TopTurniere Morelia / Linares 2007 - Carlsen wieder an der Spitze Topalov gibt in Remisstellung auf!
23.02.2007 - Nach Magnus Carlsens 64. Zug gegen Veselin Topalov konnte es nicht mehr lange dauern. Die Spieler würden sich bald die Hände zum Friedensschluss reichen und dann vielleicht noch analysieren, wo der Norweger verpasst haben könnte, gegen die Nr. 1 der Weltrangliste den Sack zuzumachen. Da geschieht das schier Unglaubliche, Topalov reicht Carlsen nach fünf Minuten des Nachdenkens zwar die Hand, doch er bietet nicht den Frieden sondern seine Aufgabe an! Ein verdutzter Carlsen akzeptiert freudig erregt, um dann dem Bulgaren post mortem zu zeigen, wie er sich hätte verteidigen können. In der ganzen Aufregung darf natürlich nicht untergehen, dass Levon Aronian gegen Vishy Anand ein eigentlich ausgeglichenes Endspiel gewann und so punktgleich mit dem Inder nun Carlsens ärgster Verfolger ist. Morozevich und Ivanchuk teilten den Punkt in ihrer Partie und im Duell der beiden Peter trat auch das Wahrscheinlichste, ein Remis, ein.
Der Sieg von Magnus Carlsen ist
keineswegs unverdient, erspielte er sich doch eine deutlich bessere
Stellung gegen Veselin Topalov. Doch an der entscheidenden Stelle fand
er nicht den richtigen Weg, seine Position maximal zu verstärken und
sein Gegner stand schon auf der Schwelle zum Remis. Dass Carlsen dennoch
mit einem vollen Punkt aus dem Duell nun an der Tabellenspitze steht,
verdankt er nur der Tatsache, dass Topalov in Morelia unglaublich
schlecht spielt und rechnet. Was ist los mit dem Bulgaren? Zerrt das
ganze Hickhack um die zunehmenden Betrugsvorwürfe an seinen Nerven? Oder
hat es die Organisation rund um Chef-Organisator Ricardo Portocarrero
einfach nur verstanden, dafür zu sorgen, dass Topalov alleine spielen
muss? Wie auch immer, wer den Schaden hat, braucht für den Spott
bekanntlich nicht zu sorgen. In der Schachszene wird sich das Mitleid
für den Bulgaren vermutlich in Grenzen halten und manch ein Witz über
Toiletten wird sicherlich wieder fabriziert, doch geben Sie zu, in der
folgenden Stellung aufzugeben, ist schon ein Griff in die Keramik, oder?
Hier gab Topalov
auf! Die Drohungen sind in der Tat fürchterlich. Dh7+ nebst Dh8+ und
Verlust des Springers scheint unvermeidlich, doch der Schein trügt.
Sehen Sie, wie Schwarz sich verteidigen kann? Die
Lösung finden Sie bei dennachspielbaren Partien.
Levon Aronian
Etwas weniger Trubel gab es
um den Sieg von Levon Aronian über Vishy Anand, doch das macht ihn nicht
minder bedeutsam. Lange Zeit sah es für Anand gar nicht schlecht aus und
zumindest die Remisbreite schien kaum überschreitbar, aber Vishy
unterschätzte die weißen Freibauern und musste nach 48 Zügen aufgeben.
Damit ist der aktuelle Chess960-Weltmeister mit dem 518er-Weltmeister
von 2000 in der Tabelle gleichgezogen. Wer weiß, vielleicht ergibt sich
ja irgendwann mal eine Chance für Vishy, sich in einer anderen Position
als der SP 518 bei Aronian zu revanchieren. Das wäre ein Spektakel! Na,
kommen Sie, man wird doch noch träumen dürfen! ;-)
Allzu gerne würde ich Ihnen
ähnlich Spannendes von den beiden verbleibenden Partien berichten, aber
weder Alexander Morozevich und Vassily Ivanchuk und schon gar nicht
Peter Svidler und Peter Leko war daran gelegen, für noch mehr Aufregung
zu sorgen. Man trennte sich allenthalben schiedlich friedlich und
kiebitzte lieber, bei den anderen Dramen.
Heute ist in Morelia Ruhetag und
am Samstag geht es dann mit Runde 6 weiter.