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Sparkassen Chess-Meeting 2007 gestartet
Mamedyarov schlägt Naiditsch
23.06.2007 - Die erfahrenen Dortmund-Spieler Kramnik, Anand, Leko und Gelfand gingen es in der ersten Runde des Chess-Meeting 2007 gewohnt gemächlich an, doch Shakhriyar Mamedyarov wollte gegen den über 100 ELO-Punkte leichteren Arkadij Naiditsch unbedingt gewinnen. Während sich die anderen Weltklassespieler recht friedlich und früh von der Bühne verabschiedeten, setzte der Aserbaidschaner seinem Gegner ordentlich zu und erspielte sich bei seiner ersten Dortmund-Visite gleich in seiner ersten Partie einen verdienten Sieg und damit die Führung im Turnier.

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Alle Partien zum Nachspielen und Downloaden

Gleich mit der Top-Paarung des Kategorie 20-Turniers ist das diesjährige Chess-Meeting in Dortmund gestartet. Seine Teilnahme war bis kurz vor Turnierbeginn aus gesundheitlichen Gründen fraglich, doch der Weltmeister und Dortmund-Sieger 2006, Vladimir Kramnik, fühlt sich offenbar stark genug und trat zur Auftaktpartie gegen die Nummer 1 der Welt, Vishy Anand, an. Beide sind Mitglieder bei den Chess Tigers - Kramnik gibt den Schach-Förderverein auf seiner Homepage sogar als seinen "German Chess Club" an -, was der Partie aus Tigersicht natürlich besondere Brisanz verlieh. Gespielt wurde ein slawisches Damengambit in welchem sich Kramnik als Weißer nicht mehr als einen eher symbolischen Vorteil erspielen konnte. Routiniert hielt Vishy die Stellung zusammen und wickelte schließlich in ein Damenendspiel ab. Nach 35 Zügen offerierte Kramnik das Remis und Anand akzeptierte.

Der Spielort - das Schauspielhaus in Dortmund

Die zweite Spitzenpaarung des Tages war die zwischen dem Aufsteiger des Jahres, Magnus Carlsen, und dem zweifachen Dortmund-Sieger (1999 und 2002), Peter Leko. Aufs Brett gezaubert wurde eine eher selten gespielte Variante der Spanischen Verteidigung, in der keiner der beiden einen verwertbaren Vorteil erzielen konnte. Nach 29 Zügen einigte man sich daher auf ein gerechtes Remis. Remis Nummer 3 fabrizierten Boris Gelfand und Evgeny Alekseev. Wirkliche Gefahr vermochte der israelische Top-GM gegen den 21-jährigen Sieger des Moskauer Aeroflot Opens mit der Englischen Eröffnung nicht aufzubauen, und so trennte man sich nach enttäuschenden 23 Zügen friedlich.

Geht bei seiner ersten Teilnahme in
Dortmund gleich mal in Führung -
Shakhriyar Mamedyarov

Den längsten Arbeitstag bereiteten sich die Nr. 6 der Welt, Shakhriyar Mamedyarov und der aktuelle Deutsche Meister, Arkadij Naiditsch. Obwohl von dem Aserbaidschaner mit einer seltenen Variante des Zweispringerspiels konfrontiert, überstand Naiditsch die Eröffnung halbwegs gut, doch in der Folge spielte nur noch sein Gegner. Spätestens, als der Deutsche im 25. Zug den Tausch der Damen und die damit verbundene Schwächung seiner Bauernstruktur erlaubte, war Mamedyarov auf der Siegerstraße. Das resultierende Endspiel war kaum zu halten und nach 44 Zügen musste Naiditsch das Handtuch werfen.

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Ein Novum in der Schachgeschichte ist die Tatsache, dass beim diesjährigen Chess-Meeting besondere Maßnahmen getroffen werden, um mögliche Betrügereien zu verhindern. So werden die Spieler vor den Runden mit einem Metalldetektor nach unerlaubten technischen Geräten untersucht, und die Partien selbst werden mit 15-minütiger Verzögerung ins Netz gestellt, um potentiellen Helfern von Außen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Der Versuch, aktiv gegen Doping beim Schach vorzugehen, verdient sicherlich ebenso Respekt wie auch, dass ein deutsches Superturnier dem Betrug den Kampf ansagt. Doch kann es wirklich die Lösung sein, unseren Schachidolen die nicht wirklich schwere Entscheidung, ob sie fair spielen wollen oder nicht, dadurch abzunehmen, indem man sie filzt und am besten auf Schritt und Tritt während jeder Sekunde einer Partie überwacht? Wir sind doch nicht beim Radsport, wo eine Portion gedoptes Eigenblut zum normalen Speiseplan gehört. Dort würde es Sinn machen, jeden einzelnen Fahrer vor einem Rennen zu testen. Aus dem Schachsport jedoch sind die Einzelfälle, in denen nachweislich betrogen wurde, nur deshalb so brisant und bekannt, weil es eben Einzelfälle sind! Das ist auch gut so, aber dabei sind unter den Überführten keine wirklichen Promis. Und dass die Gruppe derer, die glauben, dass Veselin Topalov in einigen seiner Partien zu viel Kontakt mit seinem Manager Silvio Danailov hatte, recht groß ist, rechtfertigt nicht, dass man nun ausgerechnet die Weltelite als potentielle Gangster brandmarkt.

