TopTurniere Sparkassen Chess-Meeting - Vladimir Kramnik alleiniger Sieger Remisquote mit 75% sehr hoch
01.07.2007 - Es stand nach der sechsten Runde so gut wie fest, und nun ist es Fakt, Vladimir Kramnik konnte zum achten Mal das Sparkassen Chess-Meeting in Dortmund für sich entscheiden und damit seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen. In der letzten Runde remisierte er gegen Evgeny Alekseev und sicherte sich so den alleinigen Turniersieg. Mit einem ganzen Punkt Rückstand folgen auf dem geteilten zweiten Platz Vishy Anand, Peter Leko und Evgeny Alekseev. Danach folgen wie an der Perlenkette aufgezogen Shakhriyar Mamedyarov, Magnus Carlsen, Boris Gelfand und Arkadij Naiditsch. Insgesamt kann man sagen, dass es ein friedliches Turnier war - die 75%-Remisquote ist ein deutliches Indiz dafür.
Die
Russische Verteidigung gehört zum Standard-Repertoire des Weltmeisters
und eignet sich hervorragend, um halbe Punkte zu sammeln. Daher konnte
jeder halbwegs informierte Schachfan mindestens die ersten vier Züge der
Partie Evgeny Alekseev und Vladimir Kramnik ohne Weiteres vorhersagen,
zumal es sich nicht nur auf sondern auch am Brett um ein rein russisches
Duell handelte. Wer jedoch gedacht hatte, dass dies gleichbedeutend mit
einem schnellen Remis sein würde, wird im Nachhinein zugeben müssen,
dass beide die Partie zumindest völlig ausspielten. Besonders aufregend
war sie sicherlich nicht, aber immerhin 31 Züge wurden gespielt und
nicht wie so oft nach 20 Zügen oder weniger eine unklare Stellung
abgebrochen. Für beide Kontrahenten war es ein prima Turnier. Für
Kramnik als alleiniger Gesamtsieger wird es auch eine Bestätigung sein,
dass er auf dem richtigen Weg gen WM-Titelverteidigung ist. Doch
zunächst darf er sich völlig verdient über den aktuellen Triumph freuen.
Er hat das Turnier von Beginn an dominiert und jede seiner Chancen
eiskalt genutzt. Damit festigt Kramnik auch seine zweite Position in der
Weltrangliste vor Veselin Topalov, was sich bestimmt auch positiv auf
das Allgemeinbefinden des Russen auswirken dürfte. Die Chess Tigers
jedenfalls freuen sich für ihr Ehrenmitglied und gratulieren herzlich!
Turniersieg Nr. 8 in Dortmund - Vladimir Kramnik
Spielte das Turnier seines Lebens - Evgeny Alekseev
Im Duell
der Mannschaftskameraden des Deutschen Meister OSC Baden-Baden führte
Magnus Carlsen gegen Vishy Anand die weißen Steine und und versuchte
sich in der gleichen Slawisch-Variante gegen den Inder wie schon in der
ersten Runde Vladimir Kramnik. Doch im 9. Zug wählte der Norweger eine
bisher noch nicht gespielte Fortsetzung. Aber eine wirkliche
Verbesserung hatte er damit wohl nicht entkorkt und vielmehr nur den
halben Punkt im Visier. Ruckzuck tauschten sich bis auf jeweils zwei
Leichtfiguren die Klötzchen ab, es folgten noch ein paar Züge im
entstandenen Endspiel, und dann einigte man sich nach 39 Zügen auf das
Remis. Magnus Carlsen wird mit seinem Abschneiden beim Chess-Meeting
sicherlich halbwegs zufrieden sein, da seine frisch erworbene ELO von +2700 auch
nach Dortmund Bestand haben wird. Für Vishy Anand, der es gewohnt ist,
stets um den Turniersieg zu spielen, steht unter dem Strich ein
verschmerzbares ELO-Minus und die Erkenntnis, dass er bei der WM in
Mexiko im September noch ein Schäufelchen wird zulegen müssen. Vorher
werden wir ihn aber noch bei den
Mainzer Chess Classic
sowohl seinen Weltmeistertitel im Schnellschach verteidigen sehen als
auch seine Chess960-Premiere. Wenn es Caissa weiterhin so gut mit ihm
meint, kann der Ehren-Chess Tiger in diesem Jahr sage und schreibe dreifacher Weltmeister
werden. Selbiges gilt übrigens auch für die aktuelle Nr. 8 der
Weltrangliste, Levon Aronian.
