TopTurniere Monaco 2007 R5 - Trio an der Spitze Anand mit Doppelsieg gegen van Wely wieder dran
22.03.2007 - Hätte man den Spieler der fünften Runde zu wählen, so kämen nur zwei in Betracht - nämlich Vishy Anand oder Vassily Ivanchuk. Letzterer schlug den Führenden Vladimir Kramnik 1.5-0.5 und zog damit gleich an die Spitze der Gesamtwertung. Chess Tiger Anand erhöhte gar noch und verpasste Loek van Wely mit 2-0 die Höchststrafe. Im Schnellschach gewohnt weltmeisterlich gelang ihm zuvor in der Blindpartie ein wunderschöner Opferangriff. Auch noch im Rennen um den Gesamtsieg ist natürlich der nun ebenfalls führende Levon Aronian und einen Zähler dahinter Peter Svidler. Nochmals einen Punkt weniger haben Boris Gelfand und Peter Leko. Letzterer hatte in der fünften Runde sprichwörtlich den Papst in der Tasche, als Magnus Carlsen sich seiner Sache zu sicher war und den Sieg schon in trockenen Tüchern glaubte. Details finden Sie im folgenden Bericht.
Blind top, beim
Schnellschach heute ein Flop - Boris Gelfand
Die erste beendete Partie der fünften Runde war die zwischen Boris Gelfand
und Francisco Vallejo. Der Spanier kannte den überraschenden Italiener des
Israeli offenkundig nicht so genau und war flugs einen Bauer los. Aus
diesem Mehrmaterial bildete Gelfand einen Freibauer, mit dem er dann den
Rest erledigte und souverän gewann. Die Nächsten, die sich die Hände
reichten, waren Magnus Carlsen und Peter Leko. Zwar konnte keiner
entscheidenden Vorteil erzwingen, doch sie boten dem Publikum ein extrem
spannendes Blinduell. Carlsen versuchte, den schwarzen König am
Damenflügel zu stellen, doch in den wichtigen Momenten behielt Leko einen
kühlen Kopf, und so einigte man sich nach 37 Zügen auf ein gerechtes
Remis. Zwischen den Chess960-Weltmeistern Peter Svidler und Levon
Aronian gab es ebenfalls die Punktteilung, doch auch sie fighteten bis zum
Schluss. Svidler konnte zwar einen Bauer gewinnen, doch Aronian fand den
Weg ins Remisendspiel. Eher trist wirkte dagegen das Remis zwischen
Vladimir Kramnik und Vassily Ivanchuk. Nach nur 22 Zügen war der Blindflug
vorbei. Auch nur drei Züge mehr spielten Vishy Anand und Loek van Wely,
allerdings mit dem Unterschied, dass der Inder seinen Blindscore um einen
vollen Zähler erhöhte, indem er van Wely glatt überspielte. Recht
spekulativ hatte Vishy seinen g-Bauer nach g6 getrieben, doch statt diesen
zu entfernen, gestattete der Niederländer, dass sich der Bauer nach f7
durchfraß und im Anschluss ein tödliches Turmopfer erlaubte. Die letzte
Blindvorstellung des Tages gaben Alexander Morozevich und Teimour
Radjabov. Ersterer stellte nach spannendem Eröffnungsverlauf unvermittelt
einen Bauer ein, aber zu seinem Glück traute sich Radjabov in der Folge nicht,
kompromisslos auf Sieg zu spielen und bot stattdessen bei knapper
Bedenkzeit eine Zugwiederholung an.
Dann
waren die Stars wieder gefragt, ihr Können im Schnellschach unter Beweis
zu stellen, und bei nicht jeder Partie war ein deutlicher Unterschied zum
Blindschach festzustellen. Das schmälert mitnichten den Unterhaltungswert
dieser Partien! Ganz im Gegenteil, in der Begegnung Peter
Leko versus Magnus Carlsen ging es so hoch her, dass man beinahe vergaß,
auch die beiden weiteren Partien zu verfolgen. Mit einer fragwürdigen
Neuerung im Slawen geriet Leko ruckzuck in Nachteil und war schon so gut
wie überspielt, da leistete sich Carlsen einen schweren Lapsus, welcher
die Partie letzten Endes in ein Remis münden ließ. In der rechten
Diagrammstellung scheint ein halber Punkt für Weiß, reine Utopie zu sein.
Warum es dennoch so kam, erklären am Besten die Varianten in den
nachspielbaren Partien. Danach
bot ihm der Ungar später sogar nochmals die Kehle, doch da ward die
norwegische Bedenkzeit schon arg geschmolzen und der Gewinnweg ungleich
schwerer zu finden. Im "Rückspiel" zwischen Levon Aronian und Peter
Svidler waren sich beide in der SP 518 abermals ebenbürtig und remisierten
nach 62 Zügen. Genugtuung für
die Niederlage in der Blindpartie wollte Francisco Vallejo gegen Boris
Gelfand, und er sollte sie bekommen. Der Spanier in Diensten des alten
und vermutlich auch neuen Deutschen Mannschaftsmeisters OSC Baden-Baden
zeigte gegen seinen israelischen Gegenüber eine feine Endspielleistung und
fuhr einen verdienten Punkt ein. Im letzten Viertel der fünften Runde war
zuerst die Begegnung zwischen Loek van Wely und Vishy Anand beendet. Der
Inder überrollte seinen Gegner regelrecht und sicherte sich dabei genügend
Vorteil, um einen ungefährdeten Sieg einzufahren. Loek van Wely gehört
zweifelsohne zu den Lichtgestalten des Weltschachs, doch nicht nur heute
wurde deutlich, dass er nach wie vor nicht mit den Allerbesten mithalten
kann. Vladimir Kramnik machte bisher den Eindruck, nahezu unbesiegbar zu
sein, doch Vassily Ivanchuk belehrte den Weltmeister und uns eines Besseren.
Zudem mit den schwarzen Steinen ausgerüstet erarbeitet sich der Ukrainer
einen stetig wachsenden Vorteil und verlangte Kramnik so nach 44 Zügen die
Aufgabe ab. Erwartungsgemäß floss auch zwischen Teimour Radjabov und
Alexander Morozevich Blut. Die Vor- und Nachteile wechselten mitunter "züglich",
doch den vorletzten Fehler, der ja bekanntlich gewinnt, beging Radjabov
und knöpfte Moro einen vollen Punkt ab.