TopTurniere Schach-WM Bonn: vor der 6.Partie - Bildbericht Runde 5 Viswanathan Anand hat in den nächsten beiden Partie Weiss - kommt jetzt auch sein harter 1.e4-Aufschlag oder bleibt er bei 1.d4
21.10.2008 - In der 6. und 7.Partie darf der "Königstiger" die weißen Steine führen. "Zeit, dass sich was dreht". Wäre es jetzt so langsam Zeit, seine stärkste Waffe 1.e4 einzusetzen oder bleibt er seiner soliden Taktik mit der "kontrollierte Offensive" treu. Und was soll jetzt Kramnik tun, nach zwei so schweren Weiß-Niederlagen? Wobei er, wie er selbst in der Pressekonferenz zugab den 34.Zug von Schwarz "Se3" völlig übersah. Ein Spieler seiner Klasse übersieht so etwas Triviales nicht, oder? Anzunehmen ist, dass Ihn hier zum zweiten Mal die gleiche Schachblindheit beschlichen hat, die vor zwei Jahren an gleicher Stelle gegen das Computerprogramm Deep Fritz offen ausbrach. Mit dem damaligen De3 fand Kramnik den studienhaften Gewinnzug, wenn das einzügige Matt von Deep Fritz nicht möglich gewesen wäre. Dieses Mal fand er mit 29.Sd4x die forcierte 6-zügige Gewinnzugfolge, wenn Weltmeister Anand dieses fantastische 34.Se3 nicht gesehen hätte. Was aber ist der entscheidende Unterschied zwischen einem guten Computerprogramm und Weltmeister Anand? "Hinterm Horizont geht's weiter" beim "Tiger von Madras"
Fassungs- bis Ratlosigkeit herrschte bei den Experten, als sie über das bis jetzt stattgefundene WM-Match bis spätabends fachsimpelten. Der Russe Vladimir Kramnik spielt eigentlich besser als der Inder Viswanathan Anand, er spielt doch die "Wahrheit", er ist doch der Wissenschaftler und "Künstler" am Brett. Er hat doch eigentlich durch die große Tradition der Russen im Schach, von Botwinnik über Tal zu Spassky, ganz abgesehen von den "Größsten der großen K's" aller Zeiten: Karpov, Kasparov und eben seiner "Wenigkeit", das verbriefte Recht auf das einzige ganzheitliche Denken im Hochleistungsbereich des Weltschachs. Besonders augenscheinlich wird dies immer dann, wenn es um die Frage der Bewertung der optimalen Turnierform um die Weltmeisterschaft geht: Zweikämpfe oder Turniere! Ganz anders werden da die Einschätzungen über die "ausserrussischen" Raoul Cabablanca, Robert James Fischer, Viswanathan Anand, mittlerweile auch schon Magnus Carlsen abgegeben. Von mangelnder Tiefe und fehlender ganzheitlicher Ausbildung wird da oft gesprochen bis hin zu Trickserei und Oberflächlichkeit beim Vortragen der Partien. "Nein, nein, das stimmt nicht", kommt es aus berufenen Großmeistermunde hier in Bonn, "nennt mir einen Fehler von Anand, den er in den ersten 5 Partien gemacht hat"! Die Experten-Runde grübelt und nach langem Nachdenken: "In der 3.Partie, der ersten Gewinnpartie mit Schwarz, hätte er im 33.Zug mit Läufer f5 schlägt Läufer d3 viel eindrucksvoller gewinnen können". Alle lachen und meinen: "Wenn man in Zeitnot den sicheren Gewinn, dem spektakulären Gewinn vorzieht, ist dies nicht wirklich ein Fehler". Viele der Anand-Skeptiker erinnerten gestern Abend, dass Anand oft nach einer Führung noch ein Match aus der Hand gegeben hat: 1995 nach 4:2 Führung gegen Kamsky in Shanghi Nagar, 1995 nach 5:4 Führung gegen Kasparov in New York. Doch eines muss man objektiv konstatieren, der Vishy von 1995 ist 13 Jahre älter geworden und hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gab und ist jetzt auf einem guten Weg sich seinen letzten schachlichen Wunsch zu erfüllen. So souverän wie er in Mexiko gespielt hat, mit dem Gewinn des nach 14 Jahren wiedervereinigten Schach-WM-Titels, könnte er hier in Bonn den WM-Titel verteidigen - fünf selbstbewusste erste Schritte wurden bereits getan von möglicher Weise zwölfen! "Go Anand Go" war gestern auf der ersten Fanmütze zu sehen, Daumendrücken, noch ist nichts gewonnen, außer zwei hochdramatischen und gleichermaßen interessanten Schwarzpartien
Aktuelle Tabelle, Ergebnisse und Terminplan
W M - B O N N
V. Anand
½
½
1
½
1
21.
30
23.
24.
26.
27.
29.
3½
V. Kramnik
½
½
0
½
0
Okt.
Okt.
Okt.
Okt.
Okt.
Okt.
Okt.
1½
Bilder von der 5.Partie
Herausforderer Vladimir Kramnik - Weltmeister Viswanathan Anand
Sie folgen der 3.Partie ... nach den 6.Zug
... nach den 14.Zug
Atemlose Stille beim 29.Zug ... Weiß verliert die Spielkontrolle
Unerträgliche Spannung 29.Zug 33. ... Se3 ein Schuß ins Herz
Bilder von der Pressekonferenz
GM Dr. Hübner hat Fragen zur Partie
GM Stefan Kindermann mitten unter den Journalisten