Bei allen WM-Kämpfen mischt er mit - Vishy Anand
Ungewohnt
aggressiv ging Peter Leko in der letzten Runde gegen Shakhriyar
Mamedyarov noch mal zu Werke, während er in den ersten fünf Runden eher
den Eindruck erweckt hatte, mal wieder Remiskönig werden zu wollen. Doch der
gestrige Sieg gegen Gelfand scheint ihm ein paar zusätzliche Körner
verschafft zu haben, die er heute gegen Shak in die Waagschale warf. In
einem interessanten sizilianischen Theorieduell erwirkte er einen viel
versprechenden Vorteil für sich, doch die Verwertung stand auf einem
anderen Blatt. Der Ungar gab sich alle Mühe, noch den alleinigen zweiten
Platz zu erreichen. Um den 46. Zug herum hatte sich Mamedyarov in die
bestmögliche Verteidigungsstellung begeben, während Lekos Figuren so
aktiv wie möglich standen. Dennoch, es schien einfach kein Durchkommen
zu geben, aber er versuchte es immer wieder, indem er lavierte, was das
Zeug hielt. Schließlich unternahm der 7. der Weltrangliste den entscheidenden Gewinnversuch,
aber das Resultat war nicht mehr, als ein Endspiel Turm plus Bauer gegen
Turm nach 107 Zügen, welches beim besten Willen nicht zu gewinnen war.
Während Shak mit glatten 50% und dem alleinigen fünften Rang ein paar
ELO-Pünktchen verlieren wird, darf Leko mit dem geteilten zweiten Rang
zufrieden sein, auch wenn er gehofft hat, mit einem Schlussrundensieg
diesen alleine belegen zu können. Wenn er diese Kampfeslaune bis nach
Mexiko konservieren und dann vielleicht mal von Beginn an zeigen kann,
ist er durchaus ein ernstzunehmender Kandidat auf den so ersehnten
WM-Titel.
Produzierte die einzige Seeschlange und den einzigen Schwarz-Sieg des Turniers - Peter Leko
Spielten beide solide aber auch nicht mehr - Shakhriyar Mamedyarov und Magnus Carlsen
Obwohl
Arkadij Naiditsch in diesem Jahr Letzter wurde, muss man ihm zugestehen,
dass er seine Haut dennoch tapfer verteidigt hat. Mutig versuchte er,
mit der Weltklasse Schritt zu halten, doch das Niveau ist eben doch noch
nicht ganz seine Kragenweite. Im heutigen Kellerduell gegen Boris
Gelfand musste er damit rechnen, dass sich der Israeli auf ihn stürzen
würde, um ein schlechtes Turnier wenigstens mit einem Schlussrundensieg
beenden zu können, doch die Wahrheit ist eine andere. Der Deutsche
Meister war es, der Mitte der Partie sogar das Angebot einer
Zugwiederholung ausschlug und noch mal etwas riskierte. Der zum
Weiterspielen genötigte Gelfand hatte in der Folge sogar die Chance, das
riskante Spiel seines Gegenübers vorteilhaft zu nutzen, aber es wurde
deutlich, dass er einfach keine Lust mehr hatte und sich danach sehnte,
dass das Turnier endlich vorüber sei. Nach 44 Zügen erlöste ihn
Naiditsch mit einem Remisangebot, welches dankbar angenommen wurde.
Mutig aber ohne Fortune - Arkadij Naiditsch
Nicht scharf genug in Dortmund - Boris Gelfand
Neben dem
Superturnier wurde beim Chess-Meeting in Dortmund übrigens noch ein
Match gespielt. Die beiden Alt-Meister Vlastimil Hort, seines Zeichens
amtierender Senioren-Weltmeister im Chess960, und die finnische
Schachlegende Heikki Westerinen spielten insgesamt vier Partien
gegeneinander. Die erste Begegnung endete noch unausgekämpft mit einem
Remis, doch dann schaltete Hort einen Gang höher und gewann die drei
restlichen Partien in souveräner Manier zum 3.5:0.5-Endstand.