TopTurniere Sparkassen Chess-Meeting 2007 - Kramnik und Alekseev siegen Montag ist Ruhetag!
24.06.2007 - Der eine kennt das Gefühl bereits zur Genüge, und für den anderen ist es wie das berühmte erste Mal. Vladimir Kramnik und Evgeny Alekseev sind die beiden Führenden beim Dortmunder Chess-Meeting nach zwei gespielten Runden. Der Weltmeister besiegte in einer langen Partie Boris Gelfand und gegen Alekseev hatte Shakhriyar Mamedyarov das Nachsehen. Die beiden anderen Begegenungen endeten ausgekämpft remis. Am Montag können die Spieler die Gegend in und um die Ruhrmetropole unsicher machen, bevor es dann am Dienstag erholt in die dritte Runde geht.
Vier
Spieler des Chess-Meetings werden sich bei der WM 2007 wiedersehen, und
auch heute blieben sie quasi zur Probe ganz unter sich. Vishy Anand
führte die weißen Steine gegen Mexiko-Qualifikant Peter Leko, und
Titelverteidiger (sowohl in Mexiko als auch in Dortmund) Vladimir
Kramnik musste gegen das Weltklasse-Urgestein Boris Gelfand ran. So
unterschiedlich diese beiden Partien verliefen, so interessant waren sie
auch.
Vishy
setzt nach wie vor auf den Doppelschritt mit dem e-Bauer im ersten Zug.
Wenn man das gegen Leko tut, leuchten sofort sämtliche
Marshall-Alarmlampen auf, doch dieses Mal wich Anand nicht aus. Hatte er
etwas Neues vorbereitet, um Lekos Leib- und Magenvariante einer neuerlichen
Prüfung zu unterziehen? Nun, das wird sich möglicherweise in Mexiko
zeigen, heute jedoch war es eher der Ungar, der einen für ihn neuen Weg
beschritt. 17...Dh5!? kam bisher in der Weltklasse nicht aufs Brett, und
18...Te7 war dann die wohl vorbereitete Neuerung. Über die Qualität
dieses Zuges sollen stärkere Spieler urteilen, aber immerhin brachte er
damit den Inder zum Nachdenken, was ja an sich schon eine beachtliche Leistung
ist. Jedenfalls entschloss sich die Nummer 1 der Welt, kein allzu großes
Risiko zu fahren, und so tauschten sich alsbald sämtliche Schwerfiguren
ab und hinterließen trotz des obligatorischen weißen Mehrbauers eine
remisliche Stellung. Das sahen die Kontrahenten im 29. genauso und
reichten sich die Hände zum Friedensschluss. Völlig anders gestaltete
sich das Damengambit zwischen Vladimir Kramnik und Boris Gelfand. In
einem Zweig der Anti-Meraner-Variante brachte der Weltmeister mit 16.Df4
einen neuen Zug. In der Folge erspielte er sich einen leichten aber
dauerhaften Vorteil, so dass bald klar war, dass es nur noch darum ging,
ob Gelfand sich würde halten können oder eben nicht. Um sich mit einem
doppelten Turmtausch entlasten zu können, gestattete der Israeli seinem
Gegner einen gedeckten Freibauer. Um diesem besser Herr werden zu können
gab Gelfand später noch seinen e-Bauer her, und tatsächlich schien die
Rechnung aufzugehen. Als sich dann die schwarze Dame auch noch scheinbar
gefährlich dem weltmeisterlichen König näherte, zog Kramnik per
Damentausch die Notbremse mit dem Wissen, dass er nun völlig ohne Gefahr
mit Springer gegen Läufer plus Mehrbauer noch etwas versuchen konnte.
Die Wahrscheinlichkeit, dass das Endspiel Remischarakter trägt, ist
recht hoch, doch der ausgewiesene Endspielexperte Gelfand fand keine
Lösung und musste sich nach 62 Zügen und einer harten Schlacht schließlich
dem gegnerischen Siegeswillen beugen. Damit übernimmt Kramnik in seinem
Dortmunder Wohnzimmer mal wieder die Führungsposition. Besonders gut für
die Psyche ist dabei natürlich, dass er einen seiner Gegner bei der WM
in Mexiko schonmal vorweg einen Dämpfer verpasst hat.
Verteidigt trotz angekratzter Gesundheit sein Wohnzimmer
mit Elan - Vladimir Kramnik
Wie es
aussieht, haben sich die Gegner von Arkadij Naiditsch vorgenommen, den
Deutschen mit ungewöhnlichen Eröffnungen zum Straucheln zu bringen.
Heute spielte er mit Weiß gegen Magnus Carlsen, und dieser reagierte auf
Naiditschs Abtauschspanier mit dem selten gespielten 5...Df6 und dürfte
seinen Gegner damit überrascht haben. Jedenfalls machte Naiditsch in der
Folge keinerlei ernsthafte Anstalten, den Norweger irgendwie unter Druck
zu setzen, und man konnte deutlich merken, dass er jederzeit mit einem
Remis einverstanden war. Da auch Carlsen nicht wirklich etwas
Produktives einfiel, kam die gerechte Teilung des Punktes nach 35 Zügen
nicht überraschend.
Ein Sieg gegen die Nr. 6 der Welt
versüßt den ersten Ruhetag - Evgeny Alekseev
Spätestens
seit seinem alleinigen Sieg beim Aeroflot Open 2007 in Moskau weiß man
auch in der erweiterten Weltspitze, dass Evgeny Alekseev ein
ernstzunehmender Gegner ist. Der Sieg bei diesem prestigeträchtigen Open
bedeutete jedoch nicht nur Ruhm und Aufmerksamkeit, er war zugleich auch
das Ticket nach Dortmund. Den größten Wunsch, den man dann für so ein
Superturnier hat, ist bestimmt, nicht völlig unterzugehen und den Stars
einen guten Kampf zu liefern. Und sollte dabei sogar ein Sieg
herausspringen, ist die Glückseligkeit perfekt. Nach einem sicheren
Remis gestern gegen Boris Gelfand, nahm der Frischling heute allen Mut
zusammen und lieferte sich ein knallhartes sizilianisches Theorieduell
mit Shak Mamedyarov - seines Zeichens mittlerweile schon die Nr. 6 der
Weltrangliste. Im 27. Zug opferte Mamedyarov einen Turm für Läufer und
Bauer, doch Alekseev konsolidierte seine Stellung konzentriert,
koordinierte seine Kräfte optimal und wehrte schließlich alle schwarzen
Versuche, an den weißen Monarchen heranzukommen, ab. Danach brauchte er
nur noch seinen Materialvorteil verwerten und fuhr damit seinen ersten
Sieg und die geteilte Führung in der Tabelle bei einem Superturnier ein.