Thema Schach, und wie sich Denkstrategien im Alltag umsetzen lassen.
Werner Stubenvoll repräsentierte den administrativen Teil der Olympiade, und Fragen zum Thema Spieler-Nachnominierungen, Präzision bei der Ergebnisveröffentlichung u.v.a.m. ließen das erfahrene Mitgied der technischen Kommission wanken, aber nicht fallen. Besserung wurde aber gelobt!
Schacholympiade Dresden, 5. Tag
Bei der Ausfahrt aus der Tiefgarage des Internationalen Congress Centers in Dresden wurde es plötzlich traurige Realität: es ging dieses Mal rechts herum, Richtung Autobahn, statt wie sonst links über die Brücke in den Norden zum Hotel. Die Anzahl der Urlaubstage bei mir ist endlich und meine Tage in Elbflorenz somit leider gezählt ...
Während im Radio auf der Rückfahrt mindestens zu jeder Stunde das noch so langweiligste Sonntagsergebnis aus der dritten Liga im Fußball repetiert wird, ist das bei der spannenden Angelegenheit von Deutschland gegen Spanien aus dem ICD nicht der Fall. Kurz vor Spielbeginn machte das deutsche Team auf der Bühne einen wesentlich entspannteren, entschlosseren Eindruck als die in summa gleich starken Iberer. Ohne Punktverlust und auf Augenhöhe in der Tabelle mit Russland ist eine schöne Momentaufnahme, aber auch gleichzeitig eine schwere Last für die kommende Runde.
vorne: Igor Khenkin (GER) vs. Vallejo Pons (ESP) hinten: Alexei Shirov (ESP) vs. Arkadij Naiditsch (GER)
Arkadij Naiditsch hat mit 3,5/4 am Spitzenbrett gut lachen.
Ebenfalls mit 2,5/3 in prächtiger Form - David Baramidze
Ohne den "Topalov" Georg Meier in Team Deutschland 2 war gegen Kolumbien wieder nur ein 2-2- drin; wenigstens wurde nur die bulgarische Aufstellungsvariante kopiert, nicht auch das Ergebnis! Der nächste Gegner ist Argentinien, die gut 10 Plätze vor Team 2 in der Startrangliste eingruppiert sind. Lösbar, wenn man sich Team 1 als Vorbild nimmt.
Team 3 erfüllte die Erwartungen und verlor gegen die Tschechische Republik, wenn auch knapp. Aber was heißt das schon bei nur 4 Spielern je Mannschaft. Thailand ist gerade noch in die Top 100 nach Teamstärke gekommen, das sollte also durchaus ein neues Erfolgserlebnis werden.
Massenandrang zum Rundenbeginn an der Bühne
Public Viewing mit ...
... GM Klaus Bischoff
Veselin Topalov - Brett 1 Bulgarien
Magnus Carlsen - Brett 1 Norwegen
Levon Aronian - Brett 1 Armenien
Vassily Ivanchuk - Brett 1 Ukraine
Irgendwie sind die 3 deutschen Frauenteams, wie sagt man doch so schön, noch nicht in Dresden angekommen. Gestern setzte es drei Niederlagen, Team 2 gegen die Mannschaft Azerbeidschans und Team 3 gegen Griechenland hätten glückliche Siege werden können, es wurden dann aber auch die in der Höhe erwartete Niederlagen. Einzig die Top- Frauen hätten gegen die nominell gleichstarken Inderinnen etwas holen können, doch auch hier gab es leider einen Mißerfolg.
Elisabeth Pähtz - Brett 1 Deutschland (Frauen)
Nun wartet Griechenland auf unser Team 1, und mit Puerto Rico und Bolivien warten lösbare Aufgaben auf die beiden anderen Auswahlmannschaften. Drei Siege, bitte!
Die Rahmenprogramme zur Schacholympiade werden nicht alle Events unter der Oberaufsicht dieser Großveranstaltung abgehandelt, sondern mitunter "nur" von DSB oder DSJ betreut. Das betrifft dann auch die Veröffentlichung von Paarungen, Tabellen und Endergebnissen. Immerhin findet daher nun das Bestätigung, was man schon immer fest geglaubt hatte:
Das Partnerschulenturnier wurde vom Team Deutschland gewonnen, das war die russische Grundschule, die Deutschland im Meer der Nationen vertrat. Aus hessischer Sicht interessant der fünfte Platz der Wilhelm-Neuhaus-Schule aus Bad Hersfeld, die die USA repräsentierten. Südafrika wurde von der Frankfurter Lichtigfeld-Schule vertreten, die Platz 26 erreichten. Und schließlich war die Langener Geschwister-Scholl-Schule, auf der einige Tage zuvor genannten Internetadresse war das hinreichend dokumentiert, Vertreter der Ukraine. Man landete etwas weit hinten plaziert auf Rang 43, aber es soll ja auch Spaß machen dabei zu sein.
Die DSJ berichtet dazu unter www.deutsche-schachjugend.de durchaus kritisch zur Veranstaltung, die vielen Bilder und Eindrücke sollte man nicht übergehen!
Ein anderes Turnier im Rahmenprogramm ist das Gehörlosenturnier, und aus der Teilnehmerliste muss man schließen, das außer in Sachsen in Deutschland jeder gut hören kann. Noch ein paar Jahre Metallica oder AC/DC, die wollen ja auch nicht aufhören, und ich könnte mich auch anmelden. So war hier aber noch kein Hesse vertreten.
Die ständig Nachmittags stattfindenden Blitzturniere sind sozusagen das Junk Food für den schach-abhängigen Zuschauer oder Betreuer. Alle Stunde zwischen 15 und 18 Uhr kommt der Drogenbeauftragte und schreibt die Teilnehmer ein. 2 - 3 Stunden Stoff für 5 Euro sind ein gutes Preis/Leistungsverhältnis. Und man lernt Leute kennen!
Der Deutschland Cup hat endlich begonnen, und wie nicht anders zu erwarten bei einer Premiere solchen Ausmasses ging es etwas holprig zur Sache. Die ICE Schlappe der Bahn tat wohl ein Übriges, das sich verschiedene zunächst fest Entschlossene dann doch anders entschieden. Etwa 800 Teilnehmer, geplant waren fast 1.000, davon gut 30 Hessen, und auch hier waren die Planungen anders, kämpfen um die Ehre in 15 Spielstärkegruppen. Diese Masse leiht sich den großen Saal von den Olympioniken, zumindest vormittags.
Es dauerte ein wenig bis aktuelle Ergebnisse und Tabellen vorlagen, aber mittlererweile ist alles beim DSB Online:
Heute gehen die Ländermeisterschaften der Jugend in ihre entscheidende Phase, und ich bin noch guter Hoffnung, das ich irgendwo etwas Aktuelles online finde.
Leider hatte ich durch meine frühe Abreise keine Chance mehr auf die abendliche Pressekonferenz, ich kann mir gut ein Bild von der dort sicherlich guten Stimmung machen, die zweifleslos herrschen musste nach dem Sieg der Herren über Spanien.
Wollen wir mal hoffen, das es heute ähnlich fröhlich wird. Jedenfalls habe ich nun Gelegenheit, auch mal aus der Ferne die Schacholympiade zu testen.