So wird eine ordinäre Toilette zum Rechenzentrum

Wenn auf Meisterebene geschummelt wird, dann sicherlich eher in Form von erkauften Normen und Phantom-Turnieren, in denen kein Zug gespielt wurde. Ansonsten ist die Bereitschaft zum Beschiss bei Amateur- und Jugendturnieren weitaus höher. Dort ist es natürlich an den Veranstaltern, ihre Schiedsrichter so zu instruieren, dass sie ein Auge auf allzu aktive Elternteile und dauernde Toilettengänger haben. Oder will man den Eltern künftig das Zuschauen untersagen, und die Spieler einzeln mit einem Metalldetektor untersuchen? Natürlich nicht, obwohl die Wahrscheinlichkeit des Betruges dort viel höher ist als bei einem Weltklasseturnier. Sinnvoller scheint da doch, beispielsweise nicht nur einen Schiedsrichter vor Ort zu haben, der im schlimmsten Fall sogar noch selbst mitspielt, sondern ein Schiri-Team wie beispielsweise bei den Mainzer Chess Classic. Und noch etwas könnte dem Betrug Vorschub leisten: drakonische Strafen! Wer schummelt oder daran beteiligt ist, wird öffentlich angeprangert und für eine gewisse Zeit und schlimmsten Falls sogar auf Lebenszeit vom entsprechenden Event oder sogar dem allgemeinen Spielbetrieb gesperrt. Wenn wir stattdessen anfangen, jeden Schachspieler als möglichen Betrüger zu sehen, und ihn vor den Partien auf verdächtige Gerätschaften untersuchen, beweist das lediglich die Angst davor, klar und deutlich entscheiden zu müssen, wenn wirklich mal wieder einer seine Partie nicht alleine spielen kann.

Tabelle nach der 1. Runde

Rang

Name

Punkte

Leistung

Neu

Diff.

1. Mamedyarov (2757) 1.0 ---- 2761 +4
2. Anand (2786) 0.5 2772 2786 0
Kramnik (2772) 0.5 2786 2772 0
Leko (2738) 0.5 2693 2737 -1
Gelfand (2733) 0.5 2679 2732 -1
Carlsen (2693) 0.5 2738 2694 +1
Alekseev (2679) 0.5 2733 2680 +1
8. Naiditsch (2654) 0.0 ---- 2650 -4

Durchschnitt Rating: 2726 – Kategorie: 20

Remis-Statistik

Runde Weiß-Siege Schwarz-Siege Remis Remis in %
1 1 0 3 75
Total: 1 0 3 75

Paarungen

Runde 1 - Samstag, 23. Juni 2007

Kramnik - Anand ½
Gelfand - Alekseev ½
Mamedyarov - Naiditsch 1-0
Carlsen - Leko ½

Runde 2 - Sonntag, 24. Juni 2007

Anand - Leko
Naiditsch - Carlsen
Alekseev - Mamedyarov
Kramnik - Gelfand

Runde 3 - Dienstag, 26. Juni 2007

Gelfand - Anand
Mamedyarov - Kramnik
Carlsen - Alekseev
Leko - Naiditsch

Runde 4 - Mittwoch, 27. Juni 2007

Anand - Naiditsch
Alekseev - Leko
Kramnik - Carlsen
Gelfand - Mamedyarov

Runde 5 - Freitag, 29. Juni 2007

Mamedyarov - Anand
Carlsen - Gelfand
Leko - Kramnik
Naiditsch - Alekseev

Runde 6 - Samstag, 30. Juni 2007

Anand - Alekseev
Kramnik - Naiditsch
Gelfand - Leko
Mamedyarov - Carlsen

Runde 7 - Sonntag, 01. Juli 2007

Carlsen - Anand
Leko - Mamedyarov
Naiditsch - Gelfand
Alekseev - Kramnik

Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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