29.03.2007 - Mit diesem Triumph beim 16. Amber Blindfold and Rapid Chess Tournament ist Vladimir Kramnik der erfolgreichste Spieler in Monaco. Zum insgesamt sechsten Mal sicherte er sich den Gesamtsieg, doch schon im nächsten Jahr könnte Vishy Anand wieder gleichziehen, denn der Inder hat ebenfalls schon fünf Mal im Fürstentum am Mittelmeer gesiegt. Mit schier unglaublichen 9 Punkten dominierte Kramnik die Blindschachwertung wie keiner vor ihm und kam auch beim Schnellschach noch auf den zweiten Rang vor. Allerdings satte zwei Zähler hinter Anand, der mit 8.5 Punkten nicht minder souverän siegte. Etwas im Schatten der beiden erreichte Vassily Ivanchuk den dritten Platz. Der Ukrainer stach in keiner Disziplin außergewöhnlich hervor, spielte aber in beiden mit jeweils 6.5 Punkten "+1" sehr stark und vergab erst in der Schlussrunde den zweiten Rang.
Ohne Ansicht der
Figuren unschlagbar in Monaco
- Vladimir Kramnik
Der beste Blindschachspieler 2006
war bekanntlich Alexander Morozevich, doch in diesem Jahr lief es nicht
ganz so gut. Allerdings hat er sich mit seinem heutigen Sieg über Peter
Svidler mit 7/11 und Rang 2 in der Endabrechnung doch beachtlich aus der Affäre gezogen. Wie schon in
Linares diesen Jahres "verteidigte" sich Moro gegen Svidler 1.e4
Französisch, und wieder setzte es eine knackige Niederlage für den St.
Petersburger. Zwar griff Svidler zu einer anderen Variante, und zunächst
sah es auch gar nicht so schlecht aus für ihn, aber Morozevich erfand ein
starkes Gegenspiel, welches seinen Gegner so überraschte, dass dieser den
Überblick verlor und die Dame einstellte. Amüsant war die Begegnung
zwischen Peter Leko und Teimour Radjabov. Denn laut der offiziellen Seite
hätte Francisco Vallejo gegen Vladimir Kramnik auf dem Programm gestanden,
aber die Organisation in Monaco hatte wohl recht kurzfristig beschlossen,
dass die drei einzigen Spieler, die noch Chancen fürs Gesamtklassement
hatten, ihre Partien auch zeitgleich austragen sollten. Daher mussten Leko
und Radjabov früher ran, was ja auch gar nicht ungeschickt war, aber im
Fürstentum hatte wohl niemand daran gedacht, diese Info auch den Fans im
Internet zugänglich zu machen. So war man sich nicht sicher, ob sich auf
der offiziellen Seite schlicht ein Fehler eingeschlichen hatte oder
tatsächlich Leko gegen Radjabov spielte. Allerdings spätestens, als
Schwarz mit 3...f5!? das Jänisch-Gambit der Spanischen Verteidigung
einleitete, konnte man absolut gewiss sein, nicht den Weltmeister spielen
zu sehen! Der Partieverlauf selbst war ebenfalls recht unterhaltsam,
Radjabov erspielte sich ein vorteilhaftes Turmendspiel, doch Leko holte
die Kohlen mit geübter Remistechnik nochmals aus dem Feuer.
Aronian - Ivanchuk nach
42.bxc3
Mit einem blauen Auge kam auch
Magnus Carlsen gegen Loek van Wely davon. Der Norweger stand bald
schlechter, doch er rettete sich in ein Remisendspiel. Dann folgten die
drei letzten Blindpartien in Monaco für dieses Jahr. Wer jedoch durch die
Umstellung bei der Partienreihenfolge wirklich ernsthaft auf Spannung
gehofft hatte, wurde erwartungsgemäß enttäuscht. Francisco Vallejo
versuchte schlicht gar nichts, um Vladimir Kramnik zu gefährden und bot
dem Weltmeister nach nur 23 Zügen das Remis an, welches dieser natürlich
akzeptierte und damit den Gesamtsieg absicherte. Doch wer will es dem
Spanier vorwerfen, dass er nach einem alles andere als guten Turnier in
der letzten Runde nicht mehr alles riskiert? Es mag ja unwichtig
erscheinen, aber für Vallejo ging es schließlich auch darum, nicht
Gesamtletzter zu werden. Mehr war für ihn in Monaco nicht drin, doch
wenigstens das wollte er erreichen. Somit ging es fortan nur noch um die
Frage, wer Gesamtzweiter wird und dort hatte nach dem Blindschach Vishy
Anand die Nase knapp vorne vor Vassily Ivanchuk, während der Inder rasch
mit Boris Gelfand remisierte, musste der Ukrainer gegen Levon Aronian ein
schlechtes Turmendspiel verteidigen. Es sollte ihm nicht gelingen, was dem
Armenier eine Genugtuung gewesen sein wird, war es ihm gestern noch gegen
Radjabov ähnlich ergangen.
Der Schnellste der Welt - Vishy
Anand
In der Blindschachsession floss dann nochmals richtig Blut.
Den Reigen eröffnete Peter Leko mit den schwarzen Steinen gegen Teimour
Radjabov. Leko wählte den Nimzoinder und erwischte seinen Gegner damit offenbar
auf dem falschen Fuß. Alsbald hatte er dem Aserbaidschaner einen Bauer und wenig
später auch den vollen Punkt genommen. Mächtig ausgeteilt wurde auch zwischen
Alexander Morozevich und Peter Svidler. Erst sah es so aus, als wolle Moro
seinen nahezu doppelt so schweren Gegner aus der Eröffnung heraus umpusten, aber
Svidler hatte tiefer gerechnet und schlug, als Moro mal Luft holen musste,
erbarmungslos zurück. Technisch nicht perfekt, aber allemal sehenswert, was
beide Spieler nicht nur heute zu bieten hatten! Die längste Partie der ersten
Schnellschachhälfte trugen Loek van Wely und Magnus Carlsen aus. Stramme 56 Züge
wehrte sich van Wely erfolglos gegen den norwegischen Siegeshunger. Am
Ende war Carlsen satt und der Niederländer geschlagen. Anschließend setzten sich
die drei Führenden der Gesamtwertung zum letzten Akt in Monaco ans Brett. Wie
schon in ihrer Blindpartie sahen Vishy Anand und Boris Gelfand beim
Schnellschach keinen Grund, sich gegenseitig weh zu tun und schmauchten die
Pfeife des Friedens nach nur 22 Zügen. Gut doppelt so lange dauerte das Duell
zwischen Vassily Ivanchuk und Levon Aronian, doch das Ergebnis ward das gleiche.
Somit hatte Vladimir Kramnik selbst die Ehre, als Gesamtsieger auch die letzte
Partie beim 16. Amber Blindfold and Rapid Tournament spielen zu dürfen. 36 Züge
lang versuchte er tatsächlich, seinen Vorsprung mit einem Sieg gegen Francisco
Vallejo noch um einen halben Zähler zu erhöhen, doch der Spanier wehrte sich
tapfer und trotzte dem Weltmeister.
Die
Chess Tigers gratulieren herzlich dem Gesamt- und Blindschachsieger Vladimir
Kramnik und ferner Vishy Anand zum Gewinn der Schnellschachwertung!