TopTurniere Monaco 2007 R9 - Tolles Schach in Monaco! Kramnik kurz vor Gesamtsieg
27.03.2007 - Wirklich geniales Schach gab es in der neunten Runde beim 16. Amber Blindfold and Rapid Chess Tournament zu sehen. Im Blindschach brillierte heute besonders Levon Aronian, als er Vishy Anand schlug, doch dieser zahlte im Schnellschach mit gleicher Münze zurück und darf berechtigte Hoffnungen hegen, in dieser Wertung den angestrebten Gesamtsieg zu erreichen. Im Blindschach ist spätestens jetzt die Messe gelesen - Vladimir Kramnik ist schlicht zu stark und wird wohl auch in der Gesamtwertung keinen mehr an sich heran lassen.
Nicht alle Turmendspiele sind remis! - Francisco Vallejo Pons
Zwischen Magnus Carlsen und
Vladimir Kramnik gab es in der ersten Blindschachsession der neunten Runde
ein 26-zügiges Remis, in völlig unausgekämpfter Stellung. Was war
passiert? Will Kramnik seinen Gesamtsieg absichern? Nein, Tatsache ist,
dass Carlsen besser stand! Aber wie sein bisheriger Blindschach-Score
bestätigt, ist das nicht gerade seine Paradedisziplin und so akzeptierte
er das völlig verständliche Remisangebot des Russen an. Ein halber Punkt
gegen den Weltmeister macht sich immer gut in der Vita. Nicht langweilig
aber auch nicht gerade berauschend war das Remis zwischen Peter Svidler
und Loek van Wely. Svidler, noch mit Chancen im Klassement, gab sich
sichtlich Mühe, gegen den Niederländer etwas Verwertbares herauszupressen,
aber es sollte halt nicht sein. Mysteriöses ereignete sich zwischen
Francisco Vallejo und Alexander Morozevich. Nach einer starken Partie
hatte sich der Spanier ein schwieriges wohl aber gewinnbares Turmendspiel
erarbeiten, doch gerade, als es an die Verwertung gehen sollte, meldete
die offizielle Seite, dass Moro die Waffen gestreckt habe. Okay, etwas
früh vielleicht, aber letztlich okay. Einige Zeit später wurde das
Ergebnis jedoch korrigiert und der Punkt plötzlich geteilt. So ganz
trivial ist die Gewinnführung in der Diagrammstellung (unten) nicht -, aber
mächtig geärgert haben wird er sich vor dem Rückspiel in der
Schnellschachsession mit Sicherheit.
Nachträgliche Anmerkung: Spätere Analysen u. a. mit GM Klaus Bischoff haben ergeben, dass die Stellung wohl tatsächlich remis ist!
Vallejo - Morozevich
Zuletzt zog Weiß 52.Tb4-b3 und
bot dabei Remis an, was Schwarz natürlich akzeptierte - Doch ist die
Stellung auch wirklich remis?
Die zweite Hälfte im Blindschach
hatte es dann so richtig in sich. Keine Partie endete unentschieden. Erst
überrannte Boris Gelfand den Königsinder von Teimour Radjabov mit einem
Mattangriff á la carte, und kurz darauf musste Vishy Anand gegen Levon
Aronian das Handtuch werfen. Mit einer bärenstarken Vorstellung schlug der
Chess960-Weltmeister den Tiger von Madras und ließ keinen Unterschied zu
einer Partie mit Ansicht der Figuren erkennen. Und zu guter Letzt setzte
es für Peter Leko gegen Vassily Ivanchuk eine weitere Niederlage. Erst sah
es so aus, als sei der Ukrainer fest unter ungarischer Kontrolle, und Leko
kassierte auch einen Bauer, aber spätestens, als er völlig unnötig seinen
König mit 29.g2-g4?? entblößte, wendete sich das Blatt. Ruckzuck hatte Chucky
aus einem Minusbauer einen Mehrbauer gemacht, den Leko mit seinem luftigen
Monarchen nicht mehr kompensieren konnte.
Anand - Aronian nach zuletzt
44.Kh4-h5!
Während Computer hier noch ein
Remis wittern, ist die Messe in Wahrheit schon längst gelesen!
Eine Demonstration des
Anzugsvorteils war dann die erste Hälfte der Schnellschachsession. Alle
drei Partien endeten mit einem Weißsieg. Mit einer Neuerung im Damengambit
pustete zunächst Vladimir Kramnik seinen Gegner Magnus Carlsen um, der
sich nun vielleicht doch etwas grämt, in der Blindpartie zu wenig Mut zum
Spiel auf Sieg gehabt zu haben. Loek van Wely tat das Seinige, um zu
beweisen, dass der Königsinder zwar wieder etwas in Mode gekommen ist,
aber Weiß dennoch über gute Chancen verfügt. Dran glauben musste Peter
Svidler. Ebenfalls völlig ungefährdet war der Sieg von Alexander
Morozevich gegen Francisco Vallejo, was hauptsächlich daran lag, dass Weiß
rochierte und Schwarz nicht. Ausgeglichen und auch nicht wirklich
aufregend verlief das Remis zwischen Vassily Ivanchuk und Peter Leko. Nach
30 Zügen war die Stellung ausgekämpft. Nicht minder eindrucksvoll, wie
Levon Aronian in der Blindpartie spielte, revanchierte sich Vishy Anand
bei ihm in der Schnellpartie. Besonders souverän die Verwertung des
ungleichfarbigen Läuferendspiels, die Anand zeigte. Während viele Experten
schon "Remis!" unkten, enttarnten sie sich damit nur als faule
Engine-Benutzer, denn Schachprogramme brauchen naturgemäß immer etwas
länger, bevor sie diese Endspiele durchschauen. Dass Teimour Radjabov und
Boris Gelfand die Letzten am Brett waren, lag hauptsächlich daran, dass
beide die Eröffnung eher gemütlich angingen und kräftig Bedenkzeit
investierten. Anschließend schien Gelfand leichte Vorteile zu haben, doch
letztlich landete man in einem Remisendspiel.