TopTurniere Monaco 2007 R3 - Kramnik mit alleiniger Führung
19.03.2007 - Nach der dritten Runde beim 16. Melody Amber Blindfold and Rapid Chess Tournament hat Vladimir Kramnik die alleinige Führung in der Gesamtwertung übernommen. Er profitierte von Levon Aronians Überseher in dessen Blindpartie gegen Boris Gelfand und erzielte heute einen halben Zähler mehr. 3/3 hat Kramnik in der Blindschachwertung und ist damit der am besten Sehende unter den Blinden. Vishy Anand und Vassily Ivanchuk trennten sich heuer in ihrem Duell 1-1 und bleiben so in Lauerposition. Dahinter folgt ein breites Mittelfeld, aus welchem der eine oder andere sicherlich auch noch ein Wörtchen um den Turniersieg mitreden möchte. Besonders groß wird der Stein heute gewesen sein, der Loek van Wely vom Herzen gepurzelt sein dürfte, als ihm Teimour Radjabov in der Schnellpartie zum Zeichen der Aufgabe die Hand reichte. Der erste Punkt überhaupt für den Niederländer war aber auch dringend überfällig.
Weltmeisterlich
auch im Blindschach - Vladimir Kramnik
Blindschach ist nicht umsonst eine Disziplin, die man wenn überhaupt nur
sehr selten spielt. Es bedarf einer weitaus höheren
Konzentrationsfähigkeit, denn im Gegensatz zum Sehendschach darf man
während einer Partie zu keiner Zeit die Stellung vergessen. Automatisch
sinkt die Qualität der Partien merklich ab, was die Weltklasse jedes Jahr
um den Frühlingsanfang herum, immer wieder erleben muss. Dass dies dem
Unterhaltungswert des Events keinen Abbruch tut, zeigt die Tatsache, dass
die besten Spieler der Welt immer wieder gerne nach Monaco kommen.
Natürlich wird auch der Preisfond von üppigen €216.000,- sein Übriges dazu
beitragen, dass die Profis gröbste Schnitzer riskieren und dabei sogar
ihren Spaß haben. Im vergangenen Jahr deklassierte Alexander Morozevich
seine Kollegen mit historischen 9.5/11, doch heuer setzte es für ihn gegen
Landsmann Vladimir Kramnik eine saftige Niederlage. Erst nahm dieser Moro
zwei Bauern und im anschließenden Angriff den vollen Punkt. In jeweils nur
23 Zügen mussten sich Vishy Anand und Levon Aronian ihren Gegnern Vassily
Ivanchuk bzw. Boris Gelfand beugen. Beide mussten anerkennen, dass ihnen
taktische Fallen gestellt worden waren, die sie bei Ansicht der Figuren
mit Leichtigkeit erkannt hätten, ihnen in der Blindpartie jedoch schlicht
entgangen waren. Hochklassig dagegen war die Blind-Vorstellung von Peter
Leko gegen Francisco Vallejo. Schon aus der Eröffnung heraus setzte der
Ungar dem Spanier zu und erreichte eine vorteilhafte Stellung, die er
sicher verwertete. Wieder sehr unglücklich verlor Loek van Wely gegen
Teimour Radjabov. Lange Zeit behielt der Niederländer den Überblick, doch
im Endspiel stellte er seinen Läufer und damit die Partie weg. In dem
Remis zwischen Peter Svidler und Magnus Carlsen kam keine rechte Spannung
auf. Und auch ihre Schnellpartie endete rasch mit einem Unentschieden.
François-André
Danican Philidor (1726 - 1795) beim Blindspiel 1784 in London
Levon Aronian
bei der Ehrung zum Chess960-Weltmeister bei der Chess Classic Mainz
2006
Levon Aronian dominiert nach der dritten Runde das
Schnellschach-Turnier. Heute rächte er sich für die Blindschachniederlage
an Boris Gelfand und führt mit 3/3 in dieser Wertung. Mittlerweile ist der
Chess960-Weltmeister auch in den erlauchten Kreis derer aufgestiegen, von
denen behauptet wird, sie könnten der berüchtigte
Raffael
vom ChessBase schach.de-Server sein.
Zuletzt wurde noch gemunkelt, es sei Peter Svidler, aber das verneinte
dieser persönlich. Gleich hinter Aronian liegt Vishy Anand in der
Schnellschachwertung. In seiner Paradedisziplin revanchierte er sich bei
Vassily Ivanchuk für die Blindpartie und wahrt sich so auch seine Chancen für
die Gesamtwertung. Gegen Teimour Radjabov konnte Loek van Wely endlich
seinen ersten Punkt erzielen und an diesen gleich die rote Laterne in der
Schnellschachwertung übergeben. Der Niederländer schlug den
Aserbaidschaner mit den schwarzen Steinen und brach damit die
Niederlagenserie. In der Gesamtwertung ziert er nach wie vor den letzten
Rang. Die letzte Partie des Tages spielten Vladimir Kramnik und Alexander
Morozevich. Letzterer versuchte, mit einer Überraschung in der Eröffnung,
die Schmach aus der Blindpartie auszugleichen, aber der Weltmeister zeigte
seine bekannte Zähigkeit und sicherte sich mit dem Remis die alleinige
Führung in der Gesamtwertung. Morgen wird er sich mit Vishy Anand
duellieren müssen.