TopTurniere Morelia / Linares 2007 - Anand übernimmt alleinige Führung Carlsen mit Sieg gegen Ivanchuk auf Platz 2
22.02.2007 - Vishy Anand gibt den Ton an in Morelia und das bekam auch Alexander Morozevich in der vierten Runde zu spüren. Er verlor gegen den Inder und findet sich nun alleine am Tabellenende wieder, denn Leidensgenosse Veselin Topalov erreichte gegen Peter Svidler immerhin ein Remis. Beeindruckend ist auch die Form von Magnus Carlsen, der gegen Vassily Ivanchuk siegte und nun alleiniger Zweiter ist. In der vierten Partie des Tages remisierten Peter Leko und Levon Aronian.
Beinahe kann einem Alexander
Morozevich schon leid tun, denn er spielt bestimmt kein schlechtes
Schach! Doch unglücklich ist es allemal, aber das wird seine Gegner
nicht weiter stören - der Punkt wird gerne mitgenommen. So auch Vishy
Anand in der vierten Runde. In einer spannenden Spanisch-Partie kippte
die Waagschale erst im späten Mittelspiel endgültig zu Gunsten des
Tigers. Anand gewann innerhalb weniger Züge zwei Bauern und damit auch den vollen Punkt.
Somit führt Vishy
nicht nur die Tabelle an, er hat sogar eine realistische Chance, sich
wieder der 2800 zu nähern und um Platz 1 in der Weltrangliste zu
kämpfen. In der fünften Runde wird er auf den amtierenden
Chess960-Weltmeister Levon Aronian treffen.
Magnus Carlsen - bald 2700?
Mehr oder weniger freiwillige
Schützenhilfe leistete Magnus Carlsen, indem er den bis dahin Co-Führenden
Vassily Ivanchuk in einer nicht minder hochkarätigen Partie schlug.
Bereits nach vier Zügen hatten die beiden eine kaum bekannte Form des
Damenbauernspiels aufs Brett gezaubert, was mehr an eine Chess960-Partie
erinnerte als an ein 518er-Duell. Sowohl Carlsen als auch Ivanchuk
mussten früh die schwierige Stellung selbst berechnen und es
entwickelte sich ein kompliziertes Spiel mit wechselnden Chancen. Aber
im Endspiel bewies dann der junge Norweger den besseren Überblick und
nutzte Ivanchuks Ungenauigkeiten gekonnt aus. Nach zuletzt weniger
zufriedenstellenden Ergebnissen ist Magnus Carlsen wieder auf dem
richtigen Weg, in die Phalanx der 2700er vorzustoßen. Übrigens hat sein Vater einen Schachblog gestartet, in welchem er über die Taten des Filius berichtet. Sehr interessant! Für ihn ist das Turnier aus Magnus Sicht bereits ein voller Erfolg, unabhängig davon, wie die letzten 10 Runden ausgehen werden. Das ist wahre Vaterliebe! Schachblog von Henrik Carlsen (Englisch)
Magnus nächster Gegner ist
Veselin Topalov, der bis jetzt noch ohne Sieg sein Bestes geben wird,
mit Weiß zu gewinnen, um den Anschluss an die Spitze nicht vollends zu
verlieren. In seiner Partie gegen Peter Svidler sah es zunächst gar
nicht schlecht aus für den Bulgaren, aber wirklich etwas Zwingendes
wollte ihm nicht einfallen, und so fügte er sich nach 29 Zügen ins
Remis. Länger hielten zwar Peter Leko und Levon Aronian durch, doch nach
schon 25 Zügen hatte sich sämtliches Leichtmaterial abgetauscht und im
Endspiel der Schwerfiguren ließen beide Seiten nichts mehr anbrennen, und
so trennte man sich nach 44 Zügen friedlich. Besonders aus Lekos Sicht
ist Morelia wieder ein Turnier nach seinem Geschmack. So gut wie kein
Risiko eingehen und jede Gelegenheit, die Stellung zu vereinfachen,
nutzen. So verliert man zwar nicht, aber die Gefahr, ein
Weltklasseturnier zu gewinnen, ist so ebenfalls nur sehr gering.