TopTurniere Monaco 2007 R4 - Keine Änderung an der Spitze
20.03.2007 - Noch immer mit 100% im Blindschach und 2.5/4 im Schnellschach führt vor dem ersten Ruhetag Vladimir Kramnik die Kombinationswertung beim 16. Melody Amber Blindfold and Rapid Chess Tournament an. Ihm weiter dicht auf den Fersen bleibt Levon Aronian vor Vassily Ivanchuk und Peter Svidler. Letzterer konnte in der vierten Runde als Einziger zwei Punkte erzielen und so zur Tabellenspitze aufschließen. Leidtragender war Francisco Vallejo der sich nun zusammen mit Teimour Radjabov und Loek van Wely den letzten Platz teilt. Am Donnerstag treffen sich die Stars zur fünften Runde wieder, nachdem sie morgen hoffentlich alle einen geruhsamen Tag im Steuerparadies verbringen werden. Vielleicht stürzt sich ja der eine oder andere ins fürstliche Nachtleben und riskiert etwas am Roulettetisch.
In diesem Jahr
läuft es beim Schnellschach besser als blind - Alexander Morozevich
4/4 im
Blindschach, das deutet streng auf den Versuch hin, die 9.5/11 von
Morozevich aus dem letzten Jahr zu toppen. Der hatte zu dieser Zeit
übrigens bereits einen halben Punkt abgegeben. Vladimir Kramnik spielt
diese Randdisziplin des Schachsports momentan so, als könne er nicht nur
die 64 Felder auf seinem Monitor sondern auch die Figuren dazu sehen. Ganz
im Gegensatz zu seinem heutigen Opfer Vishy Anand. Der Inder konnte sich
zwar aus einer Druckstellung befreien und wollte wohl gerade zu
Gegenaktionen ansetzen, da entglitt ihm die Stellung vor seinem geistigen
Auge. Die Folge war der einzügige Verlust seines Läufers und damit auch der Partie. Alexander Morozevich kommt im Gegensatz zum aktuellen Weltmeister
in seiner Paradedisziplin überhaupt nicht in die Gänge. Heute fegte ihn
Loek van Wely regelrecht vom Brett, der damit auch gleich seinen ersten
Punkt im Blindturnier erzielte. Allenfalls einen leichten Vorteil konnte
sich Teimour Radjabov gegen Vassily Ivanchuk erspielen, mehr allerdings
ließ der Ukrainer nicht zu, so dass man sich nach 32 Zügen auf das Remis
in der Blindpartie einigte. Francisco Vallejo stand trotz der weißen
Steine nahezu die ganze Partie über schlechter, doch der Grund für seine
Niederlage war nicht der Technik von Peter Svidler geschuldet sondern der
Tatsache, dass der Spanier erst einen Springer und dann auch gleich noch
die Dame einstellte. Bis ins reine Schwerfigurenendspiel kämpften sich
dagegen Peter Leko und Boris Gelfand, bevor schließlich das Remis unterzeichnet wurde. Die
längste Blindpartie lieferten sich Levon Aronian und Magnus Carlsen. 76
Züge dauerte es, bevor sich der Norweger seinem Gegner geschlagen geben
musste. Zu präzise war die armenische Endspieltechnik trotz fehlender
Ansicht der Steine.
Der Sieger von
Morelia/Linares 2007 begeistert mit Mut zum Risiko - Vishy Anand
In
der Schnellpartie versuchte Vishy Anand wirklich alles, um die Niederlage
aus der Blindpartie gegen Vladimir Kramnik auszugleichen und legte einen
wahren Husarenritt hin. Während Schachprogramme alsbald Vorteil für den
Weltmeister sahen, da Vishy Haus und Hof riskierte, geriet dieser in
Wahrheit mächtig unter Druck. Schließlich erreichte die Stellung annährend
die Remisbreite, doch Anand setzte auf die gegnerische Zeitnot und wagte
nochmals alles. Im Blitzmodus spielte Kramnik jedoch weiter ausgezeichnet
und plötzlich musste man wieder um den Inder bangen. Nach einer heftigen
Schlacht einigten sich die beiden letztlich auf ein verdientes Remis. Verdient
deshalb, weil Vishy Anand ganz Tiger das einzig Richtige tat, um sich noch
Chancen im Klassement zu erhalten, und Kramnik förmlich an die Kehle
sprang. Objektiv bzw. aus Computersicht hätte der Russe siegen müssen,
aber sind wir doch ehrlich, statt dauernd zu spotten, wenn einer der
Besten mal patzt, und geben zu, dass wir genau das sehen wollen. Die
menschlichen Aspekte während dieser Weltklasseduelle sind doch ebenso
interessant wie die Partien selbst! Emotionen dürften auch in der
Schnellpartie zwischen Alexander Morozevich und Loek van Wely ausreichend
eine Rolle gespielt haben. Im Blindschach vom Niederländer noch ohne
nennenswerte Gegenwehr ausgespielt, zeigt Moro mit Wut im Bauch und den Figuren vor Augen, wie man auch aus der Englischen Eröffnung heraus einen Gegner
vorführen kann und gewann nach 39 Zügen. Vassily Ivanchuk sicherte sich
mit einer feinen Kombination gegen Teimour Radjabov ausgezeichnete Chancen
für die Gesamtwertung. Als der Aserbaidschaner schon glaubte, typisch
königsindisch zum weißen Monarchen vorgestoßen zu sein, konterte ihn der
Ukrainer höchst sehenswert aus. Nachdem Peter Svidler bereits in der
Blindpartie gegen Francisco Vallejo triumphieren konnte, schnappte er sich
auch den vollen Punkt in der Schnellpartie. Sein spanischer Kontrahent
hätte lieber das sichere Remis nehmen sollen, als er es erzwingen konnte,
aber er wollte mehr - zu viel. Ein taktischer Überseher und schon war es
um ihn geschehen. Zwischen Boris Gelfand und Peter Leko lautete die
spannende Frage die ganze Partie eigentlich nur, ob der Ungar das
erwünschte Remis bekommt oder nicht. Erst im Turmendspiel schwächelte
Gelfand und spendierte Leko einen Bauer, so dass dieser plötzlich
Gewinnaussichten hatte. Unter dem Strich geht das Remis nach 72 Zügen
okay. Magnus Carlsen erarbeitete sich gegen Levon Aronian aus der
Eröffnung heraus einen Vorteil der in einen gefährlichen Freibauer
mündete, aber verwerten konnte er ihn letztlich nicht und musste sich nach
71 Zügen ins Remis fügen. Damit führt Aronian weiterhin die
Schnellschachwertung an und ist ärgster Verfolger von Vladimir Kramnik. Am
Mittwoch ist in Monaco Ruhetag, bevor es dann am Donnerstag in die fünfte
Runde geht.