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Sparkassen Chess-Meeting 2007 - Vorentscheidung gefallen
Vladimir Kramnik kurz vor Titelverteidigung
30.06.2007 - Eine Runde vor Schluss hat Weltmeister Vladmir Kramnik die Konkurrenz mit einem Sieg gegen Arkadij Naiditsch um einen vollen Zähler distanziert. Im direkten Verfolgerduell kam Vishy Anand gegen Evgeny Alekseev nicht über ein Remis hinaus, so dass Kramnik in der letzten Runde nur noch einen halben Zähler benötigt, um alleiniger Sieger des Sparkassen Chess-Meetings 2007 zu werden. Der geteilte Sieg jedenfalls ist ihm nicht mehr zu nehmen. Ebenfalls Grund zur Freude hatte heute Peter Leko, der in einer starken Partie den ersten Schwarzsieg des gesamten Turniers gegen Boris Gelfand landete. Shakhriyar Mamedyarov und Magnus Carlsen trennten sich dagegen rasch friedlich.

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Ein Hauch von Nostalgie kam zwischen Shak Mamedyarov und Magnus Carlsen auf, als sie heute eine Variante der Ragosin-Verteidigung des Damengambits spielten, die beispielsweise schon 1923 bei der US-Meisterschaft zwischen Emanuel Lasker und Frank Marshall zur Diskussion stand. Anders wie die alten Meister lieferten sich die beiden Jungmeister jedoch kein packendes Duell über mehr als 60 Züge. Nach 26 Zügen war man sich bereits einig, dass nichts mehr geht und einigte sich auf das Remis. Weitaus spannender ging es da schon zwischen Vishy Anand und Evgeny Alekseev her. Zunächst deutete die von Alekseev gewählte Russische Verteidigung eine lange Theorieschlacht an, doch die blieb nach lediglich 10 Zügen aus, als der Russe von bekannten Pfaden abließ. Wie immer sollen andere die Qualität bewerten, doch Vishy Anand erspielte sich in der Folge definitiv einen dauerhaften Vorteil. Warum er ihn letztlich nicht zum Sieg verdichten konnte, wird er vielleicht schon selbst analysiert haben, doch es lag ganz klar auch an der konzentrierten Verteidigung seines Gegners. Möglich, dass Alekseev am Ende eines fehlgeschlagenen Versuches des Inders, entscheidenden Vorteil zu erzielen, gar nicht recht realisierte, dass er selbst es war, der im entstandenen Endspiel Siegchancen hatte. Vermutlich wird er auch einfach froh gewesen sein, gegen die Nr. 1 der Welt überlebt zu haben, jedenfalls einigte man sich kurz darauf, die Friedenspfeife zu rauchen.

Trotzte der Nr. 1 mit Schwarz ein Remis ab -
Evgeny Alekseev

Eine sehr starke Leistung lieferte heute Peter Leko mit den schwarzen Steinen gegen Boris Gelfand ab. Der Israeli wählte die Meraner Variante des Damengambits in deren Verlauf Leko eine Bauernmajorität am Damenflügel erhielt, die sich als entscheidend herausstellen sollte. Als es ihm zudem gelang, die weiße Zentrumsstruktur zu schwächen, war endgültig klar, dass nur noch er um den vollen Punkt kämpfen konnte. Aus der Majorität wurde ein Freibauer, der schließlich perfekt unterstützt den ersten vollen Punkt für den Ungarn und damit den Sprung auf den geteilten zweiten Rang bedeutete. Eine mittlere Katastrophe ist indes dieses Chess-Meeting für Boris Gelfand, der sich deutlich unter Wert verkauft und dies mit einem ordentlichen ELO-Minus wird bezahlen müssen.

Peter Leko rettet die schwarze Ehre

Wie Arkadij Naiditsch gegen Katalanisch bisher zu spielen pflegt, darauf konnte sich Vladimir Kramnik im Vorfeld auf die sechste Runde gut vorbereiten, hatten beide diese Eröffnungsvariante doch bereits exakt vor einem Jahr an gleicher Stelle schon mal diskutiert. Damals teilten sie sich den Punkt, doch heute sollte Blut fließen. Vermutlich aus Sorge vor einer weltmeisterlichen Verbesserung wich der Deutsche schon im 8. Zug in eine Nebenvariante aus, in der im 11. Zug von Kramnik bisheriges Neuland betreten wurde, als dieser die Dame wieder nach d1 beorderte. Naiditsch ergriff die Gelegenheit beim Schopf und tauschte die Ladies ab, was ihm letztlich zwar eine Schwächung der Bauernstruktur am Damenflügel einbrachte, aber das schien sich verschmerzen zu lassen. Doch im weiteren Partieverlauf verstand es Kramnik einfach besser, seine Figuren zu koordinieren und sich so einen positionellen Vorteil zu erspielen. Um gewinnen zu können musste er jedoch etwas riskieren und so opferte er schließlich für die Aussicht, am Damenflügel zwei verbundene Freibauern zu bilden sogar seinen Springer. Unklar, ob er selbst sah, wie Naiditsch seine Remischancen hätte maximieren können, wichtig ist nur: Der Deutsche sah es nicht. So setzte sich am Ende der weiße b-Bauer durch und bescherte seinem Herrn neben einem stattlichen ELO-Plus vermutlich seinen achten Titel in Dortmund.

Mission "Titelverteidigung" so gut wie geschafft -
Vladimir Kramnik


Tabelle nach der 6. Runde

Rang

Name

Punkte

Leistung

Neu

Diff.

1. Kramnik (2772) 4.5 2918 2783 +11
2. Anand (2786) 3.5 2782 2786 0
Leko (2738) 3.5 2780 2741 +3
Alekseev (2679) 3.5 2786 2688 +9
5. Mamedyarov (2757) 3.0 2720 2754 -3
6. Carlsen (2693) 2.5 2662 2690 -3
7. Gelfand (2733) 2.0 2616 2723 -10
8. Naiditsch (2654) 1.5 2539 2645 -9

Durchschnitt Rating: 2726 – Kategorie: 20


Remis-Statistik

Runde Weiß-Siege Schwarz-Siege Remis Remis in %
1 1 0 3 75
2 2 0 2 50
3 0 0 4 100
4 2 0 2 50
5 0 0 4 100
6 1 1 2 50
Total: 6 1 17 71


Paarungen

Runde 1 - Samstag, 23. Juni 2007

Kramnik - Anand ½
Gelfand - Alekseev ½
Mamedyarov - Naiditsch 1-0
Carlsen - Leko ½

Runde 2 - Sonntag, 24. Juni 2007

Anand - Leko ½
Naiditsch - Carlsen ½
Alekseev - Mamedyarov 1-0
Kramnik - Gelfand 1-0

Runde 3 - Dienstag, 26. Juni 2007

Gelfand - Anand ½
Mamedyarov - Kramnik ½
Carlsen - Alekseev ½
Leko - Naiditsch ½

Runde 4 - Mittwoch, 27. Juni 2007

Anand - Naiditsch 1-0
Alekseev - Leko ½
Kramnik - Carlsen 1-0
Gelfand - Mamedyarov ½

Runde 5 - Freitag, 29. Juni 2007

Mamedyarov - Anand ½
Carlsen - Gelfand ½
Leko - Kramnik ½
Naiditsch - Alekseev ½

Runde 6 - Samstag, 30. Juni 2007

Anand - Alekseev ½
Kramnik - Naiditsch 1-0
Gelfand - Leko 0-1
Mamedyarov - Carlsen ½

Runde 7 - Sonntag, 01. Juli 2007

Carlsen - Anand
Leko - Mamedyarov
Naiditsch - Gelfand
Alekseev - Kramnik

Